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Was ist ein Narzisst?

Menschen mit ausgeprägtem Egoismus, Arroganz und Selbstsüchtigkeit bezeichnet man umgangssprachlich gerne als "Narzissten". Sie sind selbstverliebt und nehmen sich wichtiger als andere Menschen in ihrem Umfeld. In der Wissenschaft geht man davon aus, dass es sich dabei um ein Persönlichkeitsmerkmal handelt, das in der Bevölkerung normalverteilt ist. Ungefähr so wie Intelligenz oder Körpergröße. Ein gewisses Maß an Narzissmus ist durchaus gesund. Es führt dazu, dass wir unsere eigenen Bedürfnisse wahrnehmen und für sie eintreten. Menschen mit gesundem Selbstbewusstsein sind psychisch stabil. Sie kommen gut an, können sich durchsetzen und sind charismatisch.

Doch dann gibt es noch die extremen Ausreißer nach oben und nach unten. Sind die narzisstischen Eigenschaften besonders stark ausgeprägt und bestimmen sie das Leben der Betroffenen und dessen Umfeld, sprechen Psychiater und Psychiaterinnen von einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung. Krankhafte Narzissten haben einen unbändigen Wunsch nach Bewunderung und Aufmerksamkeit. Sie verhalten sich rücksichtslos und nutzen ihre Mitmenschen aus. Der Narzisst wertet andere Menschen und deren Leistungen ab, um sich selbst stark zu fühlen. Die Bedürfnisse anderer Menschen ignoriert er dabei völlig, für sich fordert er aber Lob und Anerkennung ein. Es mangelt einem Narzissten zudem an Empathiefähigkeit.

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Narzissten sind mitunter sehr extrovertiert und gesellig. Kein Wunder, schließlich brauchen sie Publikum. Aber wehe, jemand äußert sich kritisch oder abfällig - dann ist der Narzisst sofort gekränkt. Sein Selbstwert mag zwar hoch sein, ist aber auch in hohem Maße von der Anerkennung anderer Personen abhängig. Wenn dann etwas nicht so läuft, wie er es erwartet, sind oft Wutausbrüche und Streit die Folge. Dadurch kann krankhafter Narzissmus ein enormes zerstörerisches Potential entfalten.

Offener vs. verdeckter Narzissmus

In der Wissenschaft geht man davon aus, dass es unterschiedliche Formen und Ausprägungen von Narzissmus gibt. Grob kann man zwischen dem offenen Narzissmus und dem verdeckten Narzissmus unterscheiden. Offener Narzissmus ist leicht im Verhalten der betreffenden Person zu erkennen. Er steht in Verbindung mit einem hohen Selbstwertgefühl. Verdeckte Narzissten gehen subtiler vor. Sie haben einen niedrigen Selbstwert und Bindungsängste und sind ebenfalls von der Gier nach Lob, Anerkennung und Aufmerksamkeit getrieben. Allerdings haben sie gelernt, diese Bedürfnisse auf eine unauffälligere Art zu befriedigen.

Sie geben sich freundlich, großzügig und altruistisch. Obwohl ihnen ihre Mitmenschen egal sind, engagieren sie sich oft in religiösen Einrichtungen und in karitativen Organisationen. Dort können sie Bewunderung einheimsen. Verdeckte Narzissten neigen viel mehr zur Manipulation und zu Heimlichkeiten. Sie sind Meister im Einflößen von Schuldgefühlen und „Victim Blaming“ (bedeutet: die Narzissten wälzen die Schuld und damit die Verantwortung für die Tat auf die Betroffenen ab). Ihre Opfer, oft Familienangehörige oder Partner, leiden am emotionalen Missbrauch, können oft aber nicht wirklich beschreiben was passiert.

Weiblicher Narzissmus

Obwohl einem wahrscheinlich zuerst Männer, etwa Silvio Berlusconi oder Donald Trump, einfallen, ist Narzissmus selbstverständlich kein Phänomen, das nur Männer betrifft. Auch Frauen sind davor nicht gefeit. Es gibt jedoch einen wesentlichen Unterschied: Männer zeigen meistens eher eine offene Form des Narzissmus. Sie wollen ihre Überlegenheit zur Schau stellen.

Donald Trump während einer Rede.
Selbstverliebt, großspurig, keine Empathie für andere: Ex-US-Präsident Trump ist das Paradebeispiel eines Narzissten.  © picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Evan Vucc

Weiblicher Narzissmus ist eher verdeckt. Weibliche Narzissten bedienen sich ihres Aussehens oder ihrer Attraktivität. Hinter dieser Fassade verbirgt sich ein geringes Selbstwertgefühl. Außerdem haben diese Frauen hohe Ansprüche an sich selbst und leben mit Versagensängsten.

Narzissmus in der Partnerschaft: Wie verhält sich ein Narzisst

Narzissten sind leider oft sehr anziehend. Sie sind gesellig, witzig und charismatisch. Und fähig zur Manipulation. Sich in einen Narzissten zu verlieben, ist daher relativ einfach. Doch ist man dann erst einmal in einer Partnerschaft, verkehrt sich die Situation schnell ins Gegenteil. Personen mit Narzisstischer Persönlichkeitsstörung fühlen sich leicht gekränkt. Sie empfinden jede Kritik als Ablehnung. Und sie sind der Meinung, ihr Gegenüber müsse die eigenen Wünsche und Erwartungen erfüllen. Tut er das nicht, kommt auch das einer Ablehnung gleich.

Narzissten wissen nicht, wie sie mit ihren Gefühlen umgehen sollen. Sie wollen sich nach außen zudem stark zeigen. Also sind Wut, Zorn und Rachegedanken die Folge. Fühlt sich der Narzisst vom Partner gekränkt, sinnt er darauf, ihm Schmerz zuzufügen oder ihn zu bestrafen. Dafür wird der Narzisst nicht unbedingt gewalttätig. Er erledigt das auf einer psychologischen Ebene. Schließlich ist er ein Meister der Manipulation. Findet der Narzisst, er bekomme nicht genügend Anerkennung in der Partnerschaft, holt er sich diese oft über Affären und kann dabei das Fremdgehen oft geschickt verheimlichen.

Sagt ein Narzisst "Ich liebe dich"?

"Liebe" ist ein strapaziertes Wort. Wir lieben das neue Album einer Band, wir lieben es, am Samstagmorgen im Bett einen Kaffee zu trinken. Und dennoch bedeutet es etwas Besonderes, wenn wir zu unserem Lebensmenschen "Ich liebe dich" sagen. Zumindest verhält es sich mit Personen so, die nicht an einer Narzisstischen Persönlichkeitsstörung leiden. Sagt ein Narzisst "Ich liebe dich" zu dir, dann meint er, dass er die Tatsache liebt, dass du für ihn Kompromisse eingehst. Er liebt, dass du für ihn alles tun würdest, dasselbe aber nicht von ihm verlangst. Er liebt deine Aufopferungsbereitschaft. Er liebt dich als Quell der Bewunderung. Er liebt, dass du ihm alles durchgehen lässt. Und er mit dir tun kann, was er will.

Narzissten im Bett

Die ständige Suche nach Anerkennung und Bestätigung kann dazu führen, dass Narzissten großartige Liebhaber sind. Zumindest bei einem One-Night-Stand oder ganz am Anfang einer Partnerschaft. Also dann, wenn sie noch "auf der Jagd" sind. Schließlich müssen sie von ihrer Liebeskunst überzeugen. Die Befriedigung ihres Gegenübers ist für Narzissten ein Quell der Selbstbestätigung.

Zwischenmenschliches bleibt da auf der Strecke. Der Narzisst ist nicht fähig, die Bedürfnisse und Gefühle des Partners zu erkennen. Er geht einfach davon aus, dass Sex mit ihm immer hervorragend sei. Dadurch wird er im Bett zunehmend dominanter. Er nimmt sich einfach, was er braucht. Nicht selten führt das bis hin zum Sadismus.

Narzissten erkennen: diese 4 Merkmale sprechen dafür

Echte Narzissten richten viel Schaden an. Sie saugen ihr Umfeld auf der Suche nach Anerkennung richtiggehend aus. Sie manipulieren und verletzen ohne Rücksicht auf Verluste. Wer einmal von ihnen eingenommen ist, erkennt nur schwer, was los ist. Und kann sich aus dieser ungesunden Dynamik nicht mehr so einfach befreien. Daher solltest du schon von Anfang an auf folgende Warnsignale achten:

  1. Narzissten reden viel über sich selbst. Andere Menschen kommen nur in kritisierender oder abwertender Form vor.
  2. Auf Kritik reagieren sie selbst empfindlich. Sie stellen sich als Opfer dar.
  3. Negative Emotionen wie Wut, Eifersucht und Cholerik herrschen vor.
  4. Schuld an Problemen sind die anderen.
Weinende Frau blickt ihren schweigenden Freund an.
Andere Menschen kommen bei Narzissten nur in kritisierender oder abwertender Form vor. Der/die Leidtragende ist meist der Partner. © picture alliance / Everett Collection | Johan Paulin / Netflix

Im Prinzip lassen sich Narzissten, solange man mit ihnen noch nicht emotional verstrickt ist, leicht entlarven. Es reicht, wenn du sie fragst. Das ist kein Scherz! "Auf einer Skala von 1 bis 7: Wie sehr stimmst du der Aussage zu 'Ich bin ein Narzisst‘?“ Je narzisstischer jemand ist, desto eher wird er zustimmen und sich auf der Skala hoch oben einordnen.

