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Antidiskriminierung: Ataman will kirchliche Arbeitnehmer besser schützen

24.11.2022 • 13:21

Angesichts von Ungleichbehandlungen gegenüber geschiedenen und homosexuellen Mitarbeiter:innen in der katholischen Kirche setzt sich die Antidiskriminierungsbeauftragte der Bundesregierung, Ferda Ataman, für eine Einschränkung der Sonderregeln ein.

Es kam einer kleinen Revolution gleich, was die katholischen Bischöfe in Würzburg kürzlich beschlossen haben. Bisher drohte Mitarbeiter:innen der Kirche nämlich die Kündigung, wenn sie zum Beispiel gleichgeschlechtlich oder nach Scheidung erneut heirateten. Wie die dpa vermeldet, haben die Kirchenvertreter nun eine Lockerung der bisherigen Regelungen auf den Weg gebracht.

Die neue "Grundordnung des kirchlichen Dienstes" ist bundesweit für alle katholischen Institutionen bindend. Noch müssen die 27 deutschen Bistümer die Änderungen offiziell verabschieden. Und auch, wenn die Reformen fortschrittlich erscheinen: Für die Antidiskriminierungsbeauftragte der Bundesregierung gehen sie nicht weit genug.

Ferda Ataman nannte die neue Grundordnung "einen ersten, zu zögerlichen Schritt" für einen besseren Schutz vor Diskriminierung. "So kann zum Beispiel eine Krankenpflegerin, die in einem kirchlichen Krankenhaus arbeitet, immer noch ihren Job verlieren, wenn sie aus persönlichen Gründen aus der Kirche austritt", erklärte die unabhängige Beauftragte. "Ich sehe das als Eingriff in die Rechte der Beschäftigten und als Einfallstor für Diskriminierungen."

Daher fordere Ataman, Sonderregelungen für kirchliche Arbeitgeber insgesamt einzuschränken. Die sogenannte "Kirchenklausel" im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) müsse ihrer Meinung nach geändert werden. "Anforderungen an die Religionszugehörigkeit oder an die Lebensweise von Mitarbeitenden sollte es zukünftig nur noch im engsten Verkündungsbereich geben."