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Tschernobyl: Chronologie der größten Reaktor-Katastrophe aller Zeiten

  • Veröffentlicht: 26.04.2023
  • 17:26 Uhr
  • Alena Brandt

Am 26. April 1986 passierte im Atomkraftwerk Tschernobyl der Super-GAU: Eine radioaktive Wolke zog bis nach Deutschland. Die Menschen erfuhren erst Tage später von der Gefahr. Warum? Unser Zeitstrahl zeigt die Chronik der Katastrophe.

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Das Wichtigste zum Thema Tschernobyl

  • Am 26. April 1986 um 01:23 Uhr explodiert im ukrainischen Kernkraftwerk Tschernobyl der Reaktor-Block 4.

  • Der größte anzunehmende Unfall (GAU) passiert: Radioaktives Material dringt in die Atmosphäre und verteilt sich mit Nuklearwolken über Europa.

  • Langes Schweigen nach dem Unfall! Die Verantwortlichen informieren und evakuieren die Menschen erst nach über 36 Stunden.

  • Offiziell gab es nur 37 Todesopfer. Ein Bericht der Altner-Combecher-Stiftung für Ökologie und Frieden geht von etwa 60.000 direkten und indirekten Opfern aus. Schätzungen aus Russland liegen sogar bei 1 Million.

  • 35 Jahre nach dem Super-GAU sind die Folgen der radioaktiven Verseuchung noch messbar - auch in Deutschland. Gebietsweise findet sich radioaktives Cäsium in Pflanzen, Böden und Tieren.

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Tschernobyl: So verlief die Nuklear-Katastrophe

Tschernobyl: Chronologie der größten Reaktor-Katastrophe aller Zeiten

Das Kernkraftwerk Tschernobyl zur Zeit der Sowjetunion liegt in einem sumpfigen Waldgebiet. Die Stadt Prypjat grenzt an.
Das Kernkraftwerk Tschernobyl zur Zeit der Sowjetunion liegt in einem sumpfigen Waldgebiet. Die Stadt Prypjat grenzt an. © picture alliance/TASS/Tass
25. April 1986: Für einen Sicherheitstest simulieren Techniker im Reaktor 4 einen Stromausfall. Dafür stellen sie die Notkühlung ab.
25. April 1986: Für einen Sicherheitstest simulieren Techniker im Reaktor 4 einen Stromausfall. Dafür stellen sie die Notkühlung ab. © Getty Images
26. April1986: Es kommt zur Kernschmelze und Explosionen im 4. Reaktor. Radioaktives Material dringt in die Atmosphäre.
26. April1986: Es kommt zur Kernschmelze und Explosionen im 4. Reaktor. Radioaktives Material dringt in die Atmosphäre.© picture alliance/akg-images
28. April 1986: Es gibt erst eine kurze Meldung der amtlichen sowjetischen Nachrichtenagentur TASS über den Unfall. Allerdings erst, nachdem Messstationen in Finnland und Schweden ungewöhnlich hohe Radioaktivität gemeldet haben.
28. April 1986: Es gibt erst eine kurze Meldung der amtlichen sowjetischen Nachrichtenagentur TASS über den Unfall. Allerdings erst, nachdem Messstationen in Finnland und Schweden ungewöhnlich hohe Radioaktivität gemeldet haben.© picture alliance/AP/PF/Leif Rosas
28. April 1986: In der "Tagesschau" verliest Werner Veigel das erste Mal die Meldung über einen Unfall im Atomkraftwerk in der Ukraine.
28. April 1986: In der "Tagesschau" verliest Werner Veigel das erste Mal die Meldung über einen Unfall im Atomkraftwerk in der Ukraine.© Imago Images / teutopress
29. April 1986: Die westdeutschen Medien berichten ausführlich vom GAU. Bundesinnenminister Friedrich Zimmermann erklärt, dass keine Gefahr für die deutsche Bevölkerung bestünde.
29. April 1986: Die westdeutschen Medien berichten ausführlich vom GAU. Bundesinnenminister Friedrich Zimmermann erklärt, dass keine Gefahr für die deutsche Bevölkerung bestünde.© picture-alliance / dpa | Kersten
29. April 1986: In der DDR erscheint eine kurze Meldung in der Zeitung "Neues Deutschland" über eine Havarie im Kraftwerk Tschernobyl.
29. April 1986: In der DDR erscheint eine kurze Meldung in der Zeitung "Neues Deutschland" über eine Havarie im Kraftwerk Tschernobyl.© Imago Images/ teutopress
30. April 1986: Die radioaktive Wolke erreicht Deutschland. Erhöhte Werte in Süddeutschland und Berlin. Das Innenministerium schließt eine Gesundheitsgefährdung aus. 
In Süddeutschland beginnen erste Unwetter mit Starkregen. Radioaktive Staubpartikel aus der Atmosphäre verseuchen den Boden.
30. April 1986: Die radioaktive Wolke erreicht Deutschland. Erhöhte Werte in Süddeutschland und Berlin. Das Innenministerium schließt eine Gesundheitsgefährdung aus. In Süddeutschland beginnen erste Unwetter mit Starkregen. Radioaktive Staubpartikel aus der Atmosphäre verseuchen den Boden.© picture alliance/Associated Press/Frank Rumpenhorst
2. Mai 1986: In Süddeutschland steigt die Radioaktivität durch den Regen der vergangenen 2 Tage.
2. Mai 1986: In Süddeutschland steigt die Radioaktivität durch den Regen der vergangenen 2 Tage. © picture alliance/dpa-infografik
Fürs Rhein-Main-Gebiet zeigen Messdaten eine achtfache Strahlenbelastung. In der "Aktuellen Kamera" werden Messwerte für Radioaktivität in der Luft verlesen. Dazu der Hinweis: "Stabilisierung der Werte auf niedrigem Niveau."
Fürs Rhein-Main-Gebiet zeigen Messdaten eine achtfache Strahlenbelastung. In der "Aktuellen Kamera" werden Messwerte für Radioaktivität in der Luft verlesen. Dazu der Hinweis: "Stabilisierung der Werte auf niedrigem Niveau."© picture alliance/Thomas Wattenberg
Warnung in den westdeutschen Medien vor belasteten Lebensmitteln: Gemüse soll gewaschen werden, Frischmilch darf nur unter bestimmten Grenzwerten angeboten werden, Kühe sollen nicht auf die Weide. Es gibt keine Empfehlung zur Einnahme von Jodtabletten.
Warnung in den westdeutschen Medien vor belasteten Lebensmitteln: Gemüse soll gewaschen werden, Frischmilch darf nur unter bestimmten Grenzwerten angeboten werden, Kühe sollen nicht auf die Weide. Es gibt keine Empfehlung zur Einnahme von Jodtabletten.© picture alliance/dpa/Norbert Försterling
An der innerdeutschen Grenze untersuchen Bundesbeamte Fahrzeuge aus Osteuropa auf Radioaktivität und schicken diese zur Dekontamination zurück.
An der innerdeutschen Grenze untersuchen Bundesbeamte Fahrzeuge aus Osteuropa auf Radioaktivität und schicken diese zur Dekontamination zurück.© picture alliance/Wolfgang Weihs
Mai 1986: Proteste gegen Atomkraftwerke weltweit in der Frankfurter Innenstadt mit über 1.000 Teilnehmern.
Mai 1986: Proteste gegen Atomkraftwerke weltweit in der Frankfurter Innenstadt mit über 1.000 Teilnehmern.© picture alliance/dpa/Roland Witschel
Grenzwerte für Blattgemüse werden festgelegt. In Baden-Württemberg gibt es ein Verkaufsverbot für Blattgemüse. Landwirte müssen Gemüse vernichten.
Grenzwerte für Blattgemüse werden festgelegt. In Baden-Württemberg gibt es ein Verkaufsverbot für Blattgemüse. Landwirte müssen Gemüse vernichten.© picture alliance/dpa/Vetter
Erhöhte Strahlungs-Werte in stehenden Gewässern und Böden werden ermittelt. Behörden schließen Freibäder und sperren Spielplätze.
Erhöhte Strahlungs-Werte in stehenden Gewässern und Böden werden ermittelt. Behörden schließen Freibäder und sperren Spielplätze.© picture alliance/Associated press/Frank Rumpenhorst
6. Mai 1986: In Kiew beginnt die 39. Internationale Friedensfahrt. Alle Fahrer aus Westeuropa (außer Frankreich) haben die Teilnahme an dem Etappen-Radrennen abgesagt. Der ostdeutsche Rennfahrer Olaf Ludwig gewinnt.
6. Mai 1986: In Kiew beginnt die 39. Internationale Friedensfahrt. Alle Fahrer aus Westeuropa (außer Frankreich) haben die Teilnahme an dem Etappen-Radrennen abgesagt. Der ostdeutsche Rennfahrer Olaf Ludwig gewinnt.© picture alliance/dpa/ADN Zentralbild
Januar 1987: In Berlin werden im Januar am Institut für Humangenetik 12 Fälle von Trisomie 21 (Down-Syndrom) registriert, normalerweise sind es 2 bis 3 Fälle. Ursache ist vermutlich die hohe Strahlenbelastung der Schwangeren neun Monate zuvor.
Januar 1987: In Berlin werden im Januar am Institut für Humangenetik 12 Fälle von Trisomie 21 (Down-Syndrom) registriert, normalerweise sind es 2 bis 3 Fälle. Ursache ist vermutlich die hohe Strahlenbelastung der Schwangeren neun Monate zuvor.© Getty Images
28.02.1987: Bundesumweltminister Wallmann kauft 5.000 Tonnen verstrahltes Molkepulver, das in zwei Güterzügen lagert. Es gibt Überlegungen, es nach Ägypten zu exportieren. Gegen den 2,7 Kilometer langen Molkezug protestierten zahlreiche Menschen.
28.02.1987: Bundesumweltminister Wallmann kauft 5.000 Tonnen verstrahltes Molkepulver, das in zwei Güterzügen lagert. Es gibt Überlegungen, es nach Ägypten zu exportieren. Gegen den 2,7 Kilometer langen Molkezug protestierten zahlreiche Menschen.© picture alliance/dpa/Frank Mächler
Am Ende wird das Pulver in einem extra gebauten Dekontaminierungszentrum in Lingen entgiftet. Die Aktion kostet 40 – 50 Mio DM. Das Verfahren entwickelte der Veterinärmediziner Werner Giese.
Am Ende wird das Pulver in einem extra gebauten Dekontaminierungszentrum in Lingen entgiftet. Die Aktion kostet 40 – 50 Mio DM. Das Verfahren entwickelte der Veterinärmediziner Werner Giese.© picture alliance/dpa/Ingo Wagner
Noch immer ist der Waldboden im Alpenraum radioaktiv belastet. Besonders Pilze wie Maronenröhrlinge reichern radioaktives Cäsium an.
Noch immer ist der Waldboden im Alpenraum radioaktiv belastet. Besonders Pilze wie Maronenröhrlinge reichern radioaktives Cäsium an.© picture alliance/dpa/Armin Weigel
Auch Wildschweine sind zum Teil noch mit radioaktivem Cäsium belastet.
Auch Wildschweine sind zum Teil noch mit radioaktivem Cäsium belastet.© Getty Images
Das Kernkraftwerk Tschernobyl zur Zeit der Sowjetunion liegt in einem sumpfigen Waldgebiet. Die Stadt Prypjat grenzt an.
25. April 1986: Für einen Sicherheitstest simulieren Techniker im Reaktor 4 einen Stromausfall. Dafür stellen sie die Notkühlung ab.
26. April1986: Es kommt zur Kernschmelze und Explosionen im 4. Reaktor. Radioaktives Material dringt in die Atmosphäre.
28. April 1986: Es gibt erst eine kurze Meldung der amtlichen sowjetischen Nachrichtenagentur TASS über den Unfall. Allerdings erst, nachdem Messstationen in Finnland und Schweden ungewöhnlich hohe Radioaktivität gemeldet haben.
28. April 1986: In der "Tagesschau" verliest Werner Veigel das erste Mal die Meldung über einen Unfall im Atomkraftwerk in der Ukraine.
29. April 1986: Die westdeutschen Medien berichten ausführlich vom GAU. Bundesinnenminister Friedrich Zimmermann erklärt, dass keine Gefahr für die deutsche Bevölkerung bestünde.
29. April 1986: In der DDR erscheint eine kurze Meldung in der Zeitung "Neues Deutschland" über eine Havarie im Kraftwerk Tschernobyl.
30. April 1986: Die radioaktive Wolke erreicht Deutschland. Erhöhte Werte in Süddeutschland und Berlin. Das Innenministerium schließt eine Gesundheitsgefährdung aus. 
In Süddeutschland beginnen erste Unwetter mit Starkregen. Radioaktive Staubpartikel aus der Atmosphäre verseuchen den Boden.
2. Mai 1986: In Süddeutschland steigt die Radioaktivität durch den Regen der vergangenen 2 Tage.
Fürs Rhein-Main-Gebiet zeigen Messdaten eine achtfache Strahlenbelastung. In der "Aktuellen Kamera" werden Messwerte für Radioaktivität in der Luft verlesen. Dazu der Hinweis: "Stabilisierung der Werte auf niedrigem Niveau."
Warnung in den westdeutschen Medien vor belasteten Lebensmitteln: Gemüse soll gewaschen werden, Frischmilch darf nur unter bestimmten Grenzwerten angeboten werden, Kühe sollen nicht auf die Weide. Es gibt keine Empfehlung zur Einnahme von Jodtabletten.
An der innerdeutschen Grenze untersuchen Bundesbeamte Fahrzeuge aus Osteuropa auf Radioaktivität und schicken diese zur Dekontamination zurück.
Mai 1986: Proteste gegen Atomkraftwerke weltweit in der Frankfurter Innenstadt mit über 1.000 Teilnehmern.
Grenzwerte für Blattgemüse werden festgelegt. In Baden-Württemberg gibt es ein Verkaufsverbot für Blattgemüse. Landwirte müssen Gemüse vernichten.
Erhöhte Strahlungs-Werte in stehenden Gewässern und Böden werden ermittelt. Behörden schließen Freibäder und sperren Spielplätze.
6. Mai 1986: In Kiew beginnt die 39. Internationale Friedensfahrt. Alle Fahrer aus Westeuropa (außer Frankreich) haben die Teilnahme an dem Etappen-Radrennen abgesagt. Der ostdeutsche Rennfahrer Olaf Ludwig gewinnt.
Januar 1987: In Berlin werden im Januar am Institut für Humangenetik 12 Fälle von Trisomie 21 (Down-Syndrom) registriert, normalerweise sind es 2 bis 3 Fälle. Ursache ist vermutlich die hohe Strahlenbelastung der Schwangeren neun Monate zuvor.
28.02.1987: Bundesumweltminister Wallmann kauft 5.000 Tonnen verstrahltes Molkepulver, das in zwei Güterzügen lagert. Es gibt Überlegungen, es nach Ägypten zu exportieren. Gegen den 2,7 Kilometer langen Molkezug protestierten zahlreiche Menschen.
Am Ende wird das Pulver in einem extra gebauten Dekontaminierungszentrum in Lingen entgiftet. Die Aktion kostet 40 – 50 Mio DM. Das Verfahren entwickelte der Veterinärmediziner Werner Giese.
Noch immer ist der Waldboden im Alpenraum radioaktiv belastet. Besonders Pilze wie Maronenröhrlinge reichern radioaktives Cäsium an.
Auch Wildschweine sind zum Teil noch mit radioaktivem Cäsium belastet.

Tschernobyl-Katastrophe: Was geschah damals?

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💥 Tschernobyl: Die Explosion

Wann: 26. April 1986 um 01:23 Uhr
Was: Explosion im Reaktorblock 4 des ukrainischen Kernkraftwerks Tschernobyl
Wo: nahe der Stadt Prypjat

Die Explosion im Reaktorblock 4 des Kernkraftwerks wurde auf der internationalen Bewertungsskala INES in Stufe 7, der höchsten Kategorie, als katastrophaler Unfall eingeordnet. INES steht für "International Nuclear and Radiological Event Scale" und ist eine Festlegung für sicherheitsrelevante Ereignisse. Der Unfall von Tschernobyl war auf der ganzen Welt das erste Ereignis dieser Stufe.

Im September 1982 kam es im Kernkraftwerk Tschernobyl im Block 1 bereits zu einem Unfall gleicher Ursache. Das Unglück wurde als ernster Unfall der Kategorie INES 5 eingeordnet.

Die Katastrophe an Block 4 ereignete sich in Folge eines außer Kontrolle geratenen Sicherheitstests, bei dem durch einen simulierten Stromausfall nachgewiesen werden sollte, dass das Kraftwerk auch ohne Strom von außen die Notkühlung des Reaktors sicherstellen kann.

Das Experiment lief von Beginn an nicht rund: Es musste zwischendurch unterbrochen werden, Systeme wurden fehlerhaft betrieben, Techniker handelten entgegen der Sicherheitsvorschriften. Eine schlagartige und unkontrollierte Steigerung der Reaktorleistung führte zur Explosion des Reaktors.

Erst zwei Tage nach dem Unfall melden Medien eine Havarie im Kernkraftwerk. Von Gefahren für die Gesundheit ist noch nicht die Rede. Die Ursachen und der Zeitpunkt der Kernkraft-Katastrophe sind noch unklar, berichtet die Tagesschau am 28. April 1986.

👨‍🚒 Tschernobyl: Liquidator

Nach der Katastrophe wurden zahlreiche Helfer:innen nach Tschernobyl geschickt, um die Folgen einzudämmen. Sie wurden als Liquidatoren bezeichnet, die die Radioaktivität liquidieren, also beseitigen sollten. Geschätzt waren 600.000 bis 800.000 Liquidatoren im Einsatz, die teilweise monatelang und ohne ausreichende Schutzkleidung in Tschernobyl ihren Dienst geleistet haben.
Die meisten Liquidatoren waren Wehrdienstleistende, aber auch Hubschrauberpilot:innen, Feuerwehr- und Bergleute, Polizeikräfte und Personen des ärztlichen Dienstes.

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🏗 Tschernobyl: Sarkophag

Um die kontinuierliche Strahlung des Reaktors auf Dauer einzudämmen, wurde ein Betongehäuse um den Reaktorblock gebaut. Der Sarkophag konserviert die Situation nach der Explosion in heißer Form. Mehr als 100.000 Menschen haben im Sommer 1986 das Gehäuse aufgebaut, aufgrund der hohen Strahlenbelastung durften sie oft nur wenige Minuten arbeiten.

Der notdürftige Sarkophag wurde mittlerweile durch eine neue Schutzhülle ersetzt. Diese wurde zwischen 2010 und 2016 neben dem havarierten Reaktor aufgebaut und anschließend auf Schienen über den alten Sarkophag geschoben. Im Sommer 2019 wurde die neue Schutzhülle offiziell in Betrieb genommen, sie soll mindestens 100 Jahre halten.

✝ Tschernobyl: Die Opfer und Toten

41 Personen starben im unmittelbaren Zusammenhang mit der Katastrophe von Tschernobyl, an der Explosion, einem Hubschrauberabsturz, durch medizinische Komplikationen oder akuter Strahlenkrankheit. Unter ihnen befand sich:

  • 🎥 ein Kameramann
  • 👨‍⚕️ ein Arzt
  • 👨‍🚒 sieben Feuerwehrleute
  • 👩‍💼 zwei Aufsichtsorgane
  • 👨‍🏭 30 Angehörige des Kraftwerkspersonals

Die Anzahl der tatsächlich geschädigten und verstorbenen Personen liegt deutlich höher. Alleine von den etwa 830.000 Liquidatoren sind schätzungsweise 112.000 bis 125.000 Menschen an der Folgen ihrer Arbeit gestorben. Die Zahl der Tot- und Fehlgeburten sowie der Schilddrüsenkrebs- und anderen Krebserkrankungen ist stark angestiegen.

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☢️ Ursachen für die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl

Der Unfall in Block 4 des Kernkraftwerks Tschernobyl im April 1986 war der bis dahin größte Unfall in der Geschichte der Kernenergie. Gravierende Mängel in der Bauweise des sowjetischen Reaktortyps, eklatante Sicherheitsmängel und grob fahrlässige Fehler der Bedienungsmannschaft ließen den Reaktor währen eines Tests außer Kontrolle geraten und explodieren.

Die Tschernobyl-Katastrophe und ihre Folgen

Am 26. April 1986 explodierte im Atomkraftwerk Tschernobyl der Reaktor-Block 4. Radioaktive Teilchen wurden Tausende Meter hoch in die Atmosphäre geschleudert. Luftströme tragen gesundheitsgefährdende Stoffe über ganz Europa. Was waren die Folgen?

Tschernobyl: Elefantenfuß

🐘 Arbeitende, die den Reaktor nach der Explosion säubern mussten, machten eine skurrile Entdeckung: Sie stießen auf einen riesigen Elefantenfuß! So beschreiben sie zumindest die gigantische Skulptur, die sich aus radioaktivem Brennstoff, geschmolzenen Reaktorteilen, chemischen Reaktionsprodukten, Sand und Beton gebildet hat.

☢ Die lavaartige Mischung wird als Corium bezeichnet - ein Kunstwort aus Core, dem englischen Wort für (Reaktor)Kern, und der Endung -ium, auf die typischerweise chemische Elemente enden. Der Elefantenfuß von Tschernobyl ist die größte Ansammlung der giftigen Substanz weltweit.

Abschaltung des Kraftwerkes in Tschernobyl

❌ Nach der Nuklearkatastrophe wurden bis zum Jahr 2000 nach und nach alle Blöcke des Kraftwerks außer Betrieb genommen: 1991 Block 2, 1996 Block 1 und zuletzt Block 3 im Dezember 2000.

Tschernobyl heute

👻 Die Stadt Prypjat liegt in unmittelbarer Nähe des Kernkraftwerks und ist heute eine Geisterstadt und Zentrum des Sperrgebiets. Vor dem Unfall lebten dort fast 50.000 Menschen, hauptsächlich Beschäftige des Kernkraftwerks und deren Familien.

🏠 Viele Gebäude wurden renoviert und dienen als Unterkünfte für Arbeitskräfte. Nur wenige Menschen leben in der Region, sie lehnten es nach dem Unfall ab, ihr Haus zu verlassen, oder kehrten nach der Katastrophe in ihre Dörfer zurück.

📸 Seit Juli 2011 ist das Gebiet um das Kernkraftwerk für Tourist:innen geöffnet, seitdem gehen Hunderttausende Besucher:innen trotz strenger Sicherheitsmaßnahmen dieser Art von Extremtourismus nach.

☢ Laut der Umweltschutzorganisation Blacksmith Institute zählte Tschernobyl in der 2006, 2007 und 2013 veröffentlichten Liste jeweils zu den 10 Orten mit der größten Umweltverschmutzung weltweit.

Tschernobyl: Die Strahlung heute

Rund um den havarierten Reaktor befindet sich bis heute ein etwa 2.600 Quadratkilometer großes Sperrgebiet, das mit radioaktiver Strahlung verseucht ist. Die Sperrzone darf nur mit Genehmigung betreten werden. In den Randgebieten der Sperrzone ist die Strahlung kaum höher als die natürliche Strahlung, während sie direkt am Reaktor bis auf das 1000-fache ansteigt.

Tschernobyl: Auswirkungen für die Tiere

🐾 Nach der Reaktorkatastrophe im April 1986 starben viele der dort lebenden Tiere.

🐛 Im Umkreis von 7 Kilometern starben zuerst fast alle Würmer, Insekten und Spinnen, später ein Großteil der Nagetiere.

😔 Die Zahl der Fehlgeburten, Tumore und Deformationen stieg stark an.

🦆 Mit abnehmender Strahlung erholte sich der Tierbestand, und mittlerweile leben in radioaktiv belasteten Gebieten teilweise sogar mehr Tiere als vor dem Unfall.

🐟 Bei Fischen, Amphibien und Säugetieren bilden sich Anomalien und Mutationen aus.

🐣 Obwohl die Tiere gesundheitsgefährdend hohe Mengen radioaktiver Substanzen in ihrem Körper anreichern, scheint das die Fortpflanzung der Tiere nicht zu beeinflussen.

Wo ist Tschernobyl?

Tschernobyl: Chronologie der größten Reaktor-Katastrophe aller Zeiten

Die Lage des Kernkraftwerks Tschernobyl und die Entfernung zu Deutschland. Tschernobyl liegt im Norden der Ukraine an der Grenze zu Weißrussland.
Die Lage des