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Wetter

El Niño: Diese Folgen hat das Klimaphänomen für die Welt 

  • Veröffentlicht: 23.02.2024
  • 15:00 Uhr
  • Sven Hasselberg
Reißende Fluten: Durch das Klimaphänomen El Niño kommt es in Südamerika zu außergewöhnlichem Starkregen. 
Reißende Fluten: Durch das Klimaphänomen El Niño kommt es in Südamerika zu außergewöhnlichem Starkregen. © picture alliance / Photoshot

El Niño wirbelt alle paar Jahre das globale Wetter durcheinander. Auch 2024 sollen die Auswirkungen weltweit zu spüren sein. Die Folgen sind Überschwemmungen, Dürren, Ernteausfälle sowie extreme Temperaturschwankungen. Wie es zu dem Wetterphänomen kommt, was man dagegen tun kann und welche Auswirkungen es auch für Deutschland gibt.

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El Niño: Das Wichtigste in Kürze

  • Das Klimaphänomen El Niño wirkt sich vor allem im Dezember vor der Pazifikküste Südamerikas aus. Im Schnitt dauert das Phänomen neun bis zwölf Monate.

  • El Niño tritt periodisch, aber in unregelmäßigen Abständen alle zwei bis sieben Jahre auf. Es gibt unterschiedlich starke Ausprägungen des Wetterphänomens

  • 2023 trat El Niño wieder auf. Im Januar 2024 erreichte das es seinen Höhepunkt. Die Auswirkungen auf das Klima und die Welt sind jedoch erst 2024 absehbar.

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Was ist El Niño eigentlich?

El Niño ist ein natürliches, wiederkehrendes Wetterphänomen, das im Schnitt alle vier bis fünf Jahre auftritt. Das Phänomen wird auch ENSO abgekürzt (El Niño-South Oscillation). Normalerweise wehen die Passatwinde nördlich des Äquators aus Nordost und südlich des Äquators aus Südost. Der Passat ist ein beständiges Windsystem, das die gesamte Erde in den Tropen und Subtropen mäßig stark umweht.

Der Humboldtstrom, eine Meeresströmung, bringt für gewöhnlich kaltes Wasser aus der Antarktis in den östlichen Pazifik. Dieses kalte Wasser ist nährstoffreich. Es steigt an der südamerikanischen Pazifikküste vor Peru, aus den Tiefen des Ozeans an die Oberfläche, wo es sich erwärmt. Normalerweise treibt der Passatwind aus Südosten dieses warme Wasser nach Westen also Richtung Indonesien.

In den El Niño-Jahren schwächen sich die Passatwinde aber so sehr ab, dass sie das Wasser nicht mehr wegschieben. Im Gegenteil, es strömt sogar wärmeres Wasser aus dem westlichen Pazifik Richtung Osten. Das Strömungssystem kehrt sich also um. Als Folge kann das kalte Wasser vor Südamerika nicht mehr nach oben steigen, da das warme Wasser wie ein Deckel darüber sitzt. An der Oberfläche ist das Wasser hier nun bis zu 5 Grad Celsius wärmer als in gewöhnlichen Jahren.

Der gesamte Ostpazifik ist also nun wärmer als der Westpazifik. Die Luft steigt hier auf und führt zu erhöhten, starken Niederschlägen. Während dies sonst im Westen passiert, können dort nun große Dürren einkehren. Die folgende Grafikgalerie erklärt es dir anschaulich.

Da der Ozean und die Atmosphäre weltweit im Wechselspiel agieren, sind die Auswirkungen umso größer, je näher sich die Region am Äquator befindet. El Niño kann aber auch den Jetstream verschieben. Dieses Starkwind-Band schlängelt sich mit 400 Stundenkilometer in der Atmosphäre um den Globus. Der Jetstream ist durch seine Beeinflussung der Hochs und Tiefs für das Wetter und die Temperaturen verantwortlich.

Hier siehst du, wie die Verhältnisse bei normaler Wetterlage in Südostasien und Südamerika sind. Durch das Phänomen El Niño wird die Wetterlage aber komplett auf den Kopf gestellt. 
Hier siehst du, wie die Verhältnisse bei normaler Wetterlage in Südostasien und Südamerika sind. Durch das Phänomen El Niño wird die Wetterlage aber komplett auf den Kopf gestellt. © Galileo
Tritt das Wetterphänomen El Niño auf, sorgt das in Südostasien für Dürre, während etwa in Südamerika extrem viel Regen fällt. 
Tritt das Wetterphänomen El Niño auf, sorgt das in Südostasien für Dürre, während etwa in Südamerika extrem viel Regen fällt. © Galileo
Hier siehst du, wie die Verhältnisse bei normaler Wetterlage in Südostasien und Südamerika sind. Durch das Phänomen El Niño wird die Wetterlage aber komplett auf den Kopf gestellt. 
Tritt das Wetterphänomen El Niño auf, sorgt das in Südostasien für Dürre, während etwa in Südamerika extrem viel Regen fällt. 

Sind die Wetterphänomene vorauszusehen?

Da El Niño in unregelmäßigen Abständen auftaucht, ist er nicht auf lange Sicht berechenbar. Forschenden gelingt es mittlerweile aber anhand bestimmter Anzeichen, den Beginn des Phänomens einige Monate im Voraus zu erkennen. So können Wissenschaftler:innen zumindest warnen. Dadurch können Regierungen und Verantwortliche immerhin einige Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung ergreifen. Auch wenn diese nie ausreichend sein können.

Neben El Niño gibt es auch noch das Wetterphänomen "La Niña". Während El Niño eine Anomalie ist, die die Verhältnisse umkehrt, ist die kleine Schwester La Niña eine Verstärkung des Normalzustandes. Die Extreme von la Niña sind auch zu spüren, allerdings nicht so stark. El Niño und La Nina wechseln sich immer ab, zwischen den Phänomenen herrscht dann jeweils wieder der Normalzustand.

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Welche Auswirkungen hat El Niño weltweit?

Der unmittelbare Einflussbereich von El Niño - Ein Phänomen mit globalen Auswirkungen
Der unmittelbare Einflussbereich von El Niño - Ein Phänomen mit globalen Auswirkungen© Galileo

🌧 Extremer Starkregen: In Südamerika kommt es zu besonders starkem Niederschlag. Vor allem im Westen, an den Anden, regnet es ab. Aber auch andere Regionen sind weltweit von diesen Regen betroffen. Dazu gehören Ostafrika, Mittel- und Ostasien. Auch im südlichen Nordamerika, also beispielsweise in Kalifornien, kann es zu größeren Regenmengen kommen. Manchen Regionen kann dies je nachdem sogar nutzen. Allerdings sind die Schäden weltweit größer. Überschwemmungen kosten Millionen Menschen ihr Zuhause.

🔥 Dürren: In anderen Regionen der Welt kommt es zu extremer Trockenheit. Australien ist besonders betroffen, ebenso wie Indien, das südliche Afrika und die Sahel-Zone. In Südamerika betrifft es den Norden bis nach Mittelamerika. Grundsätzlich steigen die Durchschnittstemperaturen weltweit und die Trockenheit führt oft zu Waldbränden. Die extremen Wetterbedingungen sollen im starken El Niño-Jahr 1997 weltweit zu volkswirtschaftlichen Ausfällen in der Höhe von 33 Milliarden Dollar geführt haben.

🌾 Ernteausfälle: Weltweit kommt es durch die starken Anomalien zu Ernteausfällen. Entweder die Dürren trocknen alles aus oder der Regen schwemmt alles weg, die Ernte verfault. Das führt wiederum in vielen Regionen zu Hungersnöten. Grundsätzlich herrscht in einigen Teilen der Welt plötzlich große Hitze, in anderen Kälte. Allein in Haiti soll El Niño durch die Trockenheit 2015/2016 die Ernte sogar um 50 Prozent gemindert haben. Im Süden Afrika war die Ernährung von gut 40 Millionen Menschen gefährdet.

🪸 Fische & Korallen: Vor allem im Südostpazifik vor Südamerika erwärmt sich das Wasser. Das kalte Wasser mit den vielen Nährstoffen steigt nicht mehr auf. Unter anderem stirbt das Plankton ab und die Fische ziehen deshalb aus dem Gebiet weg. Auch die Korallen sind sehr empfindlich, was die Wassertemperatur betrifft. Sie leben mit Algen in einer Symbiose. Diese helfen mithilfe von Licht und Photosynthese auch den Korallen, ihren Energiehaushalt zu regulieren. Steigt die Wassertemperatur, produzieren diese Algen giftige Stoffe und werden abgestoßen. Die Koralle stirbt ebenfalls ab, da sie nicht mehr genügend Energie erhält. Es kommt zur Korallenbleiche.

🦟 Krankheiten: Durch die Regenfälle und Überschwemmungen bildet sich vielerorts stehendes Wasser, und es ist kein reines Trinkwasser mehr zu finden. Krankheiten wie Cholera, Gelbfieber oder Dengue-Fieber können sich besser ausbreiten. Letztere werden durch die Tigermücke verbreitet, die das Wasser als Brutgebiet nutzt. Außerdem treten vermehrt Krankheiten auf, die durch Mangelernährung bedingt sind. Auch zu Hitzschlägen kommt es in den betroffenen Dürre-Gebieten häufiger.

🌡 Klimawandel: El Niño ist keine Folge des Klimawandels. Allerdings kann das Zusammenspiel aus El Niño und Klimawandel bewirken, dass die Erderwärmung 2024 vorübergehend um 1,5 Grad steigen könnte. Außerdem kann der Klimawandel Einfluss auf die Auswirkungen von El Niño haben. In einigen Regionen kann er sie verstärken, in anderen schwächen.

Extreme Trockenheit: Schafe versuchen, auf einem völlig ausgedörrten Reisfeld noch etwas Futter zu finden. Im Herbst 2023 verursachte El Niño hier im indonesischen Regierungsbezirk Tangerang, im Westen der Insel Java, eine außergewöhnliche Dürre.
Extreme Trockenheit: Schafe versuchen, auf einem völlig ausgedörrten Reisfeld noch etwas Futter zu finden. Im Herbst 2023 verursachte El Niño hier im indonesischen Regierungsbezirk Tangerang, im Westen der Insel Java, eine außergewöhnliche Dürre.© picture alliance / NurPhoto/ Kevin Herbian

Was bedeutet El Niño für Deutschland?

Europa ist der einzige Kontinent, der weitgehend nicht von direkten Wetterauswirkungen durch El Niño betroffen ist. Außer das besonders kalte Winter und die massiven Kälteeinbrüche in Deutschland eventuell Spätfolgen davon sein könnten, sind keine klimatischen Phänomene zu beobachten.

Allerdings weist selbst der Deutsche Wetterdienst auf die Folgen für die weltweit zusammenhängende Wirtschaft hin. Durch El Niño kann es auch in Deutschland zu Lieferengpässen oder Preissteigerungen bei Lebensmitteln aus betroffenen Regionen kommen. Einen weiteren gesellschaftlichen Einfluss des Wetterphänomens kann ein erhöhter Druck zu Migrationsbewegungen sein. Sorgen mehr Dürren oder Überschwemmungen für Elend, können auch mehr Menschen aus diesen Gebieten fliehen wollen.

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