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Dieter Gurkasch verlebt seine Kindheit im Hamburg der 1960er-Jahre. Eigentlich wächst er wohlbehütet in einem liebevollen Elternhaus auf. Doch mit zunehmendem Alter hat der junge Dieter das Gefühl, für Mutter und Vater nicht "Junge" genug zu sein. Für seine sensible und ruhige Art bekommt er nicht die Beachtung, die er sich wünscht. Diese erhält Dieter erst, als er sich rüpelhaft verhält.

Erste Verbrechen: Urkundenfälschung und Drogendeals

Nach und nach wird aus dem braven Jungen ein jugendlicher Rocker, der in Schlägereien verwickelt ist und die Schule nicht allzu ernst nimmt. Um dennoch einen Abschluss in der Tasche zu haben, fälscht Dieter sein Zeugnis, was allerdings nicht unbemerkt bleibt.

In der Zeit seiner Bäckerlehre wendet sich Gurkasch wegen Schlafstörungen und Antrieblosigkeit an einen Arzt, der ihm Psychopharmaka verschreibt. Als ihm die Mittel trotz immer höherer Dosis nicht mehr genügen, organisiert er sich Haschisch. So kommt er in Kontakt mit dem Drogenmilieu und wird über diese Bekanntschaften schließlich selbst zum Dealer.

 

Die Straftaten werden schwerer

Als eine Freundin Geld braucht, will Dieter Gurkasch die Summe durch Überfälle auf kleine Läden beschaffen. Doch gleich beim ersten Raubversuch gibt es Probleme: Das Opfer wehrt sich, die Waffe versagt, Gurkasch und sein Komplize müssen fliehen.

Der nächste Überfall, bei dem der Kriminelle tätliche Gewalt anwendet, bringt zwar die erhoffte Beute, endet allerdings damit, dass Gurkasch untertauchen muss und fortan auf der Flucht vor der Polizei lebt.

 

Der Gesuchte wird zum Mörder 

Seine Drogensucht und der Wunsch, sich ins Ausland abzusetzen, wecken finanzielle Begehrlichkeiten. Mit Gaspistolen bewaffnet überfällt Gurkasch 1985 einen Tante-Emma-Laden und schlägt die Verkäuferin zunächst brutal nieder. Bevor er flieht, springt der Verbrecher der Frau direkt auf den Kopf. Sie stirbt wenig später im Krankenhaus.

Ein Komplize bringt die Polizei auf die Spur des Täters. Dieter Gurkasch wird gefasst und im Januar 1986 zu 13 Jahren Haft verurteilt.

In der Justizvollzugsanstalt bleibt Gurkasch weiterhin kriminell: Er verkauft geschmuggelte Drogen und selbstgebrannten Schnaps. Kurzzeitig gelingt ihm sogar die Flucht. Allerdings wird der Flüchtige wenige Stunden später gestellt. 

Bei einer Gefängnisrevolte 1990 spielt Gurkasch eine wichtige Rolle. Die Folge sind Verlegung und Isolationshaft.

 

Der Vorzeige-Häftling kommt frei …

1994 kommt Dieter Gurkasch in eine sozialtherapeutische Einrichtung und gibt sich in den nächsten Monaten und Jahren als vorbildlicher Häftling. 1996 wird er dank guter Führung und guter Beurteilung seiner Zukunftschancen vorzeitig entlassen.

… und wird wieder kriminell

Wirklich geändert hat sich Gurkasch jedoch nicht: Zurück in der Freiheit begeht er weitere Verbrechen, darunter Autodiebstahl, Einbruch sowie Drogen- und Waffengeschäfte. Auch bewaffnete Raubüberfälle gehen in dieser Zeit auf sein Konto.

Dann das entscheidende Jahr 1997: Nachdem Dieter Gurkasch bei Streitigkeiten einen Schuss abgefeuert hat und nach Hause geflohen ist, wird er von der Polizei aufgesucht. Es kommt zu einer Schießerei, bei der Gurkasch getroffen wird. Der Schwerverletzte muss zuerst vor Ort und später noch einmal im Krankenhaus reanimiert werden.

 

Sinneswandel nach dem Beinahe-Tod

1998 erfolgt die Verurteilung zu 14 Jahren Haft mit anschließender Sicherheitsverwahrung. In der folgenden Zeit im Gefängnis überdenkt Dieter Gurkasch sein Leben und wendet sich neuen Interessen zu, allen voran Yoga, das er sich im Selbststudium beibringt.

2011 wird er aus der Haft entlassen und die Sicherheitsverwahrung aufgrund eines grundsätzlichen Gerichtsurteils zur Gesetzeslage aufgehoben.

Dieter Gurkasch gründet einen gemeinnützigen Verein für Yoga und Meditation in Gefängnissen. Er arbeitet bis heute als Yoga-Lehrer und Berater für Mitarbeiter:innen im Justizvollzug, für Häftlinge und Ex-Sträflinge.

Das Leben von Dieter Gurkasch ist eine der Geschichten bei "Jenke.CRIME2.", montags, 20:15 Uhr, auf ProSieben.