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Selflove: Warum ist das so schwierig?

Selflove! Dieses Trendwort wird gefühlt von allen Dächern gebrüllt und ist aus Blogeinträgen und Instagram Captions nicht mehr wegzudenken, #selflove. Was früher Bauch, Beine, Po war – ist heute Körper, Geist, Seele – und zwar bitte im Einklang. In der Theorie eine ganz tolle Idee: Sich wohlfühlen in seiner Haut, mit all ihren Pickelchen, Unreinheiten und Narben. Sich so zu lieben, wie man ist. 

Wollen wir natürlich! Wer nicht? Beim Lesen dieses großen Wortes – Selbstliebe – wird dir aber etwas schwindelig und ja, du fühlst sogar ein klein wenig Wut in dir aufsteigen? Hey, we feel you! Was sich nur nach einer winzigkleinen weiteren Selbstoptimierung anhört, die alleine in deinen Händen liegt und dein Leben so! viel! besser! machen wird, ist in Wahrheit ein dickes Ding. 

Denn mit der Selbstliebe ist es wie mit allem im Leben. Wer kann, der kann. Die anderen schauen doof aus der Wäsche. Das muss aber diesmal nicht so sein! Die Sache mit der Selflove muss nämlich nicht von heute auf morgen klappen. Kann sie gar nicht. Zumindest haben wir noch nichts von einer Blitzheilung gehört.

Selflove ist ein Mindset, eine innere Haltung, die unser Selbstbild in ein liebevolles Licht hüllt, das uns erlaubt, uns mit wohlwollenden Augen zu sehen, anzunehmen und wohlzufühlen – trotz vermeintlicher Makel. Und das muss erst mal geübt werden. Denn nach Jahren, in denen uns verschiedenste Instanzen, wie beispielsweise unsere Eltern, die Gesellschaft, die Werbung und Beauty-Industrie, Social Media und letztendlich wir selbst ein Gefühl von „du bist nicht genug“ gegeben haben, braucht es seine Zeit und etwas Geduld, da wieder rauszukommen: in Richtung Liebe und Selbstakzeptanz. Und lass dir gesagt sein, der Weg lohnt sich.

Wie das funktioniert mit der richtigen inneren Haltung?

Unser Gehirn baut Strukturen auf und festigt diese – in die Richtung, in die wir denken. Lauten diese Gedanken häufig „meine Haut ist nicht perfekt“ oder „schon wieder so ein schlimmer Pickel“ bildet unser Gehirn immer mehr Synapsen in diese negative Denkrichtung und immer weniger in Richtung „ich bin schön, so wie ich bin“. Für unser Unterbewusstsein ist der Weg in die negative Richtung also mit der Zeit der einfachere. Er fühlt sich an wie eine Autobahn, der Gedanke „ich bin wunderschön“ hingegen führt über einen holprigen, kaum befahrenen Feldweg. Was denkst du, welchen Weg unser Gehirn wählt und immer weiter ausbaut?

Wir berichten über selflove und stehen für ein positives mindset!
Wir berichten über selflove und stehen für ein positives mindset! Wir berichten darüber, warum wir uns bei Hautproblemen, wie Akne, nicht mehr verstecken und all unsere Makel akzeptieren sollten. © GettyImages / SeventyFour

Schönheitsideale und woher sie kommen

Auf Instagram, in Magazinen und der Werbung sehen wir sie jeden Tag: Perfekte Menschen mit perfekten Körpern, perfekten Haaren und perfekter Haut. Wahnsinnig glücklich strahlen sie mit ihrer #betterhalf oder ihrem #bestie um die Wette. Wir betreiben Gehirnwäsche an uns selbst, indem wir mehrmals täglich (durchschnittliche Nutzungsdauer von 28 Minuten sagt Instagrams eigene Studie aus 2020) nebenbei durch den Feed scrollen. Dieser unbewusste Konsum an Bildern dringt dabei tief in unser Unterbewusstsein und kann dort großen Schaden anrichten. Die makellose Perfektion wird für uns zum neuen Standard und gilt somit als „normal“. Und unser Spiegelbild? Ist irgendwie nicht so perfekt, strahlend, glatt, wie die Gesichter in unserer Social Media App.

Dass eine Retusche-App die Pickelchen der Influencer weggezaubert und ein Filter dem Teint den letzten Schliff verpasst, haben wir in diesem Moment nicht auf dem Schirm. Alles, was wir im Spiegel sehen, ist – nicht perfekt und deshalb wird erst mal mit Make-up korrigiert und verbessert was geht. Dieses Phänomen ist aber keinesfalls erst durch Social Media entstanden, auch wenn es sich in der digitalen Ära hoch multipliziert hat.

Schönheitsideale sind vermutlich so alt wie die Menschheit selbst. Die alten Ägypter glorifizierten schlanke Körper und volles, dunkles Haar – ganz im Gegensatz zu den Römern, bei denen ein rundes Bäuchlein als sexy, weil reich galt. Vor ca. 500 Jahren noch zählten in China Mini-Füße zu den Must Haves. Und die sollten maximal 12(!) cm lang sein. Um dieses Ideal zu erreichen, wurden den Frauen sogar die Zehen gebrochen und nach hinten gebunden. Später waren mit Marilyn Monroe sehr kurvige Körper en vouge, nur um wenig später vom Heroin Chic abgelöst zu werden, bei dem der Körper so krankhaft abgemagert sein sollte, wie der eines Heroin Junkies.

Du siehst schon, worauf das hinausläuft. Verrückte Ideale, die kaum zu erreichen sind, gab es schon immer. Was neu ist, ist der kollektive Mut, Nein Danke zu diesem Unsinn zu sagen. Und der macht sich heute sogar auf Social Media breit. Denn Hashtags wie #selflove #realme #instagramvsreality sind total im Trend. Was es damit auf sich hat?

Immer mehr junge Menschen wollen ihr wahres Ich zeigen und auch andere dazu ermutigen. Perfekter Einheitsbrei scheint nach 11 Jahren Foto-Like-App langweilig geworden zu sein. We like! Nach Bewegungen wie LGBTQ stehen Individualität und Humanismus endlich wieder im Fokus.

Auch #metoo hat einen erheblichen Beitrag geleistet. Nachdem sich zahlreiche prominente Frauen zur Wehr setzten und sich nicht nur Harvey Weinstein, sondern dem kompletten Patriarchat Hollywoods mit all seinen strukturellen, frauenfeindlichen Schattenseiten mutig entgegenstellten, geschah etwas Großes: Menschen auf der ganzen Welt schlossen sich dieser Bewegung an und forderten die Gesellschaft auf, Frauen im 21. Jahrhundert endlich wie Menschen zu behandeln. Und anstatt ihrer Körper, ihren Intellekt, ihre Kreativität, ihr Wesen zu respektieren und anzuerkennen.

Zeig was du hast!

Wir wollen nicht als Hüllen wahrgenommen werden, wir schulden es niemandem schön zu sein (Buchtipp: Woman don’t owe you pretty von Florence Given) und wir sind kein verdammtes Statussymbol – wir sind Menschen, aus Fleisch und Blut. 

Influencerinnen wie lounorthcote, rocioceja_oder drsambunting erfrischen mit ihren ehrlichen Darstellungen die spiegelglatten, perfekten Inhalte, mit denen wir tagtäglich konfrontiert werden. Hashtags wie #acne #skinproblems #realskin #skinjourney #skinblogger zeigen unbearbeitet Bilder echter Haut. Die Message ist eindeutig: Du musst deine Selfies nicht stundenlang bearbeiten um sie auf Social Media zeigen zu dürfen. Und genau so wenig musst du deine Unreinheiten überschminken wenn es zum Bäcker um die Ecke oder zum nächsten Date geht.

Aber warum solltest du dich ungeschminkt zeigen, wenn ein kaschierendes Make-up deine Haut perfekt macht? Zuerst einmal wollen wir fragen, wer sich denn ausgedacht hat, dass nur perfekte Menschen schön sind? Die Werbebranche hat natürlich ein großes Interesse daran, uns das Märchen der perfekten Haut zu verkaufen. Die Wirksamkeit der Produkte soll dargestellt werden und uns zum Kauf anregen. Soweit so logisch. Auf Social Media und in Magazinen werden perfekte Gesichter gezeigt, die uns den Traum, genauso schön, glücklich und erfolgreich sein zu können, näher bringen sollen. Hol dir dies, kauf das, mach jenes – und schwupp die wupp, bist du gesegnet – mit der perfekten Haut und dem perfekten Life.

Trotzdem fühlst du dich mit Full Coverage Make-up am wohlsten? Hey, dann go for it: womit auch immer du dich gut fühlst. Allerdings könnte es sich lohnen, sich einer ganz persönlichen Challenge zu stellen: Probier’s doch mal oben ohne. Babysteps sind hier absolut in Ordnung: Erst mal ungeschminkt zu Hause chillen, dann ein kleiner Spaziergang und wer weiß, vielleicht hast du nächste Woche schon Lust, es bei einem Kaffee mit Freunden auszuprobieren. Vielleicht fühlt es sich besser an als gedacht. Vielleicht fühlst du dich sogar richtig gut. Vielleicht spürst du einen Hauch von Freiheit. Give it a try! Machs in deinem Tempo aber bleib dran: denn so ein Shift in der Selbstwahrnehmung braucht einige Zeit, um sich manifestieren zu können. Auch wenn du dich anfangs noch etwas unsicher und nackt fühlst, mit etwas Übung wirst du bald auf Foundation und Co. verzichten können, wann immer dir danach ist. Denn das hier soll kein Rant gegen Make-up werden, du sollst dich nur frei fühlen, selbst zu entscheiden, wie du dich zeigen magst.

Zeig was du hast! Eine ehrliche Darstellung deiner selbst ist absolut zeitgem...
Zeig was du hast! Eine ehrliche Darstellung deiner selbst ist absolut zeitgemäß und wichtig. Diesen „Trend“ haben auch schon Influencer:innen für sich entdeckt und zeigen sich immer häufiger ungeschminkt und ohne Make-up.  © GettyImages / supersize

Deine Haut ist perfekt so wie sie ist

In Wahrheit sind wir doch alle ständig auf der Suche nach Anerkennung. Und die gibt’s in unserer Gesellschaft nun mal schnell und unverbindlich über Leistung und Schönheit. Das irre daran ist, die beiden Dinge hängen in unseren Köpfen sogar oft zusammen. Wir denken, wenn ich mich nur genug anstrenge, dann bekomme ich den sportlichen Body, die mega Mähne – oder eben die makellose Haut. Hör nicht auf diese innere Stimme, denn sie erzählt nur Quatsch!

Akne ist die häufigste Hautkrankheit – weltweit. Bis zu 90 Prozent sind irgendwann in ihrem Leben (häufig Pubertät) betroffen. Die Ursachen sind vielseitig: genetische Veranlagung, hormonelle Veränderungen oder äußere Einflüsse. Aber auch die Psyche kann eine Rolle spielen.

Kennst du den Spruch, die Haut ist der Spiegel der Seele? Dass Haut und Psyche zusammenhängen wurde mittlerweile in zahlreichen Studien und Fachmagazinen bestätigt. Daher kann ein erster Schritt in Richtung bessere Haut tatsächlich Akzeptanz und Entspannung lauten. Klar, Akne hat zahlreiche medizinische Ursachen und wir haben nur teilweise Einfluss auf die Entwicklung dieser Hautkrankheit – unser Mindset kann aber definitiv etwas dazu beitragen. Vor allem, wie wir uns selbst, also auch unser Äußeres wahrnehmen.

Schon klar, es ist absolut ungerecht, dass einige Menschen mit der scheinbar perfekten Haut geboren sind, wir uns aber mit Pickeln, Unreinheiten und Narben rumschlagen müssen. Du musst deine Akne nicht lieben, aber du sollst wissen, dass sie absolut normal ist. Wir sehen alle die (vermeintlich) perfekten Gesichter und gehen davon aus, wir sind die Ausnahme, die unter schlechter Haut leidet. Das stimmt nicht. Nimm den Druck raus. Blende aus, was anderen denken oder sagen könnten. Und beobachte was passiert.

Motto-Tipp: Ich bin wertvoll so wie ich bin. 

Klingt etwas kitschig, aber es hilft tatsächlich, einen positiven Leitsatz immer wieder laut zu sich selbst zu sagen. Auf diesem Weg schafft es unser Gehirn neue Synapsen Richtung Selbstliebe und Akzeptanz zu knüpfen. Wir glauben nämlich tatsächlich was wir denken.

Akne? Na und! Wir berichten über Hautprobleme und warum diese unser Wohlbefin...
Akne? Na und! Wir berichten über Hautprobleme und warum diese unser Wohlbefinden beeinflussen – Schluss damit: Es ist Zeit für selflove!  © GettyImages / PeopleImages

Was passiert, wenn wir unsere Makel akzeptieren

Ok, du bist ready und willst es mit der Selflove probieren? Wundervoll! Denn nicht nur deine Haut wird es dir danken. 

Noch ein flacher Spruch, ok? Das Glas ist entweder halb leer oder halb voll, das liegt ganz im Auge des Betrachters. Deine Haut ist nicht perfekt. Ok. Das ist erst mal eine Tatsache. Beginnst du aber, dich selbst so anzunehmen und positiv über deine Haut zu sprechen – das geht laut oder leise – wird sich dein Gefühl verändern. Denn positive Aussagen sind wie Balsam für unsere Seele. Warum sollten wir uns fertigmachen für etwas, auf das wir kaum Einfluss haben, wie unser Aussehen.

Die positiven Effekte der Selbstliebe:

Selbstvertrauen: Umso mehr wir mit uns selbst im Reinen sind, umso weniger interessiert uns die Meinung der anderen. Wir befreien uns von dem Zwang, nach Außen etwas darstellen zu müssen, damit wir gemocht werden. Wer unser wahres Ich nicht liebt, der darf gerne gehen. Bye Bye.

