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Solar Radiation Management: Sonne dimmen gegen den Klimawandel?

  • Veröffentlicht: 14.07.2023
  • 12:45 Uhr
  • Galileo

Um den Klimawandel aufzuhalten, soll vielleicht auch Solar Radiation Management (SRM) zum Einsatz kommen. Dabei will man die Sonne dimmen, indem Schwefel in die Atmosphäre gebracht wird. Warum Fachleute diese Form von Geo-Engineering ablehnen, erfährst du hier.

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Das Wichtigste zum Thema Solar Radiation Management

  • Um die Folgen des Klimawandels so weit wie möglich zu begrenzen, darf die globale Durchschnittstemperatur nicht um mehr als 1,5 Grad Celsius im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter steigen.

  • Dazu muss der Ausstoß von Treibhausgasen wie CO2 oder Methan stark verringert werden.

  • Womöglich schaffen wir dies jedoch nicht ohne zusätzliche Technologien. Eine davon ist als Solar Radiation Management (SRM) bekannt, auch Solar Radiation Modification genannt. Gemeint ist eine Steuerung der Sonneneinstrahlung.

  • Zwar ist der Einsatz von SRM in naher Zukunft nicht geplant. Die USA prüfen aber zumindest die Möglichkeiten. Aufgrund der unkalkulierbaren Risiken für die gesamte Welt warnen Fachleute vor Tests und entsprechender (finanzieller) Unterstützung.

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USA prüfen Einsatz von Solar Radiation Management

Die Regierung um US-Präsident Joe Biden veröffentlichte kürzlich einen Forschungsplan, der die Möglichkeiten von Solar Radiaton Management ausloten soll.

Fachleute sind alarmiert: Kosten, Aufwand und Risiken für den Einsatz von SRM seien enorm - und noch nicht endgültig abzuschätzen. Sie sehen in SRM höchstens einen Notfall-Plan, dessen Einsatz noch zu früh käme.

Die US-Regierung um Joe Biden versichert: Die grundsätzliche Klima-Politik der USA mit dem Ziel der Reduktion von Treibhausgas-Emissionen werde sich durch die Prüfung von Möglichkeiten von Solar Radiation Management nicht ändern.
Die US-Regierung um Joe Biden versichert: Die grundsätzliche Klima-Politik der USA mit dem Ziel der Reduktion von Treibhausgas-Emissionen werde sich durch die Prüfung von Möglichkeiten von Solar Radiation Management nicht ändern.© picture alliance / Newscom | Samuel Corum

Solar Radiation Management: Eingriff ins Klimasystem

Im Kampf gegen den Klimawandel schaffen wir es angesichts des schleppenden Fortschritts womöglich nicht mehr rechtzeitig, die Treibhausgas-Emissionen in ausreichendem Ausmaß zu senken.

Daher diskutieren Expert:innen und verschiedene Interessengruppen den zusätzlichen Einsatz von Maßnahmen, die in das Klimasystem eingreifen. Zusammengefasst werden sie unter dem Sammelbegriff Geo-Engineering, auch Climate Engineering genannt.

Dazu zählen zum einen Maßnahmen des Carbon Dioxide Removal (CDR). Diese zielen darauf ab, der Luft Kohlenstoffdioxid zu entziehen und zu speichern. Zum Beispiel durch Aufforsten, den massenhaften Einsatz von Algen oder Technologien wie CO2-Kraftwerken.

Zum anderen zählen Maßnahmen des Solar Radiation Management (SRM) dazu. Ein Ansatz dieser Maßnahmen wäre, der Atmosphäre künstlich Schwefel zuführen. Das hätte einen ähnlichen Effekt wie die Rauchwolken nach einem Vulkanausbruch, die einen Teil der Sonnenstrahlen reflektieren.

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Viele Ideen zum Einsatz von SRM

🌬 Im Bericht der US-Regierung findet zum einen die Idee Erwähnung, mit spezifischen Flugzeugen Aerosole in der Atmosphäre zu verteilen.

☁️ Zum anderen wird das sogenannte "Marine Cloud Brightening" angeführt. Dabei würden Schiffe etwa Meerwasser-Tröpfchen über den Ozeanen versprühen, was die Wolken darüber aufhellen soll, die dann wiederum mehr Sonnenstrahlen reflektierten als dunkle.

⚪️ Einen ähnlichen Effekt sollen massenweise helle Oberflächen an Land haben, zum Beispiel in Form von weißen Hausdächern.

☔️ Kaum mittelfristig umsetzbar, aber dennoch eine weitere Idee: Sonnenschirme im Weltraum zwischen Erde und Sonne.

Galileo vom 2018-07-20

Der außergewöhnliche Job eines Hageljäger

Georg Vogl ist Einsatzleiter der Hagelabwehr Rosenheim und Superhero. Mit seinem speziell umgebauten Flugzeug bekämpft er schwere Hagelfälle, indem er Wolken mit Silberjodid impft. Wie das genau aussieht? Mehr dazu im Video.

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Fachleute fordern Verbot von Solar Radiation Management

🤔 Vor allem mögliche Maßnahmen des Solar Radiation Managements spalten die Fachwelt: Während einige sich für deren Erforschung und Anwendung einsetzen, warnen andere vor den kaum berechenbaren Risiken für die gesamte Welt.

🛑 In einem Fach-Beitrag fordert eine Gruppe um Frank Biermann von der Universität Utrecht (Niederlande) nicht nur ein Verbot für den Einsatz von SRM, sondern auch bereits für deren Erprobung und öffentliche Förderung.

🤷 Es gebe zu viele Unklarheiten hinsichtlich der Wirksamkeit und Folgen. Auch zweifelt die Gruppe, ob jemals alle offenen Fragen vor dem Einsatz von SRM beantwortet werden können.

🚜 Voraussichtlich würde der Einsatz von SRM die Erde nicht gleichmäßig abkühlen. Vielmehr erwarten die Expert:innen regionale Unterschiede, die zudem die Niederschläge beeinflussen. Unter anderem hätte dies einschneidende Auswirkungen auf die Landwirtschaft und somit auf die Lebensgrundlage von Millionen von Menschen.

🏢 Nicht zuletzt herrscht außerdem Skepsis in Bezug auf die politische Umsetzbarkeit von SRM-Maßnahmen. Für eine weltweit faire Kontrolle braucht es entsprechende globale Institutionen - diese existieren nicht und sind wenig realistisch.

🙈 Ohnehin würde Solar Radiation Management nicht zur Verminderung der Konzentration von Treibhausgasen beitragen. Die eigentliche Ursache des Klimawandels bliebe demnach unverändert.

Klimaschutz kommt nur stockend voran

Spätestens seit dem Pariser Klimaabkommen 2015 scheint das Ziel klar: Fast alle Länder der Welt verpflichten sich zu mehr Klimaschutz, um die Erderwärmung auf am besten höchstens 1,5 Grad Celsius im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu beschränken.

Der Weg dorthin ist bisher aber holprig. Bei der wichtigsten und nachhaltigsten Maßnahme, der Verminderung der Treibhausgas-Emissionen, kommt die Weltgemeinschaft nur langsam voran.

Die USA, das Land mit dem zweithöchsten CO2-Ausstoß weltweit, waren unter Ex-Präsident Donald Trump sogar zeitweise aus dem Klimaabkommen ausgetreten.

In Deutschland ist der Ausstoß von Treibhausgasen seit 1990 zwar bereits um über 40 Prozent gesunken. Nach - vor allem wegen weniger Verkehr und Industrie in der Corona-Pandemie - geringeren Emissionen im Jahr 2020 sind die Treibhausgas-Emissionen im Jahr 2021 im Vergleich zum Vorjahr jedoch wieder um 4,5 Prozent gestiegen. Zuletzt sanken die Emissionen im Jahr 2022 wieder um 1,9 Prozent.

Ein Ziel des deutschen Klimaschutzgesetzes: Bis 2030 soll der Treibhausgas-Ausstoß um 65 Prozent im Vergleich zu 1990 verringert werden.

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© Galileo
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Willst du noch mehr zum Thema Solar Radiation Management erfahren?

Umweltbundesamt

Umweltbundesamt: Geo-Engineering-Governance

Max-Planck-Institut für Meteorologie

Biermann, Frank et al. (2022): Solar geoengineering: The case for an international non-use agreement

FAQ zum Thema Solar Radiation Management

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