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Der tägliche Anstieg der neu bestätigten Infektionen mit dem Coronavirus in China scheint sich stabilisiert zu haben - ist aber weiter sehr hoch. Ein prominentes Opfer wurde am Donnerstag der Augenarzt Li Wenliang, der bereits Ende 2019 vor dem Virus gewarnt hatte. Alle Bemühungen, ihn zu retten, seien vergeblich gewesen, berichtete das Zentrale Hospital von Wuhan. "Wir bedauern es zutiefst und trauern." Li Wenliang und sieben weitere Teilnehmer einer Online-Diskussionsgruppe von Medizinern waren nach ihrer Warnung von der Polizei vorgeladen und verwarnt worden. Auch mussten sie unterschreiben, dass sie nichts mehr über den Ausbruch enthüllen. Später infizierte sich der Arzt selbst bei einer Patientin.

So viele Tote wie am Vortag

Insgesamt starben an einem Tag 73 Patienten. Damit sind in China schon 636 Todesfälle zu beklagen. Die Zahl der Ansteckungen legte um 3143 zu. Damit sind 31.161 Virusfälle bestätigt, wie die Gesundheitskommission in Peking berichtete. Es war der zweite Tag in Folge, an dem nicht mehr neue Ansteckungen als am Vortag gemeldet wurden. Innerhalb eines Tages starben aber wieder 73 Patienten an der neuartigen Lungenkrankheit - so viele wie am Vortag. Damit sind in China schon 636 Todesfälle zu beklagen.

Ob mit den neuen Zahlen bereits ein weitergehender Trend bei den Ansteckungen erkennbar ist, scheint offen, da die Statistik auch mit der Zahl der laufenden Untersuchungen schwanken kann. Zudem sind weiter mehr als 26 000 Verdachtsfälle registriert. Der Verlauf der Epidemie ist aus Sicht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) auch schwer vorherzusagen. Außerhalb der besonders betroffenen Gebiete in Zentralchina scheine die Lage in China im Moment relativ stabil zu sein, sagte WHO-Experte Michael Ryan in Genf.

In Deutschland gab es am Vortag einen 13. Fall. Allein elf stehen im Zusammenhang mit der bayerischen Firma Webasto, wo sich Mitarbeiter bei einer Kollegin aus China angesteckt hatten. Auch wurden zwei aus China ausgeflogene Rückkehrer positiv getestet. Der jüngste Virennachweis stammt von der 38-jährigen Frau eines der Patienten aus Bayern, wie das bayerische Gesundheitsministerium mitteilte. Auch zwei Kinder des Paares hatten sich angesteckt. Bei dem dritten Kind, einem Säugling, wurde das Virus bisher nicht nachgewiesen.

61 Infizierte auf Schiff

Außerhalb von Festland-China sind in mehr als zwei Dutzend Ländern mehr als 270 Infektionen und zwei Todesfälle bestätigt. An Bord eines unter Quarantäne gestellten Kreuzfahrtschiffes in Japan wurden weitere 41 Infektionen festgestellt, wie das japanische Gesundheitsministerium bekanntgab. Damit erhöht sich die Zahl auf dem Schiff auf 61. Die Betroffenen werden in Krankenhäuser gebracht. Die übrigen der insgesamt 2666 Passagiere, etwa die Hälfte davon Japaner, sowie 1045 Crew-Mitglieder sollen bis 19. Februar an Bord bleiben.

Nach neuen Erkenntnissen der Deutschen Botschaft sind weitere zwei deutsche Staatsangehörige auf der "Diamond Princess" - also insgesamt zehn. Bisher ist keine Infektion unter den Deutschen bekannt. Von den neu Infizierten sind 21 Japaner. Rund 120 Passagiere und Crewmitglieder hätten Symptome wie Husten und Fieber gezeigt, berichtete das Gesundheitsministerium. Weitere 153 hatten engen Kontakt mit ihnen gehabt. Von ihnen allen wurden Proben genommen.

Auch in Hongkong liegt ein Kreuzfahrtschiff mit mehr als 1800 Passagieren und 1800 Crewmitgliedern fest. Bei drei Menschen, die im Januar mit der "World Dream" gereist waren, war das Virus festgestellt worden. Da das Schiff seither noch dreimal in Hongkong angelegt hatte, wurden weitere 5000 Passagiere aufgefordert, Kontakt mit den Behörden aufzunehmen, wenn sie sich nicht wohl fühlen.

Kunstmesse abgesagt

Aus Angst vor dem Virus wurde auch die Art Basel Hong Kong, eine der renommiertesten Kunstmessen Asiens, abgesagt. Der Veranstalter MCH Group begründete die Entscheidung mit verschiedenen Faktoren, die "alle eine Folge der Verbreitung des Coronavirus" seien. Darunter seien die Sorge um die Gesundheit und Sicherheit der Beschäftigten und der Besucher sowie die "großen logistischen Herausforderungen" beim Transport der Kunstwerke und beim Aufbau. Die Messe sollte vom 19. bis 21. März in der Hafenmetropole stattfinden.

Die Bundesregierung will weitere Deutsche und ihre Angehörigen aus der schwer betroffenen Metropole Wuhan zurückholen. Entsprechende Informationen des "Spiegel" bestätigte das Auswärtige Amt der Deutschen Presse-Agentur. Laut "Spiegel" befinden sich in der Region noch rund 20 Deutsche. Möglicherweise sollen sie in einer Maschine mitreisen, die am Wochenende eine Gruppe von Briten ausfliegen soll. Für die 14-tägige Quarantäne sollen sie laut "Spiegel" in einer Klinik in Berlin-Köpenick untergebracht werden.

Die meisten Deutschen fürchten sich nicht vor dem neuen Coronavirus. Bei neun von zehn Deutschen (89 Prozent) ist die Sorge, dass sie oder Familienmitglieder sich anstecken, weniger groß oder klein, wie eine Umfrage von infratest dimap für den ARD-Deutschlandtrend ergab. Nur bei jedem Zehnten ist diese Sorge groß (7 Prozent) oder sehr groß (3 Prozent). Vier von fünf Deutschen (82 Prozent) sind der Meinung, dass die Behörden und Gesundheitseinrichtungen in Deutschland die Situation alles in allem unter Kontrolle hätten.