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Eine Weltreise mit Ehefrau Susi plant Uli Hoeneß als Rentner nicht - und seinem FC Bayern wird er ohnehin weiterhin ganz nah sein. Schon kurz nach Beginn des neuen Lebens als Ex-Präsident schaltete Hoeneß in den Angriffsmodus und knöpfte sich die "paar Krakeeler" vor, die bei seiner emotionalen Abschiedsshow für Misstöne gesorgt hatten. Der 67-Jährige hat eben noch nicht "fertig" beim Fußball-Serienchampion und wird sich auch ohne Spitzenamt weiter einmischen. Sein Nachfolger für die Abteilung Attacke ist aber auch schon auserkoren: Der zukünftige Vorstandschef Oliver Kahn.

Volksnähe à la Hoeneß bringt der neue Club-Präsident und einstige Adidas-Stratege Herbert Hainer nicht mit. Ganz anders Kahn, der mit seiner "Immer-weiter"-Mentalität als Fußballer eine Bayern-Epoche prägte. Der frühere Kapitän wurde von den über 6000 Mitgliedern als Sympathie- und Hoffnungsträger für die Post-Hoeneß-Ära heftig bejubelt. "Da hast du viel Arbeit, um diesen Vorschusslorbeeren gerecht zu werden", nahm Hoeneß den von ihm ausgesuchten Frontmann kurzerhand in die Pflicht.

"Titan rostet nicht"

Ende 2021 übernimmt Kahn (50) nach dann einem Jahr im Vorstand den Chefposten von Karl-Heinz Rummenigge (64). "Er war auf dem Platz der 'Titan', und Titan rostet nicht. Dementsprechend können wir uns auf einiges gefasst machen - und die anderen 17 Vereine der Bundesliga", rief Rummenigge. Das war ganz nach Hoeneß' Geschmack: Torwart-Legende Kahn soll die von ihm immerzu angetriebene Mia-san-Mia-Maschinerie weiter auf Hochtouren laufen lassen.

Hoeneß hat "seinen" Club bis ins Detail aufgeteilt. Als einfaches Aufsichtsratsmitglied hat er mindestens bis 2023 Kontrolle über sein Vermächtnis. Er will sich einschalten, wann immer er das für nötig hält. Noch in der Münchner Olympiahalle ging Hoeneß nach Mitternacht auf jene Mitglieder los, die ihn mit Unmutsäußerungen zur Trainerfrage, Sportdirektor Hasan Salihamidzic, Transfers oder auch der Zusammenarbeit mit dem Wüstenstaat Katar verstimmt hatten.

"In den letzten drei, vier Jahren hat sich in unserer Gesellschaft etwas total verändert. Und der FC Bayern als ganz wichtiges Aushängeschild unserer Gesellschaft ist natürlich am meisten betroffen", mahnte Hoeneß und wetterte: "Online kotzen sich viele aus, die in ihrem Leben noch nie Verantwortung hatten. Meistens nicht einmal für die Kehrwoche in ihrem Wohnblock."

Hoeneß' Botschaft an die Störenfriede

Sie torpedierten Hoeneß' Wohlfühlabend. Obwohl ihn persönlich - anders als im Vorjahr - niemand attackierte. "Ich habe mich so sauwohl gefühlt, und dann fangen diese Wortmeldungen an. Bis dahin war das eine super Veranstaltung", polterte Hoeneß. Den "20, 30, 50" Störenfrieden und Unzufriedenen rief er später via Medien seine Botschaft zu: "Bleibt doch zu Hause! Gebt eure Mitgliedschaft zurück!" Es sei keiner gezwungen, Bayern-Mitglied zu sein.

Nachfolger Hainer nahm das Thema nicht auf und dokumentierte damit gleich einen anderen Führungsstil. Der Niederbayer dürfte eine präsidialere Art als der Gefühlsmensch Hoeneß an den Tag legen. Ein Wahlergebnis von 98 Prozent bedeutete einen Vertrauensvorschuss.

"Ich bin jetzt 65 und werde mich nicht mehr verändern. So, wie ich 15 Jahre Adidas geführt habe, werde ich auch versuchen, den FC Bayern zu führen", sagte Hainer. "Da ich nicht so viel Fußballsachverstand habe wie der Uli, werde ich auch nicht jedes Spiel kommentieren. Aber wenn ich etwas zu sagen habe, werde ich das auch tun."

Auf der Suche nach Neuorientierung

Auf Hainers Antrag wurde Hoeneß nach fast fünf Jahrzehnten als Spieler, Manager, Präsident und Aufsichtsratschef zum sechsten Ehrenpräsidenten des FC Bayern ernannt. "Ich habe diesen Beruf nie als Schwerarbeiterjob gesehen", erklärte Hoeneß. In seinem Leben als Bayern-Macher a.D. müsse er sich nun "neu orientieren". "An den Abend werde ich noch lange denken", sagte der Genießer Hoeneß und verabschiedete sich. In sein neues Dasein als Teilzeit-Rentner.