Arbeiten Sie als Försterin tatsächlich mehr im Wald als im Büro?

"Ich bin seit März 2020 als Försterin tätig und betreue Privatwälder und die Wälder von 12 Kommunen. Zuvor arbeitete ich fürs Landwirtschaftsministerium. Das war tatsächlich ein Wechsel vom Büro in den Wald. Als Försterin verbringe ich zwei Drittel meiner Arbeitszeit draußen. Dafür muss man wetterfest sein – aber ich finde es wunderbar."

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

"Den gibt es eigentlich gar nicht. Meine Aufgaben sind sehr vielfältig und richten sich oft nach aktuellen Gegebenheiten. Hat es beispielsweise gestürmt, sichere ich die Verkehrswege. Ist es besonders heiß, suche ich Borkenkäfer – die lieben Trockenheit und schädigen die Bäume. Fast täglich habe ich Beratungstermine: Menschen rufen an und fragen, welches Tier sie gesehen haben. Waldbesitzern gebe ich draußen vor Ort Tipps zur klimafreundlichen Aufforstung ihrer Wälder. Manchmal bin ich auch mit Schulklassen draußen und mache mit den Kindern Spiele, bei denen sie den Wald kennenlernen."

Haben Sie einen Lieblingsbaum?

"Keine leichte Entscheidung. Eigentlich sind es zwei – aus rein optischen Gründen: Bei Birken mag ich die weiße Rinde. Und Kiefern erinnern mich ans Meer."

Wie wird man eigentlich Försterin?

"Man braucht einen Fachhochschulabschluss in Forstwirtschaft. Es gibt tolle Praxis-Semester, wo man schon mit einem Förster mitgehen und die Arbeit erleben kann. Und: Ich habe einen Jagdschein gemacht. Der ist Voraussetzung für den Beruf. In Staatswald-Revieren gehört die Jagd zur Dienstaufgabe."

Was genießen Sie am Beruf besonders?

"Ich teile mir meine Zeiten flexibel ein und bin viel draußen. Mein Hund, eine 11-jährige Slowakische Bracke, begleitet mich auf meinen Touren durchs Revier."

Wie steht es derzeit um den Wald – und was bedeutet das für Förster?

"Dem Wald geht es nicht gut, wir müssen ihn rüsten für die Zukunft. Förster sind wichtiger denn je – aufgrund des Klimawandels. Die Trockenheit erfordert einen Umbau des Waldes. Den begleiten wir und leisten damit aktiven Klimaschutz. Wir pflanzen etwa neue Baumarten an und testen, wie resistent sie gegen Dürre sind."

Wie macht sich die Trockenheit im Wald bemerkbar?

"Viele jungen Kulturen gehen ein. In trockenen Jahren leiden vor allem Fichtenaltbestände, die der Borkenkäfer heimsucht. Auch gewisse Pilzsorten nehmen zu. Besonders auffällig ist das Eschentriebsterben, welches durch einen Pilz verursacht wird. Der Zusammenhang mit dem Klimawandel wird hier noch erforscht."

Wie erhalten Sie den Wald?

"Ich arbeite in Bayern – da ist ein Drittel der Landesfläche von Wald bedeckt. Durch Sturm und Trockenheit beschädigte Flächen forsten wir wieder auf. Hierzu berate ich die Waldbesitzer und Waldbesitzer zu Anpflanzungen und kümmere mich um die Bekämpfung von Schädlingen wie dem Borkenkäfer."

Beeren, Pilze, Blumen – darf ich das im Wald sammeln?

"Sofern nicht anders ausgewiesen, gilt im Wald ein freies Betretungsrecht. Das heißt: Wer etwas sammeln möchte, darf dazu auch die Wege verlassen.

Bei der Menge gilt die Handstraußregel: Diese erlaubt, Pilze, Beeren und Blumen für den persönlichen Bedarf zu pflücken – etwa eine Hand voll. Wer etwa Pilze für sein Restaurant pflückt, nutzt diese gewerblich. In solchen Fällen bräuchte er eine Genehmigung."

Du bist gerne im Wald unterwegs? Das solltest du beachten: 

Tipps: Verlaufen? Die Bäume weisen dir die Himmelsrichtungen

•             Checke, auf welcher Seite am Stamm Moos wächst. Das ist die Wetterseite – und wenn bei dir, wie in weiten Teilen Deutschlands, der Wind vorwiegend aus westlicher Richtung weht, zeigt dir das Moos diese Himmelsrichtung an.

•             Die Baumwipfel im Wald weisen meist Richtung Osten. Da der Westwind sie in diese Richtung bläst. Vor allem an freistehenden Bäumen kannst du das gut erkennen.

 

Wald-Knigge

•             Verhalte dich leise im Wald, um das Wild, wie z.B. Rehe, nicht zu stören.

•             Du hast im Wald ein freies Betretungsrecht. Das heißt: Du darfst Wege verlassen – sofern Schilder dieses Recht nicht einschränken. Dennoch gilt: Bleibe möglichst auf den Wegen. So schonst du Pflanzen und störst die Tiere nicht.

•             Waldbrandgefahr: Mache kein Feuer. Grillen ist verboten. Wirf keine Zigarettenstummel in den Wald.

•             Findest du ein junges Wildtier, fasse es nicht an. Sonst wittert die Mutter es nicht mehr.

•             Ohne besondere Befugnis ist es dir verboten, im Wald mit dem PKW zu fahren.

•             Gartenabfälle und Müll gehören nicht in den Wald. Entsorgst du sie doch dort, droht dir ein Bußgeld.

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