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Gelähmter Patient kommuniziert per Gedankenkraft - und möchte ein Bier

30.03.2022 • 11:22

Neurowissenschaftler:innen des Wyss-Center für Bio- und Neuro-Engineering in Genf ist ein Durchbruch gelungen. Mit ihrer Hilfe konnte ein vollständig gelähmter Patient erstmals mit seiner Familie kommunizieren. Mithilfe von Gehirnsignalen konnte er über einen Computer seinen Sohn fragen, ob er mit ihm Filme schauen wolle und bat schließlich um ein Bier.

Neurowissenschaftler:innen des Wyss-Center für Bio- und Neuro-Engineering in Genf ist ein Durchbruch gelungen. Mit ihrer Hilfe konnte ein vollständig gelähmter Patient erstmals mit seiner Familie kommunizieren. Der Patient hat Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) und ist bei Bewusstsein, kann jedoch weder seinen Mund noch seine Augen zur Kommunikation verwenden. In ihrer Studie, die die Wissenschaftler:innen in dem Magazin „Nature Communication“ veröffentlichten, konnten die Forscher:innen um Dr. Jonas Zimmermann damit nachweisen, dass das Gehirn bei Patient:innen mit Locked-in-Syndrom noch in der Lage ist, Kommunikationsanweisungen zu geben.

Mittels Gehirnsignale lernte er über einen Computer zu kommunizieren

Der 30-jährige Patient erhielt zwei Elektroden-Implantate, mit denen er lernte, Gehirnsignale zu senden, indem er verschiedene Bewegungen versuchte. Eine spezielle Software ermöglichte es ihm, mit diesen Signalen .während ein Buchstabier-Programm ihm nacheinander Buchstaben vorlas. Mit einem hohen Ton konnte er einen Buchstaben auswählen, mit einem niedrigen Ton lehnte er ihn ab. So konnte er bald ganze Sätze kommunizieren.

Bald bat er darum, Musik zu hören, Filme mit seinem Sohn zu schauen und um ein Bier

Einer seiner ersten Sätze war laut der Studie: „Jungs, es funktioniert gerade so mühelos“. Ab dann sei er unter anderem in der Lage gewesen, nach Suppen zu fragen und um Beinmassagen zu bitten. Seinen kleinen Sohn fragte er, ob er mit ihm „Disney’s Robin Hood“ schauen wolle, später forderte er schließlich: „Und jetzt ein Bier.“
Diese Art der Kommunikation ist zwar noch langsam, jedoch sind die Forscher:innen überzeugt, dass sie die Lebensqualität von Locked-in-Syndrom-Patient:innen erheblich steigern kann.