- Bildquelle: IMAGO / Future Image © IMAGO / Future Image

DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE:

  • Das Wirtschaftsministerium will zwei der drei verbliebenen Atomkraftwerke wegen der Energiekrise in Reserve belassen.
  • Jetzt erklärte der Betreiber des AKW Isar 2, ein Hochfahren bei Bedarf sei "technisch nicht machbar".
  • Ressortchef Habeck nahm den Brief "mit einiger Verwunderung" zur Kenntnis.

Der Betreiber des Atomkraftwerks Isar 2 hat offenbar das Bundeswirtschaftsministerium davor gewarnt, die Anlage ab dem Jahreswechsel in Reserve zu versetzen. Der Vorschlag des Ministeriums, "zwei der drei laufenden Anlagen zum Jahreswechsel in die Kaltreserve zu schicken, um sie bei Bedarf hochzufahren, ist technisch nicht machbar und daher ungeeignet, um den Versorgungsbeitrag der Anlagen abzusichern", zitierte der "Spiegel" am Mittwoch aus einem Brief von Preussenelektra-Chef Guido Knott.

Das Schreiben sei vom Dienstag datiert und an den Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, Patrick Graichen, gerichtet. Preussenelektra gehört zu Deutschlands größtem Energiekonzern Eon.

AKW-Betreiber widerspricht Plänen von Habeck ausdrücklich

Dem "Spiegel" zufolge widerspricht der Strommanager ausdrücklich den Plänen, die Wirtschaftsminister Robert Habeck am Montag vorgestellt hatte. Demnach sollen die drei verbliebenen deutschen Atomkraftwerke ihren Regelbetrieb wie im Atomausstiegsgesetz vereinbart zum Ende des Jahres einstellen. Isar 2 und Neckarwestheim 2 (EnBW) sollen aber in Reserve bleiben und spätestens Mitte April endgültig abgeschaltet werden.

Ein Eon-Sprecher wollte sich auf Anfrage nicht näher zu dem "Spiegel"-Bericht äußern. "Wir haben am Montagabend kommuniziert, dass Kernkraftwerke in ihrer technischen Auslegung keine Reservekraftwerke sind, die variabel an- und abschaltbar sind. Sie können davon ausgehen, dass wir hierzu im engen Austausch mit dem BMWK sind, um eine umsetzbare Lösung zu finden", sagte er. Das BMWK ist das von Habeck geleitete Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz.

Habeck äußert sich: Preussenelektra hat Konzept der Notfallreserve nicht verstanden

Kurz nach Bekanntwerden des Schreibens äußerte sich Habeck. "Ich hab den Brief von Preussenelektra mit einiger Verwunderung zur Kenntnis genommen", sagte der Grünen-Politiker in Berlin. So warf er dem Konzern vor, das Konzept der Notfallreserve nicht verstanden zu haben. Denn ein Hoch- und Herunterfahren der Anlagen sei nicht geplant. Vorgesehen sei vielmehr "einmal zu entscheiden, ob man die Kraftwerke braucht oder nicht". Das könne im Dezember, Januar oder Februar geschehen. "Das ist offensichtlich an den Technikern von Preussenelektra vorbeigegangen", sagte Habeck.

Zudem verwies der Wirtschaftsminister auf einen früheren Brief des Energiekonzerns von August, in dem dieser mitgeteilt habe, dass es auch im Fall eines längeren Streckbetriebs einen kurzfristigen Stillstand brauche. Nach Habecks Darstellung widersprechen sich diese Angaben des Konzerns. Nun solle in neuen Gesprächen geklärt werden, was gelte, sagte Habeck, der zudem darauf hinwies, dass auch bei einem Streckbetrieb, "also dem offensichtlichen Wunsch von Preussenelektra", eine Revision nötig gewesen wäre.