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Mit der Forderung nach einer Urwahl für die nächste Kanzlerkandidatur hat sich der Unions-Nachwuchs klar gegen CDU-Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer gestellt. Mit 170 von 277 gültigen Stimmen nahm der Deutschlandtag der Jungen Union am späten Freitagabend in Saarbrücken einen Antrag an, in dem ein Mitgliederentscheid von CDU und CSU über die Kanzlerkandidatur gefordert wird. Nach dem gefeierten Auftritt von Friedrich Merz am Freitagabend geht das Schaulaufen möglicher Unions-Kanzlerkandidaten mit Reden von Gesundheitsminister Jens Spahn, CDU-Chef Markus Söder und dem nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet weiter. Kramp-Karrenbauer spricht erst am Sonntag.

Ex-Unionsfraktionschef Merz, der im vergangenen Dezember den Kampf um die CDU-Führung gegen Kramp-Karrenbauer verloren hatte, wurde in Saarbrücken wie ein Popstar gefeiert. Er hatte die CDU zum Zusammenhalt aufgerufen und weiteres Engagement für die Partei angekündigt. Kramp-Karrenbauer ist wegen eigener Fehler und weiter sinkenden Umfragewerten unter Druck geraten.

Die Entscheidung über das künftige Verfahren zur Bestimmung des Kanzlerkandidaten fällt voraussichtlich beim CDU-Parteitag in Leipzig am 22. und 23. November. Dort wird die Junge Union den Antrag auf Mitgliederentscheid einbringen. Kurz vor der Abstimmung beim Deutschlandtag der Jungen Union hatte auch der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans vor einer Urwahl des Kanzlerkandidaten gewarnt. Wie Kramp-Karrenbauer lehnt auch CSU-Chef Markus Söder die Urwahl ab. Die CDU müsse sich vor allem um Sachfragen kümmern, argumentieren Hans und Söder.

Amthor: Ein mutiger Schritt

Der junge CDU-Bundestagsabgeordnete Philipp Amthor lobte die Entscheidung der Jungen Union als mutigen Schritt. Die Debatte solle "nicht als persönliche Attacke gegen AKK interpretiert werden", sagte Amthor der Deutschen Presse-Agentur am Rande des JU-Deutschlandtages. "Stattdessen geht es um ein sachliches Anliegen, das wir auch sachlich auf dem Weg zum CDU-Bundesparteitag diskutieren sollten." Das "mutige Votum" der JU könne "nicht als Aufforderung zur reinen Selbstbeschäftigung verstanden werden".

Merz sagte den JU-Delegierten, er habe Kramp-Karrenbauer nach deren Wahl zur CDU-Chefin im Dezember 2018 "aus fester und tiefer Überzeugung" zugesagt, ihr "bei dieser schwierigen Aufgabe (...) zu helfen und sie zu unterstützen". "Und zu dieser Zusage stehe ich uneingeschränkt." Es sei klar gewesen, dass Kramp-Karrenbauer auch Fehler machen werde. Auch er hätte im Falle einer Wahl Fehler gemacht, sagte Merz - "wie jeder andere in diesem Amt auch". Auf den Zwischenruf aus den Reihen der Delegierte, dass dies nicht der Fall gewesen wäre, antwortet Merz eindringlich: "Doch, doch."

Die CDU werde in ihrer ganzen Breite und Tiefe gebraucht, mahnte Merz, der vom Unionsnachwuchs mit großem Beifall empfangen worden war. "Und da müssen wir alle mithelfen." Vielleicht werde es irgendwann am Jahreswechsel, Anfang oder Ende 2020, aber spätestens Ende 2021 eine Bundestagswahl geben. "Bei dieser Bundestagswahl kommt es darauf an, dass die Union mit spannenden inhaltlichen Aussagen, mit einem überzeugenden Team sich der Verantwortung dem Wähler gegenüber stellt und um die Mehrheit in Deutschland ringt", rief Merz. "Und dazu muss jeder von uns an jedem Platz beitragen."

Merz war kurzfristig auf die Rednerliste in Saarbrücken gesetzt worden. Zum Ende seiner Rede rief der Sauerländer den Delegierten zu: "Wie freiheitlich und wie menschlich wir die Zukunft unseres Landes und der EU gestalten, diese Verantwortung liegt auf Deutschland und in Deutschland auf CDU und CSU. Wir werden die politische Auseinandersetzung darum führen müssen. Und wenn Sie wollen, dass ich dabei bin, dann bin ich dabei." Die Delegierten reagierten mit lang anhaltendem Applaus und "Friedrich, Friedrich"-Rufen. Sie sangen: "Oh, wie ist das schön. Sowas hat man lange nicht gesehen."

JU-Chef Tilman Kuban sagte: "Wir danken Ihnen, dass Sie zurück sind auf der CDU-Bühne." Merz sei ein kluger Kopf, den die CDU brauche und der der Partei gut tue.