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Gründungsphase der Christlich-Sozialen Union

Wie auch bei den Unionsgründungen in den anderen deutschen Bundesländern war die Gründung der CSU in Bayern auch eine Zusammenführung der bürgerlichen Kräfte der verschiedenen Ortschaften im Nachgang des Zweiten Weltkriegs – wichtige Gründungszentren waren Würzburg und München.

Der 12. September 1945 gilt laut CSU-Homepage als "eigentliche Gründungssitzung" der CSU. Demnach wurde damals bei einem Treffen im Münchner Rathaus die Bezeichnung "Bayerische Christlich-Soziale Union" beschlossen.

Die Landtagswahl in Bayern fand nach 14 Jahren im Dezember 1946 erstmals wieder als freie und geheime Wahl statt. Die CSU wurde stärkste Kraft in Bayern – mit 52,3 Prozent.

Seit 1949 besteht eine Fraktionsgemeinschaft mit der CDU im Bundestag – die CSU verfügt bei wichtigen Beschlüssen und Fragen über ein Vetorecht. Im selben Jahr fand auch die erste Bundestagswahl statt. Die "Union" bekam 31 Prozent der Stimmen und Konrad Adenauer (CDU) wurde der erste Bundeskanzler – die CSU stellte drei Minister der Regierung.

Politische Ausrichtung der CSU

"Das christliche Menschenbild" leitet die CSU, wie auf der Homepage der Partei im Grundsatzprogramm zu lesen ist. Grundlage der Politik ist also die christliche Werteorientierung. Die Christlich-Soziale Union sieht sich selbst als "konservative Zukunftspartei".

Die CSU tritt für die bayerische Eigenstaatlichkeit und Föderalismus ein. Sie gilt als christlich-kulturell und konservativ – politisch einzuordnen ist sie, wie auch die CDU, mittig-rechts.

Das Profil der bayerischen Partei – ebenso wie die bundesdeutsche Parteipolitik – wurde sehr stark beeinflusst von Franz Josef Strauß, der langjährige Vorsitzende der CSU und großes Vorbild des aktuellen Vorsitzenden Markus Söder (Stand September 2022).

Der CSU-Übervater: Franz Josef Strauß

Der Flughafen in der bayerischen Landeshauptstadt trägt den Namen "Franz Josef Strauß". Wer war der Mann, der dem Münchner Airport seinen Namen gab?

"Ich bin weder Heiliger noch ein Dämon. Ich bin kein ausgeklügeltes Buch, sondern ein Mensch in seinem Widerspruch", sagte Strauß über sich selbst im Jahr 1977 dem "Hamburger Abendblatt". Er war eine streitbare Ikone der Politik. FJS hielt keine Reden, er stieg in den Ring – teils mit rhetorischen Finessen, teils mit plumpen Worthülsen. Er politisierte seine Anhänger und auch seine Gegenspieler.

Als Metzgersohn geboren, bayernweit das beste Abitur seines Jahrgangs abgelegt, dann an der LMU (Ludwig-Maximilians-Universität München) studiert.

Im Zweiten Weltkrieg wurde er von der Wehrmacht eingezogen und geriet bis Kriegsende in Kriegsgefangenschaft. Aufgrund seiner Englischkenntnisse wurde er von den US-Soldaten zur Unterstützung bei Übersetzungen herangezogen und als "politisch unbelastet" eingestuft. Die amerikanische Besatzungsmacht ernannte Strauß 1945 dann zum stellvertretenden Landrat ("Assistant Landrat") des Landkreises Schongau. Ein Jahr später war FJS Mitbegründer des CSU-Kreisverbandes Schongau und wurde zum Landrat gewählt.

FJS im Bundestag und als Ministerpräsident Bayerns

Ab 1949 war er dann Mitglied des Deutschen Bundestages, ab 1961 CSU-Parteivorsitzender – bis zu seinem Tod im Jahr 1988. Er hatte diverse Bundesminister-Posten inne, unter anderem für besondere Aufgaben, für Verteidigung oder Bundesminister der Finanzen. Die letzten zehn Jahre seines Lebens war er Bayerischer Ministerpräsident. Strauß sagte 1983 dazu: "Ich habe immer betont, dass das Amt des Bayerischen Ministerpräsidenten das schönste Amt der Welt ist."

Der ewige Landesvater Bayerns half dabei, den Konservatismus in Bayern und über Bayern hinaus zu modernisieren, war aber auch in einige Affären verstrickt: Ihm wurde unterstellt, geldliche Zuwendungen von deutschen Unternehmen angenommen zu haben und als Verteidigungsminister mehrere umstrittene Rüstungsgeschäfte angestoßen zu haben. Verurteilt wurde er allerdings nie.

Der "Spiegel" deckte die Affären von FSJ meistens als erster auf. Ein andauernder Streit zwischen Strauß und dem Hamburger Blatt führte zur sogenannten "Spiegel-Affäre", die den bayerischen Politiker zum Rücktritt von seinem Amt als Verteidigungsminister zwang und seine Chancen aufs Kanzleramt, die ihm durchaus nachgesagt wurden, zunichtegemacht haben.

Die Erben des Franz Josef Strauß

Die führenden Figuren nach Franz Josef Strauß in der CSU waren Edmund Stoiber, Horst Seehofer und der aktuelle Ministerpräsident Markus Söder.

Stoiber war ab 1993 bayerischer Ministerpräsident und ab dem Jahre 1999 Vorsitzender der CSU – beide Funktionen hatte er bis 2007 inne. Er unterlag bei der Bundestagswahl 2002 als Kanzlerkandidat der "Union" gegen den Spitzenkandidaten der SPD Gerhard Schröder. Damit war Stoiber nach Franz Josef Strauß der bisher einzige Kanzlerkandidat der "Union", der von der CSU gestellt wurde.

Ein weiterer wichtiger Eckpfeiler in der Christlich-Sozialen Union ist Horst Seehofer. Er gehörte vier Bundesregierungen an, war insgesamt von 1980 bis 2008 Mitglied des deutschen Bundestages und ab 2008 bis 2019 Vorsitzender der CSU. Seehofer eckte mit seinen politischen Positionen immer wieder bei der CDU und auch bei der CSU – im eigenen bayerischen Lager – an.

Söder sucht die Öffentlichkeit

Auch der derzeitige Ministerpräsident und Vorsitzende der CSU, Markus Söder, legt sich gerne mit dem Unionspartner an. Beispielsweise sprach er sich 2016 gegen eine erneute Kanzlerschaft Merkels aus. Daraufhin wurde er von Horst Seehofer zurechtgewiesen – die Streitereien zwischen den beiden hörten nie wirklich auf.

Bereits als 16-Jähriger trat Söder in die Junge Union ein – das war 1983. Seit 1994 ist er Teil des bayerischen Landtags. Nachdem er 2018 das Amt des Ministerpräsidenten des Freistaates übernommen hatte, wurde er 2019 auch Parteivorsitzender der CSU. Er ist aktuell der starke Mann in Bayern und weiß, sich in der Öffentlichkeit im Gespräch zu halten.

Das haben die Verantwortlichen in der CSU immer geschafft – in den Medien stattzufinden, für Kontroversen zu sorgen und die bayerische Eigenstaatlichkeit voranzutreiben. Langweilig wird es im Dunstkreis der CSU mit Sicherheit niemals werden.

Verwendete Quellen: