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Corona-Partys in Bayern: Jugendliche stecken sich offenbar absichtlich an

28.10.2021 • 11:21

Jugendliche im bayerischen Miesbach stecken sich offenbar immer häufiger absichtlich mit dem Coronavirus an. Damit wollen sie wohl die mittlerweile kostenpflichtigen Tests umgehen, berichtet der "Merkur".

Corona Party: Jugendliche wollen Tests umgehen

  • Auf sogenannten Corona Partys in Bayern versuchen sich Jugendliche absichtlich mit Covid-19 zu infizieren
  • Corona-Kranke werden auf diese Partys eingeladen, um dort möglichst viele anzustecken
  • Mit dem Status eines Genesenen wollen die Jugendlichen sich sechs Monate lang die PCR-Tests sparen
  • PCR-Tests sind inzwischen nicht mehr umsonst und kosten rund 80 Euro
  • Wer in Clubs, Bars oder Kinos will, muss einen negativen PCR-Test vorweisen

Kostenlose PCR- und Schnelltests gehören der Vergangenheit an, werden aber weiterhin benötigt, um in Restaurants, Kinos oder Clubs zu kommen. Jugendliche im Landkreis Miesbach in Bayern hatten jetzt die Idee die Tests zu umgehen, indem sie sich absichtlich auf sogenannten Corona Partys treffen um dort eine Ansteckung bei einem Infizierten zu provozieren.

Inzidenz im Landkreis Miesbach über 400

Die Chance einen mit Corona infizierten Partygast zu finden ist ziemlich hoch. Die Inzidenz im Landkreis Miesbach liegt seit Tage bei über 400. Die höchste Inzidenz hat dabei die Altersgruppe der 5- bis 14-Jährigen. Hier liegt die 7-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner am 28. Oktober 2021 bei 873!

Im Interview mit der Tageszeitung "Merkur" erklärt der Ärztliche Pandemie-Koordinator des Landkreises, Dr. Florian Meier, die Gründe für die traurigen Rekordwerte: "Früher gab es Rötel-Partys, bei denen sich Kleinkinder mit Röteln anstecken sollten. Heute veranstalten einige Partys mit Corona-Positiven, um sich zu infizieren und danach sechs Monate als genesen zu gelten, um keine Tests machen zu müssen."

Jugendliche wollen mit Status "genesen" teure PCR-Test umgehen

Der Hintergrund: Um aktuell ein Restaurant, Kino, einen Club oder eine Bar zu besuchen, muss ein aktueller Test vorgelegt werden. Ein PCR-Test kostet aber rund 80 Euro und macht damit vielen Jugendlichen einen Strich durch die Wochenendplanung.

Die Temperaturen sind inzwischen zu niedrig, um sich nachts weiterhin einfach draußen zum Trinken und Feiern zu treffen. Die Clubs haben endlich wieder auf und die Jugendlichen wollen nach so langer Wartezeit wieder richtig weggehen. Da sehen viele die absichtliche Ansteckung als letzten Ausweg.

Impfbereitschaft bei Jugendlichen nicht sehr hoch

Dabei könnten sich Jugendliche ab 12 Jahren bereits impfen lassen. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt sogar seit August 2021 ausdrücklich eine Covid-19-Impfung für 12- bis 17-Jährige. Doch die Impfbereitschaft bei Teenagern ist nicht besonders hoch.

Im Rahmen der deutschen Cosmo-Studie gab ein Drittel der 16- bis 17-Jährigen an einer Impfung unentschieden bis ablehnend gegenüber zu stehen. Bei den Eltern der 12- bis 15-Jährigen gab nur rund die Hälfte an, dass ihre Bereitschaft, die Kinder impfen zu lassen, hoch bis sehr hoch sei.

"Patienten auf Intensivstation werden immer jünger"

Die absichtliche Ansteckung mit dem Corona-Virus sieht Dr. Florian Meyer als sehr gefährlich an: "Schwere Verläufe sind bei jungen Menschen zwar selten, aber es gibt sie. Die Patienten auf der Intensivstation in Agatharied werden immer jünger. Wir reden von gesunden, sportlichen Menschen in ihren Zwanzigern und Dreißigern. Auch Long Covid ist nicht zu verharmlosen. Viele kämpfen noch nach Monaten mit den Folgen."

Es sei verantwortungslos, das eigene Leben und das Leben anderer zu riskieren, weil man auf eine wirksame Impfung verzichte und eher das Risiko einer Infektion eingehen wolle, so Dr. Florian Meyer. In Krankenhäusern in Oberbayern sei zum Teil kein einziges Intensivbett mehr frei. Er hofft, dass jetzt alle zusammenhalten, um einigermaßen durch den Winter zu kommen.

Die 3G-Regel – das heißt Einlass nur für Getestete, Genesene und Geimpfte – hält der Mediziner für sehr sinnvoll. Bei der 3G-Plus-Regel wird nur ein PCR-Test akzeptiert, der maximal 48 Stunden alt sein darf. Ein Antigen-Schnelltest reicht hier nicht aus. Die 3G-Plus-Regel gilt in Bayern zum Beispiel für den Besucht von Clubs und Discos. Außerdem rät Dr. Meyer dringend, weiterhin konsequent Maske zu tragen und den nötigen Abstand zueinander einzuhalten.

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