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Umfrage nach zwei Jahren Pandemie: Gesellschaftlicher Zusammenhalt schrumpft

22.03.2022 • 16:47

In Deutschland ist der gesellschaftliche Zusammenhalt nach zwei Jahren Pandemie stark gesunken. Das ergab eine repräsentative Umfrage der Bertelsmann Stiftung, die dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland" vorliegt. Auch vertreten mehr Menschen die Meinung, es gebe so viel Streit wie noch nie in der Gesellschaft.

In Deutschland ist der gesellschaftliche Zusammenhalt nach zwei Jahren Pandemie stark gesunken. Das ergab eine repräsentative Umfrage der Bertelsmann Stiftung, die dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland" vorliegt.

Seit seinem Anstieg 2020 ist der Zusammenhalt stark gesunken

Nachdem im Sommer 2020 zu den Anfangszeiten der Pandemie der Zusammenhalt stark angestiegen war, zeigt der Vergleich der Ergebnisse zwischen den Jahren nun ein ganz anderes Ergebnis: Während damals nur 21 Prozent der Befragten der Ansicht waren, die meisten Menschen kümmerten sich nicht darum, was mit ihren Mitmenschen geschehe, teilten diese Sichtweise im Februar 2022 schon 59 Prozent.
Auch vertreten mehr Menschen die Meinung, es gebe so viel Streit wie noch nie in der Gesellschaft. Dies fanden im Dezember 2020 42 Prozent, im Februar dieses Jahres stimmten ganze 57 Prozent der Aussage zu.
Neben dem gesellschaftlichen Zusammenhalt sank der Umfrage zufolge auch das Vertrauen in Institutionen sowie die Zufriedenheit mit der Demokratie.

In Katastrophenzeiten steigt die Solidarität, bevor Erschöpfung einsetzt

Bertelsmann-Sozialforscher Kai Unzicker weist gegenüber dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland" jedoch darauf hin, dass die Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine sich noch nicht in der Umfrage abzeichnen. Für Katastrophenzeiten wie diese sei normal, dass sich eine starke Solidarität breitmache, wie sie auch derzeit zu beobachten sei. "Aber auch 2015 hat die anfangs sehr große Solidarität nach einer Weile abgenommen, auch weil viele der Helfer erschöpft waren", so warnt Unzicker. Nach zwei Jahren Pandemie sei die deutsche Gesellschaft ohnehin an einem Punkt der Erschöpfung angelangt. Ein großes Konfliktpotenzial sieht er zudem in den steigenden Energiepreisen.