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Nach dem holprigen Start der Corona-Impfungen weckt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn Hoffnung auf echte Fortschritte und mehr Tempo. Der CDU-Politiker verwies auf die für Freitag erwartete Zulassung des Impfstoffs von Astrazeneca sowie kommende weitere Vakzine. "Jeder Impfstoff wird einen Unterschied machen", sagte Spahn in Berlin. In Brüssel baute die EU-Kommission weiter Druck auf, um größere Mengen von Astrazeneca zu bekommen.

Das Mittel des britisch-schwedischen Herstellers ist das dritte, das in der Europäischen Union eine bedingte Marktzulassung erhalten soll. Experten der EU-Arzneimittelagentur EMA berieten dies am Freitag abschließend und wollten am Nachmittag (15.00 Uhr) ihre Empfehlung bekannt geben. Der Chef des Paul-Ehrlich-Instituts, Klaus Cichutek, sagte in Berlin, mit einer Zulassung sei zu rechnen, wahrscheinlich mit Hinweisen zur Verwendung bei älteren Menschen ab 65. Für diese Altersgruppe sei die Datengrundlage etwas schwächer. Insgesamt habe der Impfstoff aber eine "sehr gute Wirksamkeit".

Rahmenvertrag liegt vor

Die EU-Kommission hat mit Astrazeneca einen Rahmenvertrag zur Lieferung von bis zu 400 Millionen Impfdosen. Doch hatte das Unternehmen vorige Woche überraschend mitgeteilt, im ersten Quartal nur einen kleinen Teil der zugesagten Menge zu liefern: 31 statt 80 Millionen Dosen. Seither streitet die EU mit dem Hersteller, wie und wann die volle Lieferung kommt.

EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen bekräftigte, die Bestellung der EU sei verbindlich und nicht mit Einschränkungen versehen: "Der Vertrag ist glasklar", sagte sie im Deutschlandfunk. Startschwierigkeiten in der Produktion seien verständlich. Aber sie verlange von Astrazeneca Transparenz und Planungssicherheit. Nach Rücksprache mit dem Unternehmen veröffentlichte die Kommission eine redigierte Fassung des Vertrags.

 

Von der Leyen wies Vorwürfe an ihre eigene Adresse - unter anderem vom bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) - zurück. Die EU-Kommission habe den Vertrag mit Astrazeneca rechtzeitig abgeschlossen. Sie verteidigte auch die Strategie, Impfstoffe in Europa mit einer regulären Zulassung auf den Markt zu bringen statt mit Notfallzulassungen wie in Großbritannien und den USA. Es dürfe "keine Abkürzung bei der Sicherheit" geben. "Diese drei, vier Wochen muss man sich dann Zeit nehmen", sagte von der Leyen.

Auf einem guten Weg

Gesundheitsminister Spahn räumte in Berlin ein: "Der Start der Impfkampagne war schwierig." Inzwischen wurden laut Spahn mehr als 3,5 Millionen Impfdosen an die Bundesländer gesandt - davon wurden 2,2 Millionen verwendet. Beim Ziel, allen Pflegeheimbewohnern bis Mitte Februar ein Angebot zu machen, sei man aber auf gutem Weg.

Auch für den Fall, dass das Astrazeneca-Vakzin nur bei Jüngeren von 18 bis 64 eingesetzt werde, werde es trotzdem von großem Nutzen von Anfang an sein, erläuterte Spahn. So gebe es auch in den Priorisierungsgruppen eins und zwei Menschen unter 65. In Deutschland hatte die Ständige Impfkommission deutlich gemacht, dass der Astrazeneca-Impfstoff mangels ausreichender Daten wohl nur für Personen im Alter von 18 bis 64 Jahren empfohlen wird.

Spahn sagte, es stünden auch noch einige harte Wochen der Impfstoffknappheit bevor. Aber selbst nach der Lieferkürzung von Astrazeneca hätte Deutschland nach seinen Worten im Februar drei Millionen Impfdosen von dem Konzern zu erwarten. Diese seien bei der aktuellen Terminvergabe noch nicht hinterlegt und wären dann von erheblichem Nutzen, sagte Spahn. Im zweiten Quartal könnten voraussichtlich zwei weitere Stoffe zugelassen werden.

Jetzt kommt Novavax

So hat der US-Hersteller Novavax inzwischen gute vorläufige Testergebnisse für seinen Impfstoffkandidaten: Sie belegen eine Wirksamkeit von rund 90 Prozent Wirksamkeit gegen Covid-19, wie das Unternehmen am Donnerstagabend mitteilte. Die EU hat Sondierungsgespräche mit dem Unternehmen abgeschlossen und ist in Vertragsverhandlungen. Zum Stand wollte ein Kommissionssprecher am Freitag nichts sagen.

Das nächste EU-Zulassungsverfahren dürfte das Mittel von Johnson&Johnson betreffen, in das ebenfalls hohe Erwartungen gesetzt werden. Bislang sind in der EU nur die Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna zugelassen. Das Präparat von Astrazeneca soll Nummer drei werden. Es ist preiswerter als die beiden anderen und sehr viel handlicher für Massenimpfungen, da es nicht so stark gekühlt werden muss.

Gemeinsames Vorgehen

Die Bundesregierung warb vor dem geplanten Impfgipfel an diesem Montag für ein gemeinsames Vorgehen. Regierungssprecher Steffen Seibert dämpfte Erwartungen, dass mit konkreten Beschlüssen zu rechnen sei. Angesichts erheblicher Kritik am schleppenden Impf-Beginn und Produktionsproblemen bei einigen Herstellern will Kanzlerin Angela Merkel (CDU) über die Lage beraten. An einer Videokonferenz sollen die Ministerpräsidenten der Länder, mehrere Bundesminister, Impfstoffhersteller sowie Vertreter der EU-Kommission teilnehmen.