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Die Maßnahmen zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie zeigen nach Einschätzung des Robert Koch-Instituts in Deutschland nun messbar Wirkung. Ein infizierter Mensch stecke seit einigen Tagen im Durchschnitt nur noch einen weiteren Menschen an, sagte RKI-Präsident Lothar Wieler am Freitag. In den vergangenen Wochen habe der Wert bei 5, manchmal sogar bei 7 Menschen gelegen, die ein Infizierter ansteckte.

Die Geschwindigkeit bei der Verbreitung der Pandemie habe sich damit bisher verlangsamt. Ein Grund zur Entwarnung seien die neuen Daten aber nicht: Erst, wenn ein Infizierter im Durchschnitt weniger als einen Menschen anstecke, lasse die Pandemie langsam nach. "Wir müssen unter 1 kommen. Ich hoffe, dass das in den nächsten Tagen gelingt", sagte Wieler. Bei den rund 350.000 Tests pro Woche in Deutschland seien zur Zeit 7 bis 8 Prozent positiv.

Wie erwartet ist die Sterberate in Deutschland bei Covid-19-Patienten innerhalb weniger Tage angestiegen - von 0,8 auf nun 1,2 Prozent. Wieler hält die Todesfallzahlen dabei für unterschätzt. Nicht jeder Gestorbene sei vorher getestet worden, sagte er. Und im Obduktionsmaterial sei das Virus nicht immer nachweisbar. "Ich gehe davon aus, dass wir mehr Tote haben als offiziell gezählt werden", sagte er. Die Sterberate werde weiter steigen - wie stark, sei unklar.

RKI-Chef Wieler: Nicht sicher, ob Intensivbetten ausreichen

Es lasse sich auch noch nicht mit Sicherheit sagen, ob die erhöhte Kapazität der Intensivbetten für Covid-19-Patienten in Deutschland in der nächsten Zeit ausreiche, sagte Wieler. Er persönlich glaube das im Moment noch nicht.

In Deutschland waren bis Freitagvormittag mehr als 80.500 Infektionen (Vortag Stand 10.15 Uhr: mehr als 73.900) mit dem neuen Coronavirus registriert. Das geht aus einer Auswertung der Deutschen Presse-Agentur hervor, die die neuesten Zahlen der Bundesländer berücksichtigt. Mindestens 1.022 mit Sars-CoV-2 Infizierte sind den Angaben zufolge bislang bundesweit gestorben.

Es sei weiter sehr wichtig, die Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten, betonte der RKI-Präsident. Er appellierte an öffentliche Verkehrsbetriebe, den Takt für Busse und Bahnen eher noch zu erhöhen und mit mehr Waggons zu fahren. Vergleichsdaten zeigten bisher, dass die Mobilität in Städten - regional sehr unterschiedlich - um bis zu 40, manchmal sogar 50 Prozent nachgelassen habe.

Leopoldina: Lockerung der Maßnahmen nach Osterferien möglich

Auch nach Google-Daten nutzen gut 2/3 weniger Menschen in Deutschland Bahnen und Busse. In Lebensmittelläden und Apotheken gingen zuletzt rund halb so viele Kunden wie Anfang des Jahres, wie aus einer Auswertung anonymisierter Bewegungsdaten des Internet-Konzerns von Freitag hervorgeht.

Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina hält eine Lockerung der Maßnahmen im Kampf gegen die Corona-Pandemie nach den Osterferien für möglich. Denkbar sei etwa, dass Kontaktverbote weniger strikt umgesetzt werden, wenn dafür andere Maßnahmen eingehalten werden, heißt es in einer Stellungnahme, die am Freitag veröffentlicht wurde.

Das RKI äußerte sich noch nicht zu möglichen Lockerungen und Zeitachsen. Es gebe noch keine finalen Pläne, sagte Wieler. Er persönlich gehe nicht davon aus, dass alle Maßnahmen gleichzeitig gelockert werden könnten. Er gehe von einem "seriellen Start" aus.