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Das Wichtigste in Kürze:

  • Es wurden angeblich abgehörte Telefonate von russischen Soldaten als Audiodateien veröffentlicht.
  • Diese sollen den wahren Zustand der Männer, die Putin in den Krieg schickte, aufzeigen. 
  • Die Aussagen sollen sich gegen den Krieg, aber auch im Besonderen gegen den russischen Präsidenten richten.

Am 24. Februar dieses Jahres startete der russische Überfall auf die Ukraine. Wladimir Putin befahl eine Invasion auf die gesamte Ukraine. Die Ziele in der Ukraine werden von der angeblich übermächtigen russischen Armee verfehlt. Schlechte Ausstattung der Soldaten und eine schwindende Moral: Das sind die Kernbestandteile und Folgen des russischen Versagens.

Die "New York Times" hat nun angeblich abgehörte Telefonate direkt vom Schlachtfeld veröffentlicht. Diese Mitschnitte offenbaren, was die Soldaten Putins über den Krieg in der Ukraine denken. Sie zeigen auf, wie verzweifelt die russische Armee ist und was einzelne Soldaten vom Kremlchef halten – sie fühlen sich belogen und betrogen. Die Anrufe zeigen den ganzen Schrecken des Krieges auf. Warnung: Die folgenden Zitate sind teilweise sehr verstörend.

"Putin ist ein Narr"

Ein Mann namens Sergey rief demnach wenige Tage nach Kriegsbeginn seine Mutter an und soll ihr berichtet haben: "Niemand hat uns gesagt, dass wir in den Krieg ziehen. Sie haben uns erst einen Tag vorher gewarnt Mama, dieser Krieg ist die dümmste Entscheidung, die unsere Regierung je getroffen hat." Weitere Mitschnitte sollen diese Aussage belegen. "Ich wusste nicht, dass das passiert. Sie sagten, wir gehen zu einer Übung. Diese Bastarde haben uns nichts gesagt", erklärte wohl einer beim Gespräch mit seiner Freundin. Ein anderer soll sich betrogen gefühlt haben: " Wir wurden verdammt nochmal reingelegt wie kleine Kinder."

Der Unmut der Armee äußerte sich laut der veröffentlichen Audiodateien also bereits kurz nach Beginn des Überfalls. "Sie wollen die Leute im Fernsehen verarschen. Sie sagen, das hier sei kein Krieg, sondern eine Spezialoperation. Aber in Wahrheit ist ein verfickter Krieg", unterstellte anscheinend einer der Soldaten. Andere Stimmen richteten sich laut der "New York Times" direkt gegen den russischen Präsidenten: "Putin ist ein Narr. Er will Kiew einnehmen? Es gibt für uns keinen Weg, das zu tun", soll einer gesagt haben.

"Ich habe keinen Nazi gesehen"

Kurz nachdem sich die russischen Streitkräfte aus der Region rund um Kiew zurückgezogen hatten, soll ein Soldat namens Nikita berichtet haben, dass die Ukrainer vorrücken würden und "wir stehen nur hier". Und weiter: "Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal so enden würde. Unsere eigenen Kameraden haben uns beschossen. Sie hielten uns für Ukrainer. Ich dachte, ich würde sterben."

Drei Wochen nach Kriegsbeginn schienen sich die "Vortäuschungen" der russischen Führung, man würde etwas Gutes tun und die "Ukraine befreien", weiterhin nicht zu bewahrheiten. Ein Mann soll zu seiner Mutter am Telefon gesagt haben: "Mama, ich habe hier nicht einen Nazi gesehen. Dieser Krieg fußt auf einer falschen Annahme. Niemand braucht den. Die Menschen hier leben ein normales Leben. Wie in Russland."

Russische Soldaten wollen wohl kündigen

Die Menschen in der Ukraine leben also ein ganz normales Leben – und sie mussten wohl Unaussprechliches mit ansehen und über sich ergehen lassen: Berichte über die gezielten Massaker in Butscha, einem Vorort von Kiew, und in anderen ukrainischen Städten, die Russland vorgeworfen werden, wurden von Aussagen russischer Soldaten untermauert. "Wir haben den Befehl jeden zu töten, den wir sehen", soll einer der Männer berichtet haben. Die mutmaßlichen Aussagen von der Front zeichnen ein erschreckendes Bild: "Im Wald ist das Hauptquartier unserer Division. Ich bin dort hingelaufen und sah einen See aus Leichen. Zivilisten. Ein See. Ich habe nie so viele Leichen in meinem Leben gesehen. Ich konnte nicht mal sehen, wo dieser See endet."

Die Geschehnisse vor Ort haben wohl einige russische Soldaten dazu bewegt, sich vom Militär abzuwenden. "Ich haue ab. Wenn ich nach Hause komme, erzähle ich dir alles. Es ist kompletter Bullshit. Ich werde nie wieder in diese Scheiße zurückgehen", erklärte anscheinend ein namenloser Soldat. Ein anderer, Vlad, wolle offenbar kündigen, sobald er heimkomme. Und: "Scheiß auf die Armee!" Sie berichteten demnach auch von "vielen, die sich weigern zu kämpfen". Durch Drohungen sollen die russischen Männer dazu bewogen werden, weiterhin zu kämpfen, denn: "Sie wollen mich nicht gehen lassen. Sie erlauben es den Männern nicht, zu kündigen. Sie sagen, wenn du das tust, dann kommst du für fünf Jahre ins Gefängnis."

Verwendete Quellen: