- Bildquelle: Katharina Konte © Katharina Konte

Eigentlich erstaunlich: Da kommen jedes Jahr weltweit rund 3000 neue Düfte in die Parfümerien und allein in Deutschland werden ein paar Hundert davon lanciert - und doch besetzen seit Jahren unverändert Duftklassiker von Chanel, Lancôme und Chloé die vorderen Ränge der weltweiten Bestenlisten. Selten können Newcomer die Nasen der Verbraucher nachhaltig begeistern, sondern „verduften“ nach kurzer Zeit schon wieder aus den Regalen. Mir fällt das immer dann besonders auf, wenn ich meine Sammlung an Duftproben mal wieder durchgehe und feststelle, dass es einen Großteil davon schon gar nicht mehr zu kaufen gibt.

Vom Duft zum Kultobjekt
Ein Grund für die anhaltende Popularität  von Trésor oder J'adore ist, dass die Parfümhäuser laufend in ihre etablierten, beliebten Duftmarken investieren. Chanel gönnte seiner No. 5 zum 100. Geburtstag im letzten Jahr Schauspielerin Marion Cotillard als neues Gesicht. Neben angesagten Testimonials hauchen auch Duftvarianten der ursprünglichen Kreation neues Leben ein. Und nicht zu vergessen: Line-Extensions! Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich feiere es total, wenn es zu meinem Lieblingsduft nicht nur die obligatorische Bodylotion gibt, sondern auch noch Körperpuder, Handcreme, Haarparfüm und Badeschaum - oder Duftkerzen.

Solche smarten Marketingmaßnahmen allein erklären aber noch nicht, wie ein Parfüm überhaupt zum Kultduft wird. Denn gelegentlich gelingt das ja auch Duftneuheiten, die sich nicht nur gegen die omnipräsenten Klassiker, sondern auch gegen die unzähligen Neuerscheinungen durchsetzen müssen. In den letzten Jahren waren das zum Beispiel Daisy von Marc Jacobs, Lady Million von Paco Rabanne und nicht zuletzt Good Girl von Carolina Herrera.

Was also macht all diese Parfüms unwiderstehlich? Ihre jeweils einzigartige Komposition an exklusiven Aromen? Klar, die Qualität des Duftes selbst spielt mit Sicherheit eine Rolle.
Ich habe allerdings noch eine andere Theorie, die nicht auf Zahlen, sondern auf (m)einem Gefühl beruht. Ikonisch ist ein Duft immer dann, wenn ihm genau das wortwörtlich gelingt: ein starkes Bild zu erzeugen. Egal ob er durch ein besonderes Aroma Emotionen und Sehnsüchte weckt oder mit cooler Inszenierung und klarer Message den Zeitgeist einfängt.

Und dann kommen noch die ganzen Erlebnisse und Begegnungen dazu, die wir persönlich mit bestimmten Parfüms verbinden und im Laufe der Jahre aus Klassikern unsere ganz eigenen Duftikonen entstehen lassen. Meine verrate ich euch natürlich  gerne. Und, welcher dieser beliebten Damendüfte hat für euch persönlich Kultpotential?

Parfüm 1:  La vie est belle von Lancôme

Pretty woman in Paris! Die Lebensfreude, die Julia Roberts in weißer Abendrobe vor dem hell erleuchteten Eiffelturm 2012 im Werbespot zu diesem Bestseller versprüht hat, fängt der Duft mit einer Komposition aus Iris, Orangenblüte, Jasmin und einer feinen Gourmand-Note perfekt ein. Bei mir weckt er die unbändige Sehnsucht nach Macarons von Ladurée, Künstlerflair im Montmartre und einem Abendspaziergang an der Seine. Hach, la vie est vraiment belle! 

La vie est belle von Lancôme
Mit einem Hauch aus Orangenblüte, Jasmin und Iris – zaubert uns das Eau de Parfum „la vie est belle“ von Lancôme ein Lächeln auf die Wangen – euch auch? © Strelciuc Dumitru | Lancôme Paris

Parfüm 2: Chloé von Chloé

Mit seinem 2008 lancierten Signature Eau de Parfum gelang Chloé das Comeback als beliebtes Duftlabel – und das mit einem Rosenduft! Die sind sonst so gar nicht meins. Aber anders als andere Rosendüfte Ende der 00er-Jahre roch Chloé nicht muffig oder süßlich, sondern war modern inszeniert mit Litschi, Maiglöckchen und Zedernholz. Durch das klare Flakon-Design wurde Chloé, wie in der Mode auch, zum Kult und ein Vorreiter des Clean Chic – und damit auch einer neuen Weiblichkeit: Feminin und selbstbewusst!

Parfüm 3: Black Opium von Yves Saint Laurent

Puh, wie prüde! Als Yves Saint Laurent im Jahr 2000 mit der nackten Sophie Dahl für seinen Klassiker Opium warb, wurden die Poster in den USA nach öffentlichen Protesten wieder abgehängt. Das sinnlich-verruchte Image kultiviert die High-End-Brand auch heute noch mit der Neuinterpretation Black Opium. Ein Duft, der mit Kaffeenuancen, Vanille und Pfeffer nicht nur verführerisch prickelt, sondern bei mir direkt Kopfkino auslöst. 

Black Opium von Yves Saint Laurent
Kaffee, Vanille und duftender Pfeffer – ein Duft von Yves Saint Laurent, der verführt! Lasst auch euch verführen von „Black Opium“. © DmitriiSimakov | Black Opium – Yves Saint Laurent

Parfüm 4: Coco Mademoiselle von Chanel

Die No. 5 liebe ich an meiner Mama – und verbinde den Duft mit vielen schönen Erinnerungen. An mir selbst mag ich ihn nicht, sondern greife lieber zu Coco Mademoiselle. Der hat zwar auch diese besondere Chanel-Aura, nur eben leichter, verspielter, dennoch elegant. Eine jugendliche, wie zeitlose Komposition aus Orange, Rose, Jasmin und Vetiver.

Coco Mademoiselle von Chanel
Ein Eau de Parfum, das zum Träumen einlädt! „Coco Mademoiselle“ von Chanel ist nahezu ein perfektes Geschenk zum Valentinstag. © Addictive Stock | Coco Mademoiselle – Chanel

Parfüm 5: Daisy von Marc Jacobs

Der amerikanische Kultdesigner hat nicht nur ein Händchen für Mode, sondern auch ein Gespür für Duft. Inbegriff der Leichtigkeit, mit der er nach der Fashion- auch die Kosmetikbranche erobert hat, ist für mich sein beliebtes Eau de Toilette Daisy.  Der duftgewordene „American Dream“ sprüht nur so vor Zuversicht und Energie – mit Grapefruit, Veilchen und Jasmin.

Parfüm 6: Alien von Mugler

Mit Angel und Alien haben wir Designer-Legende Manfred Thierry Mugler, der Ende Januar überraschend verstarb, nicht nur eine, sondern gleich zwei legendäre Duftikonen zu verdanken. So außergewöhnlich wie seine Mode, waren auch seine Parfumkreationen. Angel beamt mich immer direkt zurück in meine Abizeit Ende der 90er - gefühlt der halbe Jahrgang roch danach. Weshalb ich heute immer eher nach Alien greife. Der ist zwar auch pudrig, aber mit seinem Mix aus  Jasmin, Cashmeran und weißem Amber extravaganter und leuchtender.

Alien von Mugler
Modeschöpfer Thierry Mugler kreierte mit dem Duft „Alien“ einen Duft ‚par excellence‘. © Pacific Press Agency | Alien – Mugler

Parfüm 7: Pour Femme von Lacoste

Ein Duft, wie frisch geduscht, subtil auf der Haut – ideal, wenn ihr etwas sucht, dass zu jedem Anlass und das ganze Jahr über funktioniert. Ein Allrounder, der in der Kopfnote zunächst mit würzigen Nuancen wie Nelke und Pfeffer belebt und dann sein zart blumiges Herz auf einer Basis von Holznoten offenbart. Würde ich Sport treiben, dann hätte ich den für danach in der Trainingstasche!

Pour Femme von Lacoste
Die Duft-Kombination aus Nelke und Pfeffer von Lacoste passt zu jedem Anlass – wer von euch trägt „Pour Femme“? © Blend Images, Peathegee Inc | Pour Femme – Lacoste

Parfüm 8: Lady Million von Paco Rabanne

Ich stehe ja eigentlich auf Bling-Bling, aber ein vergoldeter Diamant mit Schnörkelschrift? Paco Rabanne hatte 2008 nach der Wirtschaftskrise allerdings schon mit der Männerversion des Duftes in Goldbarren-Form einen guten Riecher bewiesen und so setzte das Label 2010 auch bei den Frauen auf die neu erwachte Sehnsucht nach (sicherem) Gold und Luxus. Zu Recht! Der Mix aus Himbeere, Bitterorange und Patschouli erfreut sich immer noch größter Beliebtheit bei den Damendüften.

Lady Million von Paco Rabanne
„Lady Million“ von Paco Rabanne – der Luxus-Duft für selbstbewusste, charakterstarke Frauen. © South_agency | Lady Million – Paco Rabanne

Parfüm 9: Trésor von Lancôme

Der Duft der Diven! Als Erste verliehen Isabella Rossellini, dann Kate Winslet und seit 2010 bis heute Penélope Cruz der Kreation aus Pfirsich, Bergamotte, Flieder, Rose, Heliotrop, Vanille und Sandelholz Starappeal. Wahrlich ein Parfüm für den ganz großen Auftritt. Ich kann es kaum erwarten, wenn es dafür endlich mal wieder eine Gelegenheit gibt. Es müssen ja nicht gleich die Oscars sein!

Trésor von Lancôme
Sinnlich und blumig: Das Eau de Parfum „Tresor“ von Lancôme ist eine Hommage an die ewige Liebe. ©  lambada | Lancôme Paris

Parfüm 10: Miss Dior Eau de Parfum von Dior

Ich muss etwa 13 gewesen sein und testete mich mit Hingabe durch alle Parfüms, die ich in die Finger bekommen konnte. Auf der Suche nach weiteren Duftproben entdeckte ich ganz hinten im Schrank eine fast volle Flasche Miss Dior von meiner Mutter. „Nichts für mich“, sagte sie und so durfte ich ihn haben! Fortan trug ich den ikonischen Kult-Duft (Erscheinungsjahr: 1947!) zu Familienfesten, zum Klaviervorspiel oder wenn wir ins Restaurant gingen – und kam mir dabei unglaublich erwachsen vor. Inzwischen sind einige Düfte zur beliebten Miss Dior-Familie dazugekommen. Gerade im letzten Jahr Miss Dior Eau de Parfum mit Rose, Iris und Maiglöckchen. Bisher habe ich nur einmal kurz daran geschnuppert, aber ich freu mich schon so darauf wie ein Teenager auf das nächste BTS-Konzert!

Parfüm 11: Good Girl von Caroline Herrera

Dass der Stiletto-Duft so einen hohen Absatz macht? Damit hat in der Form wohl niemand gerechnet. Good Girl von Caroline Herrera landete direkt im Erscheinungsjahr 2016 in mehreren Ländern unter den meistverkauften Frauendüften. Ob es allein am genialen - Achtung, Wortwitz - Pump-Flakon lag oder doch an der gelungenen Komposition aus Zitrone, Zimt, Praline und Kakao bleibt wohl für immer ein Geheimnis. Aber zeichnet nicht gerade das wahre Kultobjekte aus?

Good Girl von Caroline Herrera
Der “Stiletto-Duft” von Caroline Herrera reihte sich bereits in 2016 unter die meistverkauften Frauendüfte – und das zu Recht! © Addictive Stock | Good Girl – Caroline Herrera

Parfüm 12:  for her Pure Musc von Narciso Rodriguez

Wusstet ihr, dass Narciso Rodriguez for her eines der Lieblingsparfüms von Salma Hayek ist?  Seit 2003 begeistert der amerikanische Modedesigner mit dem Signature Duft und diversen Varianten nicht nur die Parfüm-Fans unter den Celebrities, sondern mischt weltweit am Duftmarkt mit. Mir gefällt übrigens am besten for her Pure Musc mit seiner intensiven, aber nicht aufdringlichen Moschusnote raffiniert verfeinert von Jasmin, Orangenblüten und Kaschmir.

Parfüm 13: The Scent for her von Hugo Boss

Mal ehrlich, es erfordert schon ein gesundes Maß an Selbstbewusstsein einen Duft so zu nennen. Das gibt schonmal einen Pluspunkt. Aber löst The Scent sein Versprechen auch ein? Er duftet zwar lecker nach Pfirsich, Freesie und geröstetem Kakao, der ultimative Frauenduft ist er für mich leider nicht.

Parfüm 14: Sun von Jil Sander

Mein Happy-Duft! Nur einmal das Näschen an den Sprühkopf gehalten und ich bin wieder süße 16 – endlose Sommer am Meer, Küsse am Strand und unbeschwerte Urlaubstage mit Freunden liegen vor mir. Nach was die Sonne duftet? Johannisbeere, Rosenholz, Jasmin, Maiglöckchen, Orangenblüte – und einer Prise Lebenslust.

Meine Top 5 der beliebtesten Damendüfte zum Valentinstag 2022

Noch auf der Suche nach einem Last-Minute Geschenk zum Valentinstag? Wie wär's mit einem der Kultparfüms aus unserer Liste zu den beliebtesten Frauendüften - für eure Liebsten oder für euch selbst.

  • „La vie est belle“ von Lancôme, EdP, 30 ml
  • „Chloé“ von Chloé, EdP, 30 ml
  • „Sun“ von Jil Sander, EdT, 75 ml
  • „Coco Mademoiselle“ von Chanel, EdP, 35 ml
  • „Miss Dior Eau de Parfum” von Dior, EdP, 30 ml

Der Artikel stammt von unserer Kolumnistin Katharina von Freyburg, Online-Redakteurin im Digital-Team von Emotion, der Frauenzeitschrift rund um Persönlichkeit, Psychologie und Lifestyle.

Weitere Duftprobe-Kolumnen:

Parfüm-Trends: So verschönern uns die neuen Herbst- und Winterdüfte 2021/2022 die kalte Jahreszeit

Vegane Parfüms: Guter Duft, gutes Gewissen!

Die neuesten Artikel zum Thema Gesicht & Körper