Ausstrahlung: Schlechte Haut ist schlechte Haut und bleibt schlechte Haut ... nicht ganz. Ist dir schon mal aufgefallen, was die Ausstrahlung deines Gegenübers bei dir auslöst. Ein Mensch kann Selbstsicherheit ausstrahlen und dadurch attraktiv wirken. Einige Minuten später wissen wir oft gar nicht mehr, welche Augenfarbe derjenige hatte. Eine positive Ausstrahlung ist so sexy wie kaum ein körperliches Attribut.

Ganzheitlichkeit: Lernen wir mit äußeren Makeln umzugehen, diese anzunehmen und als Teil von uns zu sehen, stellt sich ein positives Gefühl ein, das viele bis dahin noch gar nicht kannten. Das Erlernte lässt sich super auf andere Bereiche übertragen. Wir wissen, niemand ist perfekt und wir dürfen uns schön fühlen, so wie wir sind. Hürden, Ängste und Sorgen lassen sich in Zukunft leichter überwinden. Denn: fuck perfect – be you. Es fällt uns leichter, eigene Ziele selbstsicher zu verfolgen und zu tun, was wir für richtig halten.

Freiheit: Haben wir uns einmal von dem Gedanken befreit, einer Schönheitsnorm entsprechen zu müssen, lebt es sich viel unkomplizierter. 

Außerdem: Je mehr wir uns selbst lieben, desto weniger brauchen wir diese Liebe von anderen.

Selbstvertrauen und Ausstrahlung prägen uns vor allem in unseren Jugendjahren...
Selbstvertrauen und Ausstrahlung prägen uns vor allem in unseren Jugendjahren – was Akne damit zu tun hat und warum du dich bei Hautproblemen nicht mehr schämen und verstecken solltest, verraten wir dir im Beauty-Artikel.  © GettyImages / kyonntra

Selflove: Tipps & Tricks 

Sich selbst so anzunehmen, wie man ist, Selbstliebe praktizieren und sich nicht verstecken zu müssen, darum geht es. Und wie wir ein positives Mindset langfristig verankern und Selbstliebe nachhaltig praktizieren, haben wir hier für dich zusammengefasst:

Sei nett zu dir selbst: Denn dein Unterbewusstsein hört immer zu. Sprich zu dir selber wie zu deinen Mitmenschen, die du liebst. Du selbst kommst immer an erster Stelle, also sei nett. Ein „Hey, guten Morgen liebe Haut. Ich lass dich heute frei atmen.“, könnte ein entspannter Start in den Tag sein.

Gedanken werden Realität: Dasselbe gilt für deine Gedanken. Wer sich jeden Tag im Spiegel anschaut und dabei positive Affirmationen, das sind kleine Sprüche, die uns positiv beeinflussen können, denkt, gibt seinem Gehirn liebevolles Futter für zukünftige Gedanken.

Negative Glaubenssätze wie „ich bin nicht schön“ oder „ich habe keine schöne Haut“ können umprogrammiert werden, in „ich mag meine Haut so wie sie ist“ oder „ich liebe mich, wie ich bin“.

Verzeih dir selbst: Du ärgerst dich, dass du bisher viel Negatives gedacht und zu dir selbst gesagt hast? Und selbst nach einiger Zeit gibt es noch Tage, an denen findest du dich selbst nur schrecklich? Das ist absolut normal und geht jedem Mal so. Achte auf deine Gedanken. Das Schöne ist ja, dass du es jetzt siehst und immer wieder korrigieren kannst. Bis die Zweifel immer leiser werden.

Praktiziere Mitgefühl: Selbstliebe heißt eine liebevolle Beziehung mit sich selbst zu führen. Wie jede Beziehung hat auch diese ihre Ups and Downs. In schwierigen Zeiten, wenn wir uns mal weniger verbunden fühlen, hilft es daher, Akzeptanz und Mitgefühl zu praktizieren. Better times are coming. Gib die Schuld doch dem Mond oder den Hormonen und gönn dir was Nices. Wir wissen doch alle, dass morgen die Welt schon wieder ganz anders aussehen kann.

Vertraue dem Prozess: Selbstliebe zu erlernen klappt nicht von heute auf morgen. Gib dir Zeit und vermeide es Druck aufzubauen. Du bist auf dem absolut richtigen Weg.

Akne: Hautproblem, aber auch psychische Belastung für viele von uns. Wir sage...
Akne: Hautproblem, aber auch psychische Belastung für viele von uns. Wir sagen: Schluss damit! Und zeigen, warum du dich bei Hautproblemen – wie Akne – nicht mehr verstecken solltest.  © GettyImages / Constantinis

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