Mehrere Wochen nach Inkrafttreten der ersten Lockerungen von Corona-Schutzmaßnahmen bewegt sich die Zahl der täglichen Neuinfektionen weiter auf verhältnismäßig geringem Niveau. Zuletzt meldeten die Gesundheitsämter in Deutschland 394 Corona-Infektionen binnen eines Tages, wie das Robert Koch-Institut (RKI) am Donnerstag mitteilte. Damit haben sich seit Beginn der Corona-Krise 182.764 Menschen in Deutschland nachweislich mit Sars-CoV-2 angesteckt (Datenstand 04.06. 0 Uhr).

Stand Donnerstag hatte laut RKI-Daten erneut kein einziger Landkreis die kritische Marke von 50 Neuinfektionen erreicht. Wird diese Obergrenze gerechnet auf 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen überschritten, müssen Beschränkungskonzepte erlassen werden. Die meisten neuen Fälle pro 100.000 Einwohner verzeichnete in den vergangenen sieben Tagen der thüringische Landkreis Sonneberg mit mehr als 39 und Bremerhaven mit mehr als 36 Fällen.

Privatfeiern werfen Göttingen zurück

In Göttingen wurden unterdessen weitere Lockerungen zurückgenommen, nachdem es in der niedersächsischen Stadt nach privaten Feiern zu einem lokalen Corona-Ausbruch gekommen war. Mannschafts- und Kontaktsport in Vereinen ist für vorerst zwei Wochen verboten, weil viele der aktuell Infizierten Mannschaftssport betreiben. Außerdem wird ein Schwimmbad geschlossen. Bereits am Dienstag hatte die Verwaltung die Schließung sämtlicher Schulen verfügt, weil sich unter den Infizierten auch viele Kinder und Jugendliche befinden.

Bislang starben nach RKI-Angaben in Deutschland 8581 nachweislich mit dem Virus Infizierte, damit stieg die Zahl der gemeldeten Toten innerhalb von 24 Stunden um 30. Etwa 167.800 Menschen haben die Infektion nach RKI-Schätzungen überstanden, das sind 600 mehr als noch einen Tag zuvor.

Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, liegt nach aktuellsten RKI-Angaben erneut unter der kritischen Marke von 1,0, nämlich bei 0,71 (Datenstand 3.6. 0 Uhr). Das bedeutet, dass ein Infizierter im Mittel weniger als eine weitere Person ansteckt. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen etwa eineinhalb Wochen zuvor ab. Am Vortag hatte er bei 0,89 (Datenstand 2.6. 0 Uhr) gelegen.

Der R-Wert für eine Woche als das bessere Maß

Das RKI hatte erklärt, dass der R-Wert empfindlich auf kurzfristige Änderungen der Fallzahlen reagiere, wie sie etwa durch einzelne Ausbruchsgeschehen verursacht werden können. Insbesondere bei einer insgesamt kleineren Anzahl von Neuerkrankungen könne dies zu verhältnismäßig großen Schwankungen führen.

Seit Mitte Mai gibt das RKI zudem ein sogenanntes 7-Tage-R an. Es bezieht sich auf einen längeren Zeitraum und unterliegt daher weniger tagesaktuellen Schwankungen. Nach RKI-Schätzungen lag dieser Wert (Datenstand 3.6. 0 Uhr) bei 0,83 (Vortag: 0,87). Er zeigt das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen.