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Deutschland schwitzt - und zwar gewaltig. Nach dem heißesten Tag der Geschichte sah es am Mittwoch zunächst nicht aus, doch der Juni-Rekord wurde schon am frühen Nachmittag geknackt: Im brandenburgischen Coschen an der deutsch-polnischen Grenze wurden nach vorläufigen Angaben um 14.50 Uhr satte 38,6 Grad gemessen. Nie war es laut Deutschem Wetterdienst in einem Juni hierzulande heißer. Den bisherigen Juni-Höchstwert hatten Meteorologen 1947 mit 38,5 Grad im baden-württembergischen Bühlertal erfasst.

Der Mittwoch fing schon ziemlich heiß an: Bereits mittags um 12 Uhr wurden in Genthin in Sachsen-Anhalt 35,9 Grad gemessen. Eine Stunde später fiel in Sachsen der Juni-Rekord für das Bundesland: 36,9 Grad. Im Laufe des Tages sollte es noch heißer werden. Der DWD erwartete an Rhein, Main, Saar und Nahe sowie an der Unterelbe bis zu 39 Grad.

Die Hitzewelle, für die heiße Luft aus der Sahara verantwortlich ist, erreichte damit ihren vorläufigen Höhepunkt - der Temperaturrekord in Deutschland werde damit aber voraussichtlich nicht gefährdet, sagte Meteorologe Sebastian Schappert. Der liegt bei 40,3 Grad, aufgestellt in Kitzingen im August 2015.

Leute kommen ins Schwitzen

Hoch "Ulla" ließ die Menschen in Deutschland trotzdem mächtig schwitzen. Auf dem Vorfeld des Frankfurter Flughafens beispielsweise strahlte die Hitze brutal vom Betonboden. "Da kann man noch mal zehn Grad zu den Thermometerwerten hinzurechnen", sagt Udo Schuh, Stellenleiter des Abfertigungsbereichs. Schlapp gemacht habe bisher keiner der Kollegen, die unter Extrembedingungen Schwerstarbeit leisten. "Aber man merkt schon, dass die Leute einfach langsamer machen müssen."

Die Hitze wirkte sich auch auf das politische Leben aus. So dürfen Bedienstete und Abgeordnete im hessischen Landtag statt im Sakko oder Kostüm mal in kurzer Hose oder im Sommerhemd arbeiten, hieß es. In NRW wurden die Kleidungsvorschriften ebenfalls gelockert: Beim Plenum durften die Männer ihre Jacketts zumindest auf den Plätzen im Plenarsaal ausziehen. Wer ans Rednerpult trete, müsse es aber wieder anziehen, um den "nötigen Respekt" zu gewährleisten.

Die Folgen der hohen Temperaturen waren auch in der Natur zu spüren. Vor allem die Waldbrandgefahr war in einigen Regionen sehr hoch. In Sachsen etwa gilt laut Staatsbetrieb Sachsenforst teilweise die höchste Warnstufe 5. In der Lieberoser Heide in Brandenburg brennt es bereits auf 100 Hektar. Auch die Bäume leiden. Sie brauchen ihre Wasserreserven jetzt schneller auf, erklärte der Bund deutscher Baumschulen. Gerade Stadtbäume stünden bei dieser Hitze unter Stress.

In Ostwestfalen kämpfen Wasserversorger bereits mit Trinkwasser-Engpässen. Betroffen sind den Angaben zufolge die Städte Löhne, Bad Oeynhausen sowie einige Gemeinden. Bürger sind aufgerufen, auf das Sprengen ihrer Gärten und das Befüllen von Pools mit Trinkwasser zu verzichten.

Nicht nur Deutschland betroffen

Von den extremen Temperaturen ist allerdings nicht nur Deutschland betroffen; auch in anderen Ländern Europas ächzen die Menschen unter der Hitze. Im Großraum Paris wurde der Autoverkehr wegen hoher Ozonbelastung eingeschränkt. In Frankreich warnen die Behörden in dieser Woche vor Temperaturen um die 40 Grad. In Spanien hingegen werden in einigen Landesteilen am Wochenende bis zu 44 Grad erwartet. Auch die Urlauber den Balearen müssen bei Werten von rund 35 Grad schwitzen. Etwas angenehmer ist es auf den Kanaren und in Katalonien.

In Deutschland ist etwas Entspannung in Sicht: Am Donnerstag wird es zumindest im Norden kühler, wie der DWD mitteilte. In Hamburg kühlt es demnach auf knapp 30 Grad runter. Der Süden muss aber weiter schwitzen. Am Oberrhein bleibt es heiß bei 37 oder 38 Grad. Am Freitag geht's noch mal weiter runter. Die leichte Abkühlung hält aber nicht lange an - am Samstag kommt schon die nächste Welle heißer Sahara-Luft zu uns.