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Schlechte deutsche Kritiken, dafür 9 Oscar-Nominierungen

Oscar-Favorit "Im Westen nichts Neues": Kritik in Deutschland - aber im Ausland geliebt

  • Aktualisiert: 13.03.2023
  • 13:00 Uhr
  • Daniela R.
Der Film "Im Westen nichts Neues" wurde mehrfach für einen renommierten Academy Award nominiert.
Der Film "Im Westen nichts Neues" wurde mehrfach für einen renommierten Academy Award nominiert.© Reiner Bajo/Netflix/dpa

Das Wichtigste in Kürze

  • Die "Süddeutsche Zeitung" schreibt unter anderem: "Kein Buch ist so gut, dass man daraus nicht einen schlechten Film machen könnte." Und das ist nur eine von mehreren schlechten deutschen Kritiken, die der Film "Im Westen nichts Neues" erhalten hat.

  • Trotzdem ist der Film von Edward Berger für sage und schreibe neun Oscars nominiert.

  • Wie viele Academy Awards der Streifen bekommen wird, das wird sich am 13. März herausstellen. Bis jetzt ist aber schon klar: Der Film kommt in Deutschland offenbar nicht so gut an wie in den USA.

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In Deutschland gibt es mangelnden Enthusiasmus für den Film "Im Westen nichts Neues", der neun Nominierungen für die Oscars erhalten hat. Doch was könnten die Gründe dafür sein? Wir verschaffen einen Überblick.

Unglaublich, der Film "Im Westen Nichts Neues" überzeugt in vier Kategorien, erfahre hier gegen welche Filme er sich in den Kategorien bester internationaler Film, beste Kamera, beste Filmmusik und bestes Szenenbild durchgesetzt hat.

Das schreiben deutsche Medien über den Film "Im Westen nichts Neues"

Erich Maria Remarque veröffentlichte 1929 den Roman "Im Westen nichts Neues" nach seiner kurzen Zeit 1917 an der Front im Ersten Weltkrieg. Der Roman wurde zu einem Klassiker der Kriegsliteratur und verdeutlicht die schlimmen Kriegszustände an der Westfront und den apokalyptischen Irrsinn. Mit der nun insgesamt dritten Verfilmung von "Im Westen nichts Neues" scheinen einige deutsche Kritiker nicht zufrieden zu sein. Die Kritik unter anderem: Der Film weist kaum Gemeinsamkeiten mit dem Buch auf. Zudem würde der Netflix-Streifen der Vorlage Figuren hinzufügen, neue Handlungsstränge erfinden und wichtige Charaktere und Szenen weglassen. So schrieb ein Autor der "Süddeutschen Zeitung" beispielsweise:

Kein Buch ist so gut, dass man daraus nicht einen schlechten Film machen könnte.

"Süddeutsche Zeitung"

Und auch die FAZ schreibt:

Bergers Soldatendrama aus dem Ersten Weltkrieg, das vom Streamingdienst Netflix finanziert wurde, hat bei seinem Kino- und Internetstart im vergangenen Jahr fast überall lo­ben­de Kritiken bekommen. Das einzige Land, in dem es auch ein paar Verrisse gab, war Deutschland, vielleicht, weil es hier noch zahlreiche Leser der Vorlage von Erich Maria Remarque gibt. 

FAZ

So sei Remarques 1929 er­schie­ne­ner Roman eins der auflagenstärksten deutschen Bücher, die je gedruckt wurden, und sei hierzulande für viele Generation Schulstoff gewesen. Der Film habe aber nicht mehr viel mit dem Buch zutun.

Die "Bild"-Zeitung schreibt:

Schockte die Erstverfilmung von 1930 ebenso wie die Adaption von 1979 im Sinne von Remarque noch durch die monströse Banalität des Tötens, ist bei der Netflix-Produktion nur noch die Banalität übrig geblieben.

"Bild"

Deutlich wird, auch wenn es hier nur drei Auszüge von Kritiken sind: Der Film bekommt offenbar mehrere schlechte Kritiken - dennoch ist er nun für neun Oscars nominiert. In den USA scheint der Streifen also gut anzukommen.

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In dem Video erfahrt ihr, welche Top-Schauspieler noch keinen Oscar gewonnen haben

Darum könnte "Im Westen nichts Neues" bei deutschen Kritikern nicht so gut ankommen

Was der Grund sein könnte, warum der Film in Deutschland nicht so gut ankommt wie in den USA? "Spiegel Online" schreibt dazu:

Filme haben in diesem Land keinen so hohen Stellenwert wie in Frankreich, England oder den USA. Die Deutschen fremdeln spätestens seit der Nachkriegszeit mit der Kunstform, für die sie einmal weltberühmt waren: In den Zwanzigerjahren zählte Deutschland zu den führenden Filmnationen, brachte Klassiker wie "Metropolis" und "Dr. Mabuse" hervor. Dann kaperten die Nationalsozialisten den Film, machten ihn zur Propagandawaffe, und die wichtigsten Künstler wurden mit Berufsverbot belegt, umgebracht oder ins Exil gezwungen. Davon hat sich der deutsche Film bis heute nicht ganz erholt, ein neues Selbstbewusstsein hat sich nie ent­wickelt.

"Spiegel Online"

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In diesen Kategorien ist "Im Westen nichts Neues" für den Oscar nominiert

"Im Westen nichts Neues" ist nominiert in den Kategorien "Beste Kamera", "Bester Ton" und "Bestes Szenenbild". Es ist auch nominiert für das "Beste adaptierte Drehbuch" und die "Beste Filmmusik". In der Kategorie "Bester Internationaler Film", wo in der über 90-jährigen Geschichte der Oscars erst drei deutsche Filme gewonnen haben - "Die Blechtrommel" (1980), "Nirgendwo in Afrika" (2003) und "Das Leben der Anderen" (2007) - geht "Im Westen nichts Neues" zum ersten Mal überhaupt in der Königskategorie ins Rennen um den noch immer begehrtesten Filmpreis der Welt: "Bester Film".

"Im Westen nichts Neues" ist international hoch angesehen

Aber nicht nur die neun Oscar-Nominierungen sprechen dem Film jetzt schon einen gewissen Erfolg zu. Der Film sei laut "Spiegel Online" in den USA und Großbritannien gerade für seine "Furchtlosigkeit" gefeiert worden. Bei den britischen Bafta-Awards habe das Drama so viele Auszeichnungen wie kein deutscher Film zuvor erhalten. "Im Westen nichts Neues" wurde für 14 Kategorien nominiert und erhielt 7 Preise, darunter für "Beste Regie" und "Bester Film".

Felix Kammerer, der den Paul Bäumer spielte und seine erste Hauptrolle in einem Film hatte, sagte, dass der Abend bei den "Bafta Awards" "absurd" gewesen sei. Er verbrachte anderthalb Stunden auf dem roten Teppich mit Fotos, Interviews und noch mehr Fotos. "Und dann", so Kammerer laut "Spiegel Online", "gratulieren dir Stars, die du nur vom Bildschirm kennst. Cate Blanchett hat mir die Hand geschüttelt und gesagt, wie sehr sie den Film liebt."

Es bleibt also abzuwarten, wie sich der Film am 13. März 2023 bei den Oscars schlagen wird. Die Nominierungen und bisherigen Awards haben aber bereits für sich gesprochen.

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