Hazy Hartlieb (55) studierte Kunst und Theaterwissenschaft und kreiert seit mehr als 30 Jahren «costume couture», getreu seines Lebensmottos: «Ich bin auf der Welt, um Schönes zu schaffen.» Der kreative Tausendsassa, Künstler und Kostümbildner hat für grosse und kleine Bühnen, Film, Theater und Fernsehen gearbeitet. Inzwischen lebt der gebürtige Augsburger seit zehn Jahren auf Schloss Wuppertal, wo er auch sein Atelier hat. Hier entstanden in Handarbeit die acht Masken für «The Masked Singer Switzerland».

Interview mit Hazy Hartlieb

Was unterscheidet deine Arbeit an den Masken von deiner üblichen Arbeit?

Eine übliche Arbeit gibt es bei meiner Arbeit eigentlich gar nicht. Bei den meisten Projekten, an denen ich arbeite, bin ich meistens auch der Autor und der Regisseur der Shows. Ich mache alles, was kreativ ist. Dazu gehören Ausstattung und Bühnenbilder, Gartengestaltung oder Interior Design: Ich habe schon Hotels, Restaurants und Theater, aber auch Wohnungen von den Wänden bis zur Einrichtung umgebaut, oder Maskottchen gestaltet und riesige Comicfiguren in Kostüme umgesetzt.   Meine bekanntesten Arbeiten sind sicher die Kostüme und Outfits von Hella von Sinnen, mit der ich seit 1989 zusammenarbeite und sehr gut befreundet bin. Im Fall von «The Masked Singer Switzerland» ist das vor allen Dingen deswegen sehr schön, weil man aufwändig arbeiten kann und weil die Masken sehr detailverliebt sind. Und das können die Kameras natürlich wunderbar einfangen. Das macht wahnsinnig viel Spass.

Was ist das Aussergewöhnlichste, was du in deinem Beruf jemals gemacht hast?

Ich habe viele grosse Produktionen gemacht, bei denen ich federführend in der Entwicklung, Umsetzung und Ausstattung war. Aber es gab zwei Grossproduktionen, die sicher zu den spektakulärsten Dingen meiner Karriere gehören: Bei einer Show in der Preussag Arena für die Expo 2000 war ich Autor, Regisseur und Ausstatter in Personalunion und für das Gesamtkonzept und die Musikauswahl zuständig. Wir hatten 185 Kostüme, 48 Darsteller und bei jeder der vier Shows knapp 10.000 Zuschauer. Vom Budget, Aufwand und der Vielseitigkeit waren zudem meine Shows für Katar enorm. Insgesamt waren das über 1000 Kostüme, die für sieben verschiedene Shows entwickelt wurden und für die ich auch die Storys entwickeln durfte. Das war gigantisch. «The Masked Singer Switzerland» ist jetzt das i-Tüpfelchen auf meiner bisherigen Karriere und macht einfach gnadenlos viel Spass.

Woher kommen die Ideen für die Masken? Welche Vorlagen hast du?

Ich habe die Themen, Ideen und auch die Welt der Charaktere vom Team angeliefert bekommen. Das hat natürlich einiges definiert. Wenn z.B. die Kuh an einen Rapper erinnern soll, fliessen diese Vorgaben auch in meine Entwürfe mit ein. Dann überlege ich mir die Farben und Materialien, die zum Charakter passen: Die Kuh sollte also eine Jogginghose tragen. Und all das muss für eine Show wie «The Masked Singer» noch witziger, lauter, schriller und glamouröser sein. Und so bekommt die Jogginghose auch noch eine Menge Pailletten. Ein tolles Format, bei dem man sich ausleben kann.

Wie viele Mitarbeiter arbeiten mit dir an den Masken?

Ich mache das zum grössten Teil alleine, habe allerdings seit September mit Kostümbildner Sören Witt und Kostümbildnerin Kai Rudat noch zwei Kollegen an der Seite, die mich beim Nähen unterstützen. Mein Partner Lothar Abstohs macht die ganzen handwerklichen Dinge, wie z.B. die Unterbaukonstruktionen für die Köpfe. Jede Maske ist ein Unikat und von uns handgefertigt.

Wie lange dauert es im Durchschnitt, bis eine Maske fertig gestellt ist?

Das Bestellen der Stoffe und Materialien sowie das Anfertigen der einzelnen Teile dauert am längsten. Wenn das alles vorbereitet ist, benötigen wir für die Fertigung einer Maske insgesamt grob zwischen vier und zehn Tagen – und diese Tage sind dann auch sehr lang!

Bei welcher Maske hat es am längsten gedauert?

Die aufwändigste Maske ist der Seegott, weil ich bei ihm unglaublich viele unterschiedliche Materialien verarbeitet habe, u.a. unzählige Strass- und Glitzersteine, die alle einzeln genäht oder geklebt werden mussten. Jede Naht und Linie ist mit Strasssteinen nachgearbeitet. Die Eule ist ebenfalls aufwändig: Sie hat 450 wattierte und 2.500 von Hand geschnittene Federn – das alles zuzuschneiden und zu nähen hat alleine schon drei Tage gedauert.

Wo werden die Masken gefertigt?

Mein Partner Lothar und ich haben das grosse Glück seit zehn Jahren Besitzer von Schloss Wuppertal zu sein: Eine riesige Industriellenvilla, die wir renoviert und umgebaut haben. Normalerweise besteht mein Atelier hier aus zwei Räumen und ca. 70 qm, inzwischen habe ich mich aber auf den Festsaal und damit auf weitere 120 qm ausgebreitet. Sogar die Terrasse ist zum Arbeitsplatz geworden, hier mache ich die ganzen Klebe-Arbeiten oder nähe die Strass-Steine in der Sonne an, zwischen Blumen und unseren fünf Hunden zu meinen Füssen. Hört sich kitschig an, ist aber grossartig! Die Masken sind glamourös und der Ort der Entstehung ebenfalls.

Aus wie vielen Einzelteilen besteht eine Maske?

Das ist je nach Maske unterschiedlich. Detailverliebt sind alle Masken: Auf dem Schnabel der Eule sind z.B. mindestens 600 Strasssteine. Der Zylinder vom Igel ist ebenfalls mit vielen Steinen und Perlen sehr aufwändig gearbeitet. Die meisten Einzelteile hat der Seegott.

Welches ist deine Lieblingsmaske und warum?

Ich liebe sie alle und am meisten immer die Maske, an der ich gerade arbeite. Und ich freue mich schon wahnsinnig darauf, sie auf der Bühne zu sehen! Der Igel und der Seegott sind mir aber besonders ans Herz gewachsen. Das tolle ist ja, dass sie alle unterschiedliche Formen und Charaktere haben und damit auch unterschiedliche Fans ansprechen werden. Das finde ich total spannend.

Was sind die besonderen Herausforderungen in der Herstellung eines Kostüms?

Ich weiss nicht, wer unter den Masken stecken wird, sondern habe nur die Masse der Promis. Aber ich möchte natürlich, dass sich jeder wohlfühlt und Lust darauf hat, die Maske zu tragen und lebendig werden zu lassen. Normalerweise spreche ich mit den Künstlern darüber. Die Möglichkeit habe ich hier nicht.

Wie schwer ist das schwerste Kostüm?

Der Seegott ist mit 10,3 Kilogramm das schwerste Kostüm, gefolgt vom Igel mit 10 Kilogramm.

Wie gross ist die grösste Maske/Kostüm?

Die Maske des Igels mit seinem gigantischen Stachelkopf und dem funkelnden Zylinder ist die grösste Maske.

Kannst du uns ein paar Details zu den Masken verraten?

Die Masken, also die Köpfe, sind alle zwischen 50 und 70 Zentimeter gross. Das gigantischste Kostüm ist das der Eule: Die Spannweite der Flügel beträgt drei Meter und sie darf sich nicht setzen, um die Federn nicht zu zerdrücken. Auch ihr Kopf ist im Vergleich zum Körper der grösste. Das körperlichste Kostüm hat der Fuchs: Das ist sehr eng und sexy – und es hat einen langen und weichen Schwanz, den sich der Fuchs um den Hals legen kann. Die 3.000 Stacheln vom Igel sind aus Neopren, davon haben 2.600 am oberen Ende einen kleinen Swarovski-Stein.

Wie schafft man es, dass der Promi trotzdem singen und sich auf der Bühne gut bewegen kann?

Das haben wir von vorneherein bei der Fertigung berücksichtigt. Die Masken sind gross genug, dass die Promis gut atmen und sehen können. Sie bestehen aus Schaumstoff, sodass es keinen Hall gibt und der Ton unverfälscht ins Mikro geht. Der Tontechniker hat das mit einer fertigen Maske ausprobiert und war begeistert. Beim Igel oder dem Murmeltier ist der Schaumstoff auch im Kostüm verarbeitet. Der ist leicht und man kann sich gut bewegen. Trotzdem ist es natürlich für alle Künstler eine Herausforderung, unter den Masken und Kostümen zu performen – vor allem für die Künstler, die keine professionellen Sänger sind.