Das Land Berlin setzt abweichend von den jüngsten Bund-Länder-Vereinbarungen auf ein eigenes Warnsystem in der Corona-Pandemie. Dabei sollen die Reproduktionsrate, die Zahl der Neuinfektionen und die Belegung der Intensivbetten mit Covid- 19-Patienten eine Rolle spielen, teilten Regierungschef Michael Müller und Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (beide SPD) am Dienstag mit.

Bund und Länder hatten sich in der Vorwoche auf eine Obergrenze bei den Infektionszahlen verständigt. Danach müssen die Landkreise oder kreisfreien Städte ein konsequentes Beschränkungskonzept umsetzen, wenn mehr als 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen gezählt werden. Aus Sicht des Berliner Senats ist das in einer Großstadt keine praktikable Lösung, wie Müller deutlich machte.

Sollte die Ampel bei zwei der drei Indikatoren auf Gelb stehen, will der Senat die Problematik erörtern, sagte Müller. Bei zweimal Rot bestehe dringender Handlungsbedarf. Dann sei zu beraten, ob Lockerungen zurückgenommen werden müssen oder geplante Lockerungen zeitlich gestreckt werden müssten.

Bei den Neuinfektionen geht die Ampel bei der Marke von 20 Neuinfizierten pro 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen auf Gelb. Bei 30 Neuinfektionen leuchtet sie rot, wie Senatorin Kalayci erläuterte. Dasselbe System greift bei der sogenannten Reproduktionsrate: Liegt diese an mindestens drei Tagen hintereinander bei 1,1, steckt also ein Infizierter im Durchschnitt 1,1 andere Menschen mit dem Coronavirus an, leuchtet die Ampel gelb. Bei einer Rate von 1,3 leuchtet sie rot.

Bei den Intensivbetten kommt die Ampel ebenfalls zum Tragen. Sind 15 Prozent aller Intensivbetten mit Covid-19-Patienten belegt, springt sie von Grün auf Gelb, bei 25 Prozent auf Rot.