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Angesichts des dramatischen Wählerschwundes fordert der Juso-Vorsitzende Kevin Kühnert von der SPD eine Ost-Offensive. "Wir müssen sehen, wie wir mit der starken Polarisierung der Gesellschaft umgehen – für die SPD geht es da vor allem um den strukturschwachen Raum und die Stärkung der ostdeutschen Landesverbände", sagte Kühnert der Deutschen Presse-Agentur. Sachsen sei ein Flächenland mit vier Millionen Einwohnern und habe nur noch rund 5000 SPD-Mitglieder. "Da darf man nicht nur reden, sondern da müssen Leute aus Berlin auch mal ihren Hintern hinbewegen und Präsenz zeigen."

In Sachsen könnte bei der Landtagswahl 2019 die AfD stärkste Kraft werden. Es sei wichtig, dass "die da oben" vor Ort sichtbar würden, um den Vorwurf zu entkräften, man interessier sich ja eh nicht für das, was da passiere. Kühnert (29) ist genau ein Jahr lang Juso-Chef, am 24. November 2017 wurde er mit 75 Prozent Zustimmung gewählt.

"Ost-Termine haben immer Vorrang"

"Mein Büro hat die klare Ansage, Ost-Termine haben immer Vorrang, völlig egal, ob 20 oder 200 Leute da sind", sagte Kühnert. Angesichts der geringen Präsenz mit eigenen Büros müsse man auch über SPD-Busse nachdenken, mit denen man kleinere Orte ansteuern könne.

"Viele fühlen sich politisch verlassen", sagte Kühnert. "Bahnhöfe verfallen, Strecken werden eingestellt, der Bus fährt nur noch zwei Mal am Tag, Ärzte gibts nicht mehr, öffentliche Wohnungen werden verkauft, und Politik ist etwas, das findet in Brüssel und Berlin statt." Der starke Zuspruch zur AfD sei letztlich auch eine besondere Form des Hilfeschreis.