- Bildquelle: Christoph Soeder/dpa © Christoph Soeder/dpa

Das Wichtigste in Kürze:

  • Angela Merkel spricht auf Veranstaltung für Ex-Kanzler Helmut Kohl
  • Kohl würde in aktueller Lage auch "Beziehungen zu Russland" mitdenken
  • Ukrainischer Botschafter reagiert fassungslos auf Merkels Ausführungen

Bei der ersten Veranstaltung der vom Bund eingerichteten Bundeskanzler-Helmut-Kohl-Stiftung hat Ex-Kanzlerin Angela Merkel ihren Vor-Vorgänger am Dienstagabend in Berlin gewürdigt. Dabei hob die CDU-Politikerin die "drei Prinzipien politischer Staatskunst" hervor, die Kohl ausgezeichnet hätten: "die Bedeutung des Persönlichen in der Politik, den unbedingten Willen zum Gestalten und das Denken in geschichtlichen Zusammenhängen". Die sei auch in der aktuellen Lage bedenkenswert, sagte Merkel mit Blick auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine.

Merkel äußert sich zu Krieg gegen Ukraine

Sie sei davon überzeugt, so Merkel, Ex-Kanzler Kohl würde aktuell "alles daran setzen, die Souveränität und die Integrität der Ukraine zu schützen und wiederherzustellen". Er habe aber in Fragen derartiger Tragweite auch nie "den Tag danach" aus dem Blick verloren. Auf heute übertragen würde Kohl "parallel immer auch das im Moment so Undenkbare, schier Unvorstellbare mitdenken - nämlich wie so etwas wie Beziehungen zu und mit Russland wieder entwickelt werden können", betonte Merkel. "Beides würde er natürlich niemals in einem deutschen Alleingang angehen", fügte Merkel hinzu.

Mit Blick auf Kreml-Herrscher Wladimir Putin sagte Merkel: "Worte ernst zu nehmen, sie nicht von vornherein damit abzutun, sie seien nur ein Bluff, sondern sich ernsthaft mit ihnen auseinanderzusetzen, das ist beileibe kein Zeichen von Schwäche oder Beschwichtigung, sondern ein Ausweis politischer Klugheit - einer Klugheit, die dazu beiträgt, Handlungsspielräume zu erhalten oder, mindestens so wichtig, sogar neue zu erarbeiten." Putin hatte jüngst eine Teilmobilmachung angeordnet und erneut mit dem Einsatz von Atomwaffen gedroht. 

Botschafter Melnyk reagiert fassungslos

Merkels Aussagen zum Krieg lösten beim ukrainischen Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, Empörung aus. Auf Twitter schrieb er: "Kaum zu fassen: die Ex-Kanzlerin, die mit ihrem jahrelangen putinfreundlichen Kuschelkurs Moskaus Aggression gegen die Ukrainer möglich machte, philosophiert schamlos darüber, "wie so etwas wie Beziehungen zu uns mit Russland wieder entwickelt werden können".

Auch der aktuelle CDU-Vorsitzende Friedrich Merz äußerte sich auf der Kohl-Veranstaltung zur aktuellen Weltlage. Kohl habe 1989/1990 "die weltgeschichtlichen Veränderungen seiner Zeit früher als andere zunächst begriffen und dann ergriffen", sagte Merz. Mit Russlands Überfall auf die Ukraine sei das friedliche, freiheitliche und demokratische Europa, das Kohl ganz maßgeblich mit aufgebaut habe, "ernsthafter denn je in seiner Geschichte bedroht". Angesichts des Krieges müsse Deutschland Führung in Europa übernehmen. "Nicht Führung im Sinne von Dominanz und Bevormundung, sondern Führung im Sinne von Verantwortung", betonte Merz. 

Verwendete Quellen:

  • dpa
  • Focus online