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Das Wichtigste in Kürze:

  • Unbekannte haben am vergangenen Wochenende Leitungen der Deutschen Bahn gekappt und damit den Ablauf sabotiert.
  • Wenige Tage später haben Diebe rund drei Tonnen Kupferkabel von einer Bahnstrecke entwendet.
  • Führende Politiker und Gewerkschafter fordern nun ein massives Sicherheits-Umdenken von der DB.

Am vergangenen Samstag (8. Oktober) legte ein Sabotageangriff den Bahnverkehr in Deutschland lahm. Unzählige Fahrgäste strandeten an den großen Bahnhöfen, an Auskunftsschaltern bildeten sich lange Warteschlangen. In Norddeutschland stand der Bahnverkehr sogar größtenteils ganz still. Der Grund: Unbekannte hatten wichtige Kommunikationskabel der Deutschen Bahn in Berlin und auch in Nordrhein-Westfalen zerstört. Aus Sicherheitskreisen hieß es, es seien in Berlin und in Herne in NRW vorsätzlich sogenannte Lichtwellenleiterkabel beschädigt worden. Auch das Backup-System sei damit ausgefallen.

Nur wenige Tage später dann der nächste Hammer: Unbekannte Täter stahlen am Mittwoch (12. Oktober) laut Bundespolizei etwa drei Tonnen Kupferkabel an einer Bahnstrecke in der Nähe von Ahrensburg in Schleswig-Holstein. Wegen der notwendigen Reparaturarbeiten konnte die Strecke zwischen Ahrensburg und Hamburg am Donnerstag (13. Oktober) nur eingleisig befahren werden, was den Zugverkehr zwischen Lübeck und Hamburg störte. Laut Deutscher Bahn kann es noch bis Freitagmorgen (15. Oktober) in beiden Richtungen zu Verspätungen oder Zugausfällen kommen.

Sabotage bei der Deutschen Bahn: Staatsschutz übernimmt Ermittlungen

Im Fall der folgenschweren Sabotage hat nun der Staatsschutz beim Berliner Landeskriminalamt die Ermittlungen übernommen. Es sei zwar nicht auszuschließen, dass es einen politischen Hintergrund gebe, ermittelt werde aber in alle Richtungen, sagte eine Polizeisprecherin der Deutschen Presse-Agentur. Nach Einschätzungen aus Sicherheitskreisen setzt das Vorgehen Insiderwissen über die Bahn voraus. Als Indiz gegen Täter aus der linksextremistischen Szene, denen in der Vergangenheit Anschläge gegen die Bahn zugeschrieben wurden, gilt, dass bislang kein Bekennerschreiben aufgetaucht ist.

Die "Bild" berichtete kurz nach dem Vorfall, das Bundeskriminalamt (BKA) halte in einer internen Einschätzung auch staatliche Sabotage für denkbar. Demnach setze die Aktion auch "das Abfließen sensibler Informationen über das Streckennetz der Deutschen Bahn AG" voraus. Das BKA und das Bundesinnenministerium kommentierten den "Bild"-Bericht auf Nachfrage nicht.

Sicherheitsexperten sehen Profis hinter der Tat

Der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsbundestagsfraktion, Thorsten Frei (CDU), sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND): "Dass an zwei unterschiedlichen Stellen in Deutschland nahezu zeitgleich ein Anschlag auf die kritische Infrastruktur verübt wird, der ein hohes Maß an Insiderwissen voraussetzt, weist auf einen Organisationsgrad der Angreifer hin, mit dem wir bislang in dieser Form noch nicht konfrontiert waren."

Sicherheitsexperte Peter Neumann hält einen Angriff Russlands auf die kritische Infrastruktur in Deutschland für denkbar. "Russland hat schon ein Interesse daran, in Europa Panik zu verursachen und zu signalisieren, dass es ganz heftig das Leben lahmlegen kann", sagte der Forscher dem Sender RTL. Es benötige erhebliches Wissen, um diese Knotenpunkte anzugreifen. "Es waren wahrscheinlich nicht Amateure oder Einzeltäter, sondern es war etwas, das von Profis durchgeführt wurde." Neumann gibt jedoch zu bedenken: "Es gibt aber natürlich keine eindeutigen Beweise. Deswegen muss man schon vorsichtig sein. Momentan ist es noch eine Theorie."

Politiker sehen Sicherheitsrisiken und fordern besseren Infrastruktur-Schutz

Nun mehren sich die Forderungen nach einem besseren Schutz der Infrastruktur. Beim Schutz dieser Systeme gebe es "erhebliche Probleme", auf die seit langem hingewiesen werde, erklärte der Grünen-Politiker Konstantin von Notz, der Vorsitzende des Parlamentarischen Kontrollgremiums für die Geheimdienste im Bundestag. "Zum Teil liegt das daran, dass Zuständigkeiten unklar sind."

Der SPD-Fraktionsvize und Verkehrspolitiker Detlef Müller forderte dazu von der Bahn, Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) und den Sicherheitsbehörden ein Konzept. Zur kritischen Infrastruktur gehörten nicht nur Schienen und Züge, sondern auch digitale Leit- und Sicherungstechnik, sagte Müller dem RND. Die Technik müsse beim Neubau und der Sanierung von Strecken "zugriffssicher verlegt werden".

Auch ein Vertreter der Gewerkschaft der Polizei hat einen Ausbau des Überwachungssystems gefordert. "Bei der Bahn ist solch eine Sabotage immer wieder möglich, weil auch die Kabelleitungen häufig auch auf offener Strecke liegen und diese nicht vollständig überwacht sind", sagte Andreas Roßkopf, bei der Gewerkschaft zuständig für den Bereich Bundespolizei und Zoll, dem RND. Es brauche daher moderne Überwachungsstrukturen bei der Bahn, "also Drohnen und Sensortechnik in den Kabelschächten, sowie eine Verstärkung des bahneigenen Sicherheitspersonals".

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