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WM-Champion Florian Wellbrock riss jubelnd beide Arme nach oben und fiel Freund und Bronzegewinner Rob Muffels erschöpft, aber glücklich um den Hals. Nach der ersten Goldmedaille für die deutschen Freiwasserschwimmer über zehn Kilometer seit dem Sieg von Idol Thomas Lurz vor zehn Jahren jubelte dessen Bruder, Bundestrainer Stefan Lurz, über einen "Riesentag". Und erstmals gab es zudem zwei Medaillen in dieser Disziplin. Wenn Supertalent Wellbrock so weitermacht, kann auch er eine Ära prägen.

"Ich habe die letzten Nächte vor dem Einschlafen immer daran gedacht, du willst Weltmeister werden. Dass ich das jetzt geschafft habe, muss erst mal im Kopf noch ankommen", sagte der 21-Jährige am Dienstag kurz nach dem Rennen auf der schwimmenden Startbrücke im Hafenbecken von Yeosu. Bei der Siegerehrung genoss er dann die Nationalhymne, schaute andächtig nach unten und wischte sich mit der Hand kurz durchs rechte Auge.

Wellbrock hatte in dieser Saison serienweise im Freiwasser gewonnen und wurde seiner Favoritenrolle eindrucksvoll gerecht. "Ich frag mich selber, wie lange das noch gut geht", sagte er. "Irgendwann muss diese Glückssträhne auch mal vorbei sein. Aber ich habe wahnsinnig hart trainiert."

Er freute sich nicht nur über seinen eigenen Triumph, sondern auch über Muffels' dritten Platz. "Er ist mein Trainingspartner und einer meiner besten Freunde", erklärte er nach den ersten beiden Medaillen für den Deutschen Schwimm-Verband am fünften Tag der Titelkämpfe von Südkorea. In den Tagen vor Gold und Bronze hatten sich die beiden Magdeburger gegenseitig motiviert, auch mit Sprüchen.

"Das triezt einen ein bisschen – natürlich im positiven Sinne", sagte Wellbrock lächelnd. Er und Zimmerkollege Muffels hatten - quasi als zusätzlicher Ansporn - eine Tokio-Flagge mit den olympischen Ringen aufgehängt. Es wirkte: Durch ihre Top-Ten-Plätze buchten Wellbrock und Muffels ihr Olympia-Ticket.

"Medaille – das ist super"

"Medaille – das ist super", sagte der 24 Jahre alte Muffels euphorisch: "Ziel war Olympia. Gold und Bronze – absoluter Traum." Als "fantastisch" bezeichnete Teamchef Bernd Berkhahn Muffels' Auftritt. Weil auch Finnia Wunram und Leonie Beck zwei Tage zuvor die Qualifikation geschafft hatten, dürfen sich erstmals vier deutsche Freiwasserschwimmer auf die Sommerspiele freuen.

"Das ist wirklich ein historischer Tag für uns alle", sagte Stefan Lurz, der die vier Startplätze vorher als seinen "Wunschtraum" bezeichnet hatte. Nach der enttäuschenden WM in Ungarn vor zwei Jahren, als die deutschen Freiwasser-Asse erstmals seit 1994, als nur über 25 Kilometer im Freiwasser geschwommen wurde, ohne WM-Medaille nach Hause gefahren waren, ist der Erfolg besonders wichtig.

Bevor Wellbrock nach 1:47:55,9 Stunden im Ziel war, hatte er sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Silbergewinner Marc-Antoine Olivier geliefert. Zum Finale eines packenden Schlussspurts schlug Wellbrock gerade einmal 0,2 Sekunden vor dem Franzosen an. "Ich wollte zuerst mit der rechten Hand, dann mit der linken Hand, aber hab' gesehen, dass es gereicht hat", beschrieb Wellbrock sein Finish.

Die Freiwasser-Mission hat der Youngster erfüllt. Einen Tag abschalten heißt es nun, dann will Wellbrock die nächsten Ziele angehen. Auch im Becken ist er der große deutsche Hoffnungsträger in Gwangju. Der Europameister über 1500 Meter will in diesem Rennen und über 800 Meter angreifen. Wie sich ein WM-Titel anfühlt, weiß er jetzt ja schon mal.