Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat bei seinem Besuch in Israel die jüngste Zuspitzung in den bilateralen Beziehungen kritisiert. "Wir brauchen keine neuen Regeln, wir sollten uns auch keine Beschränkungen auferlegen", sagte er am Sonntag in Jerusalem. Steinmeier bezog sich auf den Eklat beim Besuch von Außenminister Sigmar Gabriel, als Regierungschef Benjamin Netanjahu ein Gespräch absagte, weil Gabriel regierungskritische Organisationen getroffen hatte.

Notwendig sei ein "ehrlicher und offener Dialog", sagte Steinmeier bei einem Treffen mit dem israelischen Präsidenten Reuven Rivlin. "Das einzigartige Verhältnis unser beiden Staaten ist zu wichtig, um es alleine an der Frage zu messen, wer legitime Gesprächspartner sind oder sein sollten."

Steinmeier, der am Sonntagnachmittag mit Netanjahu zusammentreffen wollte, bekräftigte auch die Forderung nach einer Zwei-Staaten-Lösung im Nahen Osten. Dies sei die "immer noch einzig denkbare Perspektive", auf die hingearbeitet werden müsse. "Andere Lösungen stehen nicht zur Verfügung", sagte er. Der gegenwärtige Status quo ohne einen unabhängigen Palästinenserstaat vermittle nur trügerische Sicherheit.

Historische Verantwortung

Außerdem erinnerte Steinmeier bei einem Besuch der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem an die historische Verantwortung Deutschlands "Unfassbare Schuld haben wir Deutsche auf uns geladen", schrieb er am Sonntag ins Gästebuch. "Hier an diesem Ort wird Erinnerung ganz Schmerz, Trauer und Scham", sagte Steinmeier in der Gedenkstätte in Jerusalem. "In Verantwortung für das, was geschehen ist, stehen wir fest an der Seite Israels und arbeiten für eine gemeinsame Zukunft." Zuvor hatte Steinmeier die Gräber des ehemaligen Präsidenten Schimon Peres und des 1995 ermordeten Ministerpräsidenten Izchak Rabin auf dem nahegelegenen Herzlberg besucht.