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Westbindung, soziale Marktwirtschaft und geeintes Deutschland

Die Christlich Demokratische Union hat die Geschicke der Bundesrepublik Deutschland stärker beeinflusst als jeder andere Partei. Im Verbund mit der Schwesterpartei CSU hat die CDU maßgeblich die außenpolitische Westbindung und die Einführung der Sozialen Marktwirtschaft vorangetrieben – Letzteres gegen den Widerstand der SPD. Die Phase der friedlichen Revolution in der Deutschen Demokratischen Republik bis hin zur Wiedervereinigung der Jahre 1989 und 1990 ist eng mit den Christdemokraten verbunden.

Gründungsphase der CDU

Wenige Wochen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 bildeten sich in einer Vielzahl deutscher Städte unabhängig voneinander christlich-demokratische Parteigruppierungen. Sie sahen sich als Reaktion auf das Scheitern der Weimarer Republik, auf den Nationalsozialismus und die Weltkriege, wie auf der Homepage der "Konrad Adenauer Stiftung" beschrieben. Die Partei entstand im Laufe der Jahre zwischen 1945 und 1950.

Auf der Reichstagung vom 14. bis 16. Dezember 1945 in Bad Godesberg einigten sich die regionalen Gruppen auf den Namen "Christlich Demokratische Union". Die bayerische Gruppierung, die sich im Oktober 1945 gegründet hatte, behielt die Bezeichnung "Christlich-Soziale Union".

Bildung der CDU-Bundespartei

Man versuchte sich als Sammlungspartei des bürgerlichen Lagers von den materialistischen Weltanschauungen des Nationalsozialismus und des Sozialismus abzugrenzen. Das Ziel war es, die Parteigruppierungen, also alle christlich orientierten Kräfte in einer "Union" zu sammeln – sowohl Katholiken als auch Protestanten und Reformer.

Die Schwesterpartei Christlich-Soziale Union aus Bayern ist seit 1949 mit der CDU im Deutschen Bundestag in einer Fraktionsgemeinschaft verbunden. Die CDU-Bundespartei wurde erst fünf Jahre nach dem Aufkommen der Lokalgruppierungen in Deutschland, im Oktober 1950, auf dem 1. Parteitag in Goslar gebildet.

Ausrichtung der "Union"

Die CDU möchte laut eigener Aussage "für eine offene Gesellschaft eintreten", wie auf der Homepage der Partei zu lesen ist. Familie und Ehe sollen die Grundpfeiler der Gesellschaft bilden – orientiert an religiös fundierten Werten.

Sie wird als wirtschaftsliberale und konservative Partei angesehen, die im politischen Spektrum mitte-rechts verortet werden kann.

Die prägendsten Figuren der CDU

Konrad Adenauer

Konrad Adenauer war der erste Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland – von 1949 bis 1963 füllte er dieses Amt aus. Er gilt als einer der Begründer der CDU und war von 1950 bis 1966 Parteivorsitzender.

Die Außenpolitik war ein großer Teil seiner politischen Strategie – von 1951 bis 1955 war er, neben seinem Amt als Bundeskanzler, auch Außenminister, um eine enge Anbindung an die westeuropäischen Staaten bestmöglich voranzutreiben. Innenpolitisch lag das Hauptaugenmerk der "Ära Adenauer" auf der Eingliederung von Vertriebenen und auf dem Ausbau der Sozialen Marktwirtschaft. Als Vater der Sozialen Marktwirtschaft gilt Ludwig Erhard, der als Bundeskanzler auf Adenauer folgte – von 1963 bis 1966 war er der zweite Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland.

Helmut Kohl

Nicht nur der erste Kanzler wurde von der CDU gestellt. Auch der Kanzler mit der längsten Amtszeit war Christdemokrat: Der ewige Kanzler Helmut Kohl war insgesamt 5870 Tage im Amt. Der Rheinland-Pfälzer war von 1982 bis 1998 Bundeskanzler, der "Kanzler der Einheit", offizieller "Ehrenbürger Europas" und ein Gesicht der Erweiterung der Europäischen Union.

Auf der einen Seite gefeiert, auf der anderen Seite weniger gefeiert. Einige verbinden die Ära Kohl mit Stillstand und im Nachgang mit einem System der schwarzen Kassen. Die CDU-Spendenaffäre wurde 1999 aufgedeckt und offenbarte illegale Parteispenden der CDU in den 80ern und 90ern und war sehr eng mit Kohl verflechtet.

Angela Merkel

16 Jahre lang war sie an der Spitze unseres Landes – von 2005 bis zum Dezember 2021 war "Mutti" in oberster Regierungsverantwortung. Merkel schrieb als erste Kanzlerin Geschichte. Sie gilt als Krisenmanagerin: Finanzkrise, Eurokrise, Flüchtlingskrise, Corona-Krise – all diese Notlagen fielen in ihre bewegte Amtszeit. Sie galt während ihrer Amtszeit als mächtigste Frau der Welt und Anführerin der Europäischen Union. Nach ihrer Zeit als Kanzlerin genießt Angela Merkel ihren Ruhestand in vollen Zügen.

Diese Anerkennung schien im Ausland besser zu gedeihen als im eigenen Land. In der Flüchtlingskrise und auch in der Corona-Krise bekam sie sehr viel Gegenwind – teilweise sogar aus der Schwesterpartei CSU. In vielen Angelegenheiten wurde ihr Zurückhaltung und das einfache Aussitzen von wichtigen Angelegenheiten unterstellt. Vielleicht hat sie aber auch immer nur auf den entscheidenden Moment gewartet.

Die Nach-Merkel-Ära hat begonnen

Nach Merkels Rückzug vom Parteivorsitz und dem damit verbundenen schrittweisen Abschied von der Macht folgten turbulente Zeiten bei der CDU – der "Fels in der Brandung" zog sich step by step zurück. Die Folge: Parteivorsitz-Gerangel, Fehltritte, Rücktritte, Hahnenkämpfe um den Parteivorsitz und die Kanzlerkandidatur und die schrittweise Rückkehr eines alten Bekannten: Friedrich Merz tauchte wieder auf der Bildfläche auf und ist seit Anfang 2022 Vorsitzender der CDU.

Verwendete Quellen: