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Relaxed Hair: der geschichtliche Hintergrund

Um die aktuelle Diskussionswelle um Relaxed Hair zu verstehen, hilft es einen Blick auf die Geschichte des Hair Relaxers und Relaxed Hair zu werfen.

Im frühen 19. Jahrhundert erfand die afroamerikanische Hausangestellte Sarah Breedlove, später bekannt als Madam C.J. Walker, eine Pomade aus verschiedenen Ölen. Damit revolutionierte sie die Frisierpraxis afroamerikanischer Frauen. Die Pomade machte lockiges Haar weicher, glänzender und etwas leichter kämmbar. Doch sie glättete das Haar noch nicht. Da es für afroamerikanische Frauen damals erstrebenswert war die gleichen Frisuren wie weiße Frauen zu tragen, musste eine weitere Erfindung her.

Also entwickelte Madam Walker 1905 einen Glättkamm, der, wenn er auf einem Herd erhitzt und in Verbindung mit ihrer Pomade verwendet wurde, das Haar glänzend und vorübergehend glatt machte. Diese Methode wurde zunächst als Walker-Methode und später als "Hair Pressing" bekannt.

Fakten zu Relaxed Hair
Relaxed Hair: Ein Trend der in den Sozialen Medien für Aufruhr sorgt – was hat es damit auf sich? Wir haben die Antworten für euch! © Image Source

Die Entwicklung der Relaxer im Laufe der Jahrzehnte

In den folgenden rund 40 Jahren gab es kaum Innovationen und Technologien, die für lockiges Afro-Haar entwickelt wurden. Erst in den 50er-Jahren gründete George E. Johnson die Johnson Products Company, die 1965 einen innovativen permanenten Haarglätter für afroamerikanische Locken auf den Markt brachte. Gleichzeitig führte Childrey & Doty 1962 eine Creme zur Haarglättung ein. Diese Innovationen in der chemischen Haarglättung führten dazu, dass afroamerikanische Frauen nun Frisuren trugen, die vor allem in der nordamerikanischen Kultur bisher Weißen vorbehalten waren.

Anfang der 70er Jahre gab es einen weiteren Sprung in der Entwicklung der Relaxer. Neue Produkte sollten das Haar weniger beschädigen und belasten, die Kopfhaut weniger reizen und gleichmäßiger glätten. Revlon präsentierte den "Texturizing Relaxer”. Eine hitze- und kältebeständige Creme, die weniger aggressiv und reizend glättete. Mitte der 70er-Jahre folgte auch das pflegende und entwirrende Shampoo von Revlon, das die Kämmbarkeit enorm erleichterte.

1980 versuchte Johnson Products Company den Rückstand seiner Produkte wieder aufzuholen und brachte eine Relaxer-Creme auf den Markt, die ein pflegendes und weichmachendes Ammoniumpolymer enthielt. Die neue Formel verbesserte die Kämmbarkeit und pflegende Wirkung des Hair Relaxer, verursachte aber noch mehr Kopfhautbeschwerden als die erste Generation von Relaxern.

Während die meisten Creme-Relaxer auf Natriumhydroxid-Basis entwickelt wurden, führte die Carson Products Company 1978 einen neuen patentierten Zweikomponenten-Creme-Relaxer ein. Dieser musste durch Mischen einer Creme, die Kalziumhydroxid enthielt, mit einem flüssigen Aktivator, der Guanidinkarbonat enthielt, selbstständig hergestellt werden. Das Produkt reizte die Kopfhaut im Vergleich zu anderen Realxer-Mitteln deutlich weniger und wurde als "No-lye"-Relaxer vermarktet. Nur leider entsprach die Carson-Innovation in Bezug auf Kämmbarkeit und Glättung nicht den Marktstandards.

No Lye Relaxer: Neue Technologien für Relaxed Hair 

1982 lizenzierte die Johnson Products Company die No-Lye-Relaxer-Technologie von Carson und kombinierte sie mit ihrer eigenen quaternären Ammonium-Polymer-Konditionierungstechnologie.

Diese Kombination führte zu einem wesentlich besseren Zweikomponenten-Creme-Relaxer mit mehr Kopfhautkomfort, einfacher Nass- und Trockenkämmbarkeit sowie einer glatten, weichen Haarstruktur.

1985 führte Avlon Industries Inc. ein auf dem Kopfhauttyp basierendes Relaxer-System ein. Der Creme-Relaxer für normale Kopfhaut enthielt Natriumhydroxid und für die empfindliche Kopfhaut gab es einen Creme-Relaxer mit Guanidin. Beide Relaxer enthielten einen Pre-Relaxer-Conditioner.

Friseure berichteten, dass durch den Avlon-Relaxer das Haar der Kundinnen dünner wurde und austrocknete. Avlon forschte weiter und entdeckte, dass Flüssigkeiten in das Innere des Haares fließen und es aufquellen können. Dadurch entstand ein sogenannter "osmotischer Druck" im Haar. 1995 fand Avlon ein neues Konditionierungspolymer, das nicht nur dafür sorgte, dass sich das Haar leicht kämmen ließ, sondern auch seine Elastizität und Zugfestigkeit erhöhte. Im Vergleich zu anderen Hair-Relaxern blieb das Haar deutlich kräftiger.

Die Natural-Hair-Bewegung

Während die nordamerikanische Beauty-Industry fleißig an Formeln und Produkten forschte, die stark gelocktes Haar weich und glatt machen sollten, wuchs fast gleichzeitig auch die Gegenbewegung zu den Hair Relaxern. Während der Black-Power-Bewegung der 60er-Jahre trugen schwarze Frauen ihr afro-texturiertes Haar ganz natürlich – als politisches Statement. Seitdem hat sich die Natural-Hair-Bewegung stark entwickelt und ist heute nicht mehr so stark politisch aufgeladen wie damals. 

Sowohl hinter natürlichem, als auch hinter geglättetem Haar steht die lange Geschichte der Verunglimpfung von afro-texturierten Locken. Seit den frühen 80er-Jahren sind ganze Generationen von Frauen (und Männern) mit der Nature-Hair-Community in Berührung gekommen. Mit dem Aufkommen von Social-Media-Plattformen bekam Natrual Hair einen deutlich spürbaren Push und erhielt weltweit Aufmerksamkeit. Plötzlich wuchs der Markt für Afro-Haarpflegeprodukte, die sich auf die Pflege konzentrieren. Während der Markt für Relaxer radikal abnahm.

Heute wird oft angenommen, dass Frauen mit natürlichem Haar Teil einer politisierten Naturhaarbewegung sind, aber das ist nicht unbedingt der Fall.

So funktioniert der Hair Relaxer

Ihr seht also: Auf dem Gebiet der Haarglättung fand jahrzehntelang viel Forschung und Innovation statt. Doch wie wirken die chemischen Formulierungen, Cremes und Conditioner auf das Haar?

Zunächst hilft es die Haarstruktur zu verstehen. Haarfasern bestehen aus Keratin, ein wasserunlösliches Protein, das aus parallel angeordneten Polypeptidketten besteht, die durch drei Arten von Querverbindungen miteinander verbunden sind: Cystin-Bindungen, Wasserstoffbrücken und Salzverbindungen. Moderne Haarglättungsmittel enthalten Alkalimetallhydroxide und Guanidin als aktive Glättungsmittel. Wenn das Haar 15 bis 20 Minuten lang mit diesen Relaxern behandelt oder ihnen ausgesetzt wird, wird rund ein Drittel der Cystin-Bindungen in Lanthionin-Bindungen umgewandelt.

Kurz gesagt brechen Relaxer die Bindungen in den Haarfasern und formen sie neu, während das Haar glatt gehalten wird. Sie haben also einen ziemlich starken Einfluss auf das Haar, weshalb ihr sie unbedingt richtig anwenden müsst.

Wer Relaxer Zuhause anwenden möchte, der hält sich am besten an die folgenden Steps:

  • Führt zunächst einen Allergietest durch um die Reaktion von Haut und Haar zu testen.
  • Die Kopfhaut sollte gesund, nicht zu trocken, schuppig oder gereizt von anderen Behandlungen sein.
  • Eine Woche vor der Behandlung am besten die Haare gar nicht waschen.
  • Meist liegt dem Produkt eine eigene Creme zum Schutz der Kopfhaut bei. Den Haaransatz könnt ihr zusätzlich mit Vaseline schützen.
  • Beim Auftragen haltet ihr euch unbedingt an die Anweisungen des Herstellers, da jedes Produkt etwas anders ist.
  • Tragt während des gesamten Prozesses Handschuhe und achtet genau darauf, wie lange das Produkt wirken soll.
  • Arbeitet in Abschnitten um den Hair Relaxer gleichmäßiger zu verteilen.
  • Spült den Relaxer richtig gründlich aus, bevor ihr ein neutralisierendes Shampoo verwendet.
  • Das neutralisierende Shampoo ändert seine Farbe (normalerweise von rosa zu weiß), um anzuzeigen, dass alle Chemikalien aus dem Haar ausgewaschen wurden.
  • So stellt ihr den natürlichen pH-Wert des Haares wieder her.
  • Zum Schluss hilft eine Spülung, den Feuchtigkeitsverlust auszugleichen.

