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Der Iran hat am Freitag innerhalb kurzer Zeit zwei britische Tanker im Golf von Hormus aufgebracht. Zunächst wurde die unter britischer Fahne fahrende «Stena Impero» von den Iranischen Revolutionsgarden gestoppt und in Richtung iranischer Küste gebracht. Kurz darauf wurde auch der unter liberianischer Flagge fahrende Tanker "Mesdar" des britischen Unternehmens Norbulk Shipping UK in Richtung Iran abgedrängt. Wie das Unternehmen in der Nacht mitteilte, sei die "Mesdar" inzwischen aber wieder freigegeben.

Nach dreieinhalb Stunden sei die Kommunikation mit der Besatzung wieder hergestellt, teilte der britische Schiffsverwalter mit. Die bewaffneten Sicherheitskräfte hätten das Schiff wieder verlassen und die "Mesdar" könne die Reise fortsetzen. Der Besatzung gehe es gut. Die halbstaatliche Nachrichtenagentur Fars berichtete, die Besatzung sei im Einklang mit Routinemaßnahmen der iranischen Marine über die Umweltkriterien im Persischen Golf aufgeklärt worden und anschließend weitergefahren.

Festsetzungen der Schiffe "unakzeptabel"

Zuvor hatte der britische Außenminister Jeremy Hunt die Festsetzungen der beiden Schiffe als "unakzeptabel" bezeichnet. Noch am Abend trat in London der Nationale Sicherheitsrat (Cobra) zusammen. Die Freiheit des Schiffsverkehrs sei unerlässlich, betonte Hunt.

Die Iranischen Revolutionsgarden (IRGC) hatten zunächst nach eigenen Angaben den unter britischer Flagge fahrenden Öltanker "Stena Impero" in der Straße von Hormus gestoppt und in Richtung iranischer Küste gebracht. Der Tanker habe internationale Vorschriften nicht beachtet, hieß es auf dem Internetportal der Revolutionsgarden.

Unter dem Vorwurf illegaler Öllieferungen an Syrien liegt seit Anfang des Monats in Gibraltar ein Supertanker an der Kette. Die Öllieferung aus dem Iran soll gegen EU-Sanktionen gegen Syrien verstoßen. Der Iran protestierte gegen die Beschlagnahme, bestellte mehrmals den britischen Botschafter ein und forderte, das Schiff sofort weiterfahren zu lassen. Am Dienstag drohte der oberste iranische Führer Großbritannien mit Konsequenzen.

Unterwegs ohne GPS-Signal

Wie die Behörden in der südiranischen Provinz Hormusgan mitteilten, sei die "Stena Impero" in den Hafen der Provinzhauptstadt Bandar Abbas eskortiert worden. Der Tanker habe sein GPS-Signal ausgeschaltet und sei vom südlichen Teil der Straße von Hormus, der nur für den Ausgang der Schiffe vorgesehen ist, in die Meerenge eingefahren und habe damit eine Kollision mit anderen Schiffen riskiert, berichtete die iranische Nachrichtenagentur Tasnim. Dies sei gegen die maritimen Vorschriften am Golf. Außerdem soll der Tanker auch umweltschädigende Materialien am Bord haben, die derzeit von der Umweltbehörde in Bandar Abbas untersucht würden.

Das Schiff gehört der schwedischen Firma "Stena Bulk". Das Unternehmen bestätigte den Zwischenfall und teilte mit, dass sich mehrere unbekannte kleinere Boote und ein Hubschrauber der "Stena Impero" genähert hatten, als sich das Schiff in internationalen Gewässern befunden habe. An Bord befinden sich nach Unternehmensangaben 23 Crew-Mitglieder. 

Wie Daten der Internetseite Marine Traffic zeigen, verließ die "Stena Impero" gegen 17.30 Uhr MESZ ihren Kurs, als sie die Straße von Hormus passiert hatte. Das Schiff war vom Hafen Fudschaira in den Vereinigten Arabischen Emiraten aus auf dem Weg in Richtung Al-Dschubail in Saudi-Arabien. Zuletzt zeigten die Daten, dass sich das Schiff in Richtung der iranischen Insel Keschm befand.

Differenzen wegen einer Drohne

Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran hat sich in den vergangenen Monaten immens verschärft. US-Präsident Donald Trump hatte erst am Donnerstag in Washington erklärt, eine iranische Drohne sei in der Straße von Hormus von einem US-Kriegsschiff aus zerstört worden. Sie sei der "USS Boxer" bedrohlich nahe gekommen und daraufhin vernichtet worden. Teheran widersprach. "Wir haben weder in der Straße von Hormus noch anderswo eine Drohne verloren", schrieb Vizeaußenminister Abbas Araghchi am Freitag auf Twitter.

US-Präsident Donald Trump will sich nach den jüngsten Zwischenfällen eng mit Großbritannien abstimmen. "Wir werden mit dem Vereinigten Königreich sprechen", sagte Trump am Freitag vor Journalisten. Er werde mit der Regierung in London zusammenarbeiten, fügte er hinzu. Der Iran mache nichts als Ärger, erklärte Trump weiter. Das Land sei in großen Schwierigkeiten, die Wirtschaft breche zusammen. "Es ist sehr einfach für uns, das noch viel schlimmer zu machen."

Die Handelsschifffahrt wurde massiv in den Konflikt hineingezogen. Bereits im Mai hatte es erste Berichte über Sabotageakte gegen Handelsschiffe im Golf von Oman gegeben. Mitte Juni kam es dann zu mutmaßlichen Angriffen auf den japanischen Frachter "Kokuka Courageous" und die zu einer norwegischen Reederei gehörende "Front Altair", beide Schiffe trugen Schäden davon. Die "Front Altair" geriet nach Explosionen in Brand, auch der Betreiber der "Kokuka Courageous" berichtete von zwei Detonationen. Die USA und auch die britische Regierung waren zu dem Schluss gekommen, dass der Iran hinter den Vorfällen steckte. Der Iran wies das zurück.

International wächst die Besorgnis

In der vergangenen Woche hatte dann ein Zwischenfall mit einem britischen Tanker weitere internationale Besorgnis ausgelöst. Britischen Angaben zufolge hatten drei iranische Boote versucht, ein britisches Handelsschiff an der Durchfahrt der Meerenge zu hindern. Eine Fregatte zwang sie jedoch zum Abdrehen. Teheran bestritt, in den Vorfall verwickelt zu sein.

Erst am vergangenen Wochenende hatten die Iranischen Revolutionsgarden nach eigenen Angaben ein ausländisches Schiff in der Region festgesetzt. Der Öltanker "Riah" sei mit angeblich einer Million Liter geschmuggeltem Öl in der Nähe der Straße von Hormus gestoppt und die zwölf ausländischen Crew-Mitglieder festgenommen worden. Der Einsatz sei im Einklang mit dem Kampf des Irans gegen Ölschmuggel im Persischen Golf erfolgt und vorab mit den zuständigen Behörden und der Justiz koordiniert worden. Unklar ist, wem das Schiff gehört. Die VAE bestritten, dass es von einem Unternehmen aus den Emiraten betrieben werde.

"Bösartiges Verhalten" des Iran

Die betroffene Meerenge im Golf von Oman, die Straße von Hormus, ist eine der wichtigsten Seestraßen der Welt. Sie verbindet die ölreiche Golfregion mit dem offenen Meer und hat entscheidende Bedeutung für den internationalen Öltransport.

Die USA warfen dem Iran ein eskalierendes Verhalten gegenüber Großbritannien vor. "Uns sind Berichte bekannt, wonach iranische Kräfte einen britischen Öltanker beschlagnahmt haben", erklärte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates im Weißen Haus, Garrett Marquis. "Das ist das zweite Mal in etwas mehr als einer Woche, dass das Vereinigte Königreich Ziel eskalierender Gewalt durch das iranische Regime ist." Die USA würden weiterhin mit ihren Verbündeten zusammenarbeiten, "um unsere Sicherheit und Interessen gegen das bösartige Verhalten des Iran zu verteidigen", fügte er hinzu.