Bin ich selbst ein Narzisst?

Die ausgeklügeltste Variante, Narzissmus zu messen, ist das Narcissistic Personality Inventory (NPI). Der umfangreiche Fragebogen untersucht unterschiedliche Facetten von Narzissmus. Je höher das Testergebnis ist, desto stärker ausgeprägt sind die narzisstischen Persönlichkeitsmerkmale. Die abgespeckte Variante, das NPI-10, besteht aus zehn Aussagen, denen man auf einer Skala von 1 bis 5 zustimmt. Den Test kannst du hier machen. Das Ergebnis ist keine klinische Diagnose. Es soll lediglich als erster Ansatz dienen, um die eigenen narzisstischen Persönlichkeitsanteile zu erkennen. Eine verlässliche Aussage darüber, ob du ein Narzisst bist oder nicht, können nur Psychologen oder Psychotherapeuten treffen.

Diese Phasen durchläufst du in der Beziehung mit einem Narzissten

Du denkst, du bist versehentlich eine Beziehung mit einem Narzissten eingegangen? Nein. Er hat dich ausgewählt. Der Narzisst ist auf der Suche nach einer ständigen Versorgungsquelle – und hat dich als geeignet eingestuft. Das Ganze beginnt mit „Lovebombing“. Dabei umgarnt dich der Narzisst. Er überschüttet dich mit scheinbarer Liebe – oder dem, von dem er denkt, dass du es als Liebe beschreiben würdest. Seine Gefühle sind nicht echt. Sex, Komplimente, Zuneigung, scheinbare Verletzlichkeit sollen dich abhängig machen. Genau das bezeichnet man als „Lovebombing“.

In der sogenannten Lovebombing-Phase spiegelt dich der Narzisst. Er spielt dir eine Person vor, die du haben willst, die es so aber nicht gibt. Zudem isoliert er dich so gut es geht von anderen Menschen. Denn Außenstehende sind eine Gefahr. Sie könnten den Narzissten durchschauen. Gleichzeitig wird er immer mehr zu deiner einzigen Bezugsperson.

Die zweite Phase ist jene der Abwertung. Wenn der Narzisst merkt, dass du ihm ins Netz gegangen bist, muss alles laufen, wie er das will. Ansonsten kommt es zur Abwertung. Dafür nutzt er „Gaslighting“ (gezielte Verunsicherung), Manipulation und passiv-aggressives Verhalten wie Schweigen. Die Narzissten sehen sich schließlich als permanentes Opfer, das von dir nicht bekommt, was es ihrer Meinung nach verdient hätte. Dein Schmerz hilft ihnen, ihren Selbstwert zu regulieren.

Die Lovebombing und die Abwertungsphase wechseln einander immer wieder ab. Es kommt zu einer "Traumabindung". Du als Opfer schaffst es nicht, dich zu lösen. Häufig enden diese Art von Beziehungen erst, wenn das Opfer so stark ausgelaugt ist, dass es nichts mehr geben kann –

 dann sucht sich der Narzisst eine neue Versorgungsquelle. Wehrst du dich, wird er es dir nicht leicht machen, zu gehen. Du musst aber.

Trennung von Narzissten: Wann solltest du die Beziehung beenden?

In fast allen Fällen handelt es sich um toxische Beziehungen. Narzissten verlangen immer mehr: mehr Bewunderung, mehr Anerkennung, mehr Lob. Damit verbunden ist oft, dass sich ihr Partner in kürzester Zeit klein und entwertet fühlt. Gleichzeitig entsteht eine Art Abhängigkeit voneinander. Schließlich hat der Partner das Gefühl, viel investiert zu haben. Und das gibt man nicht so leicht auf. Dabei empfehlen Psychologen genau das: Wer in eine Beziehung mit einem Narzissten geraten ist, muss diese beenden, um sich letztlich nicht selbst zu verlieren.