Hair Relaxer: Darum löst das Thema eine Diskussion aus

Die Relax-Gegner (ja, es gibt tatsächlich auch heute noch Befürworter) stützen sich hauptsächlich auf zwei Argumentationspfeiler: Zum einen die Gesundheit der Haare und der Kopfhaut, die von einer ziemlich heftigen Chemiekeule getroffen werden. Und auf der anderen Seite die politische und gesellschaftliche Positionierung von Natural Hair gegenüber Relaxed Hair.

Im Laufe ihrer Entwicklung wurden Relaxer immer wieder wegen einer Vielzahl von gesundheitlichen Problemen kritisiert. Nun gibt es zwar verschiedene Arten von Relaxern, die unterschiedliche Chemikalien einsetzen, trotzdem ist keine Formel vollkommen unbedenklich.

In erster Linie beklagen Frauen Schäden wie Haarbruch oder Haarausfall, sowie die schmerzende, gereizte, juckende Kopfhaut. Studien konnten zudem einen Zusammenhang zwischen der regelmäßigen Verwendung von Hair Relaxern und Uterusmyome (gutartige Tumore) feststellen. Forscher vermuten ein erhöhtes Risiko für ER+-Brustkrebs in Verbindung mit chemischen Hair Relaxern.

Dermatolog:innen und Friseur:innen äußern in erster Linie schwere Bedenken wegen der Haarschäden, die vor allem Langzeitnutzer:innen davontragen. Relaxer und die darin enthaltenen Chemikalien können das Haar im Laufe der Zeit schwächen, was zu Haarbruch und Entzündungen der Kopfhaut führt – was wiederum vernarbenden Haarausfall oder dauerhaften Haarverlust zur Folge haben kann.

Ein weiterer Kritikpunkt, der direkt mit diesen medizinischen Bedenken verknüpft ist, sind die Fehlaufklärung und Fehlinformationen, die seit Jahrzehnten in der schwarzen Gemeinschaft verbreitet sind. Die Hersteller bewerben Relaxer heute zwar nicht mehr gleichermaßen stark wie in den 60er- und 70er- oder auch den 90er- und 00er-Jahren, aber die Vermarktung und die ungenügende Aufklärung zu glättenden Produkten sind immer noch bedenklich.

Fakten zu Hair-Relaxer Produkten
Das Social Media Top-Thema „Relaxed Hair“ – Die einen feiern es, die anderen sind dagegen. Wir haben die Fakten!  © tolgart

Die politische und kulturelle Dimension von Relaxed Hair

Schließlich hat die Debatte um Relaxed Hair auch gesellschaftliche, kulturelle und politische Hintergründe. Kulturell gesehen waren (und so ist es teilweise immer noch) die Relaxer-Nutzung und das Ablegen von afro-texturierten Haaren mit dem Auslöschen der eigenen Wurzeln gleichgesetzt. Die Erklärung der Kritiker: Das Leben von Schwarzen Menschen und BIPOC (Black, Indigenous, and People of Color) wurde seit jeher von anderen kontrolliert, bestimmt und unterdrückt. Die bewusste Rückkehr zu natürlichen Haaren galt als ein klares Statement der Befreiung. Niemand sollte darüber urteilen oder entscheiden, wie Menschen ihre Haare zu tragen haben.

Bereits Madam C.J. Walker wurde vor über hundert Jahren für ihre Produkte kritisiert. Die Argumente der Kritiker: Erste Hair Relaxer (genauso wie hautaufhellende Cremes) förderten weiße Schönheitsideale und verinnerlichten diese in der Black Community immer stärker. Je weiter die Hair-Relaxing-Techniken fortschritten, desto lauter erklangen die Stimmen der Gegner. Bis die Natural-Hair-Bewegung ihren Peak erreichte. Seitdem erlebt auch diese immer wieder Höhen und Tiefen und kommt in Wellen regelmäßig zurück auf die Agenda der Gleichberechtigung.

Heute stehen sich angesichts der wieder aktuell gewordenen Hair Relaxer die Vertreter beider Seiten gegenüber. Was sie gemeinsam haben: Schwarze Frauen und Männer, also Menschen mit afro-texturiertem Haar, sollen selbst bestimmen, wie sie ihr Haar tragen wollen. Konsequenterweise würde dies bedeuten, dass man auch Hair Relaxer verwenden kann, wenn man dies aus persönlichen Beweggründen tun möchte. Ganz losgelöst von politischen Diskussionen und kulturellen Hintergründen.

Nun ist klar, dass dies einfacher gesagt als getan ist. Eine Geschichte, die mit so viel Leid und Unterdrückung verbunden ist wie jene der Black Community, lässt sich nicht einfach so unter den Tisch kehren. Spricht man über afro-texturiertes Haar spricht man gleichzeitig auch über die Geschichte von Hair Relaxern, über die Natural-Hair-Bewegung und behaftete Schönheitsideale.

Während die einen Relaxer verurteilen und Natural-Hair verherrlichen, sagen die anderen, dass die Pflege von natürlichem Haar zu aufwendig sei und Zeit, Geld und Energie koste.

Relaxed Hair: Vorteile der Haarglättung

Gerade auf Social Media, auf Insta kursierenden Memes und in Videos, die durch Tiktok schwirren, betonen Nutzer:innen immer wieder: Dafür habe niemand Zeit (oder Geld).

Die Pflege von Natural Hair ist aufwendig, zeitraubend und kostspielig. Kein Wunder, dass der Zeitaufwand für die Haarpflege als häufigster Grund für die Rückkehr zum Relaxer genannt wird. Zudem beklagen viele, dass die Pflege ihres natürlichen Haars kostspieliger sei als die Verwendung von Lockenwicklern nach der Relaxer-Behandlung. Von den Pflegeprodukten, die man Zuhause nutzt, bis hin zu den professionellen Behandlungen im Salon sind natürliche Haare recht aufwendig. Im Schnitt gehen Menschen mit natürlichen Afro-Haaren alle zwei Wochen zum Stylisten. Wer Relaxed Hair trägt muss im Vergleich dazu nur alle fünf bis sechs Wochen zur Behandlung.

Relaxed Hair: Nachteile der Haarglättung

Wie bereits beschrieben, stehen Hair Relaxer wegen ihrer Langzeitwirkung auf das Haar, die Haut und den Körper teils heftig in der Kritik. Haare trocknen aus, brechen oder fallen aus, während die Kopfhaut schmerzt und sich entzündet. Dies ist vor allem bei regelmäßigem Hair Relaxing der Fall.

Viele, aber nicht alle, der Schäden sind wissenschaftlich fundiert. Vor allem was die über die Haarschädigung hinausgehende Wirkung der Chemikalien in Relaxern betrifft, steht die Forschung noch am Anfang.

So vermuten Experten einen Zusammenhang zwischen Relaxern bei starker und langfristiger Anwendung und Brustkrebs. Angesichts der Tatsache, dass schwarze Frauen überproportional häufig an einer Reihe von Krankheiten leiden, kann man Zusammenhang zwischen Relaxern und negativen gesundheitlichen Folgen wahrscheinlich nicht ausschließen. Auch wenn es bisher keinen eindeutigen Nachweis für einen Zusammenhang mit Krebs gibt.

Nun räumen mehrere Experten aber auch häufiger ein, dass „Natural Hair“ nicht gleich „gesundes Haar“ bedeute. Doch egal ob man sich nun für Relaxed Hair oder Natural Hair entscheidet – Wir empfehlen in jedem Fall, mit Stylist:innen und Dermatolog:innen über den Zustand eurer Haare und der Kopfhaut zu sprechen und diese im Zweifel analysieren zu lassen. So findet garantiert jeder einen Weg, der zu schönen aber vor allem gesunden Haaren führt.

Hair Relaxer Produkte im Test
Hair-Relaxer: Unsere Redaktion berichtet über Produkte, denen ihr euer Vertrauen schenken könnt! © Delmaine Donson

Haar Relaxer: Die besten Produkte

Hair Relaxer haben einen langen Weg hinter sich. An den Produkten wurde und wird immer noch viel geforscht, um sie möglichst Haut- und Haar-freundlich zu formulieren. Trotzdem muss euch bewusst sein, dass ganz schön viel Chemie notwendig ist, um eure Haarstruktur umzuformen.

Idealerweise könnt ihr Relaxed Hair im Salon eures Vertrauens von echten Profis stylen lassen. Davor und danach ist besonders wichtig, dass ihr eure Kopfhaut schont und die Längen mit viel Feuchtigkeit und Pflege versorgt. Haltet regelmäßig Rücksprache mit eurer Stylist:in oder Dermatolog:in, um Haarschäden und Entzündungen rechtzeitig zu erkennen. Wer seine Curls lieber zuhause selbst relaxen möchte, der kann zu einem DIY-Relaxer-Kit greifen. Wir haben die besten online verfügbaren Produkte gesammelt.

1. PhytoSpecific Phytorelaxer

2. Motions Smooth & Straighten Hair Relaxer

3. Avlon Affirm Fiberguard Sensitive Scalp Relaxer

4. ORS Olive Oil Full Application No-Lye Hair Relaxer

5. Mizani Butter Blend Relaxer Medium Normal Kit

6. Revlon Professional Regular Conditioning Creme Relaxer

7. Soft Sheen Carson Moisture Seal No Lye Regular Relaxer System

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