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Identitätsdiebstahl bei Tinder

Episode 23820.10.2021 • 17:00

Rund 50 Millionen Nutzer sind bei Tinder registriert. Die App boomt, doch nicht alle Profile darin sind echt. Immer wieder finden sich Fake-Profile mit den Daten und Bildern anderer Nutzer. Welche Folgen das für User der App haben kann, erklären zwei Betrugsopfer im Video.

Fake Profile auf Dating-App: Tinder mit geklauter Identität

  • Die Dating-App Tinder verzeichnet täglich 50 Millionen Nutzer und 12 Millionen Matches
  • Längst nicht jedes Profil auf der Dating-Plattform ist echt
  • Fotos von anderen Nutzern werden geklaut, um Fake-Profile zu erstellen
  • Geschädigte Nutzer fühlen sich hilflos

Was sind Fake Profile auf Tinder?

Die bekannteste Dating-App Tinder verzeichnet inzwischen rund 50 Millionen Nutzer, unter denen sich, nach eigenen Angaben, 12 Millionen "Matches" am Tag finden. Das heißt 24 Millionen Nutzer finden täglich ihren Partner fürs Leben, für eine gewisse Zeit, eine Nacht oder auch nur für einen Moment.

Doch nicht immer ergibt sich aus diesem sogenannten Match auch das erhoffte Treffen im echten Leben. Denn einige der Profile, die hier angeblich so gut zusammenpassen, sind gar nicht echt. Diese Fake Profile wurden nicht von den Personen erstellt, die hier gezeigt werden. Der Ersteller des Profils macht falsche Angaben und gibt sich als eine andere Person aus.

Die Person klaut dafür in vielen Fällen Bilder und Fotos aus Profilen anderer Personen und lädt diese im eigenen Fake Profil hoch. Meist werden auch sämtliche Angaben aus dem Original-Profil benutzt. Das heißt Informationen wie Name, Hobbies, Wohnort, Größe werden eins zu eins im Fake Profil übernommen. Man spricht dabei auch von Identitätsdiebstahl.

Was ist das Gefährliche an den Tinder Fake Profilen?

Tobias, Influencer aus München, hat selbst erfahren müssen, wie es ist, wenn die eigene Identität gestohlen wird. "Ich war schon verdammt geschockt, als ich gemerkt habe, es wird immer mehr und immer mehr", erzählt Tim im "taff"-Interview. "Und du kannst eigentlich gar nichts dagegen machen."

"Es ist irgendwann richtig anstrengend", beschreibt der 22-Jährige seine Situation. "Und durch den Kontrollverlust bekommst du auch irgendwann Angst." Angst, dass dir mit den gestohlenen Fotos auch deine Identität geraubt wird. Angst, nicht mehr unter Kontrolle zu haben, was in deinem Namen verbreitet wird, ohne dass du es stoppen kannst.

Tobias hat selbst ein Profil auf Tinder, doch inzwischen kommen rund 30 falsche Profile mit seinen Fotos pro Monat dazu! Zum Teil wird auf diesen Fake Accounts neben seinen Bildern auch sein richtiger Name verwendet, zum Teil werden aber auch Name, Alter und Wohnort geändert.

Instagram-Bilder geklaut, um falsches Tinder-Profil zu erstellen

Auch Anne-Sophie, genannt Anni, hat diesen Alptraum erleben müssen. Was ihre Situation noch schlimmer macht: Die 26-Jährige ist glücklich liiert und hat selber nie einen Tinder Account angelegt. Ihr Fake Profil auf der Dating-App wurde mit Bildern von ihrer Instagram Seite erstellt.

Und nicht nur auf Tinder landeten ihre Fotos und privaten Details, sondern auch in Sex-Chats. Als ihr Bekannte berichten, wo ihre Bilder überall auftauchen, ist Anni geschockt. "Das ist einfach unfassbarer Ekel! Ich habe am ganzen Körper Gänsehaut bekommen", erinnert sie sich an den Moment als sie vom Daten-Klau erfährt.

Auf Instagram ist Anni mit über 125.000 Followern sehr erfolgreich. Niemals hätte die Influencerin gedacht, dass ihre geteilten Bilder auf Social Media zu einem solchen Alptraum für sie werden könnten.

Auf Instagram wurde sie kürzlich von einer jungen Frau beschimpft. Was Anni einfiele, mit ihrem Freund zu chatten. Anni war zunächst völlig perplex: "Ich wusste erst gar nicht wovon sie redet." Bis ihr klar wurde, die Frau hatte auf dem Handy ihres Freundes wohl einen Chat mit einem der Fake Accounts gelesen und Anni dann auf Instagram wiedergefunden.

Was kann man gegen Fake Accounts tun?

Es gibt die Möglichkeit das eigene Tinder Profil zu verifizieren. Der Profilname wird dann mit einem blauen Häkchen versehen und zeigt anderen Singles an: Das hier ist ein echter Account und kein Fake!

So hat es jetzt auch Tobias gemacht. Doch immer noch kämpft der Influencer gegen die unzähligen Fake Accounts. Er meldet die entsprechenden Profile und hofft zu erreichen, dass sie möglichst zeitnah gesperrt werden. Zum Teil ein Kampf gegen Windmühlen.

Warum werden Fake Profile auf Tinder erstellt?

Nadja Bürgle, Expertin für Persönlichkeitspsychologie, versucht die Motivation hinter den Fake Profilen zu erklären. Ihrer Meinung nach gibt es viele unterschiedliche Gründe, warum Menschen ihre wahre Identität hinter Fake Accounts verstecken. "Zum einen vielleicht, weil sie unsicher sind und sich erstmal in einem geschützten Raum ausprobieren wollen", so die Expertin. "Oder aber auch, weil sie nicht die eigenen Konsequenzen für ihr Verhalten tragen und keine Verantwortung übernehmen möchten."

"In der Anonymität sinkt die Hemmschwelle und man traut sich mehr", so Bürgle weiter. "Verhaltensweisen, die sozial unerwünscht oder sogar kriminell sind, werden dann häufiger gezeigt." Um so bitterer für die Geschädigten, die fälschlicherweise mit diesen Verhaltensweisen oder gar Verbrechen in Verbindung gebracht werden.

Fake Profile erkennen und Identität prüfen

Auf Nachfrage bei der deutschen Tinder Zentrale in Berlin, heißt es in einem Schreiben: "Bei Tinder nehmen wir Identitätsdiebstahl und Fake Profile sehr ernst und verfolgen eine Nulltoleranzstrategie bei betrügerischem Verhalten jedweder Art."

Natürlich sind Fake Profile nicht nur extrem ärgerlich für die Personen, deren Identität gestohlen wurden, sondern auch für die, die darauf hereinfallen und sich am Ende mit jemandem treffen, von dem sie überhaupt nichts wissen.

Mit diesen Tipps erkennst Du Fake Profile auf Tinder und weißt, was du tun kannst:

  • Einen Video-Chat vereinbaren, um Identität zu überprüfen
  • Die Anzahl der Bilder prüfen: Fake-Profile haben meist oft maximal 3 Bilder
  • Auf die Bildqualität achten: Ist das Bild verpixelt, unscharf oder enthält Wasserzeichen handelt es sich oft nur um einen Screenshot
  • Verdächtige Accounts sollte man in jedem Fall melden, dazu gibt es einen entsprechenden Button auf jedem Profil
  • Das erste Treffen immer an einem öffentlichen Ort vereinbaren (Café, Bar, belebter Platz etc.)
  • Immer Bekannten Bescheid geben, wo man sich trifft und sich zu einem verabredeten Zeitpunkt zurückmelden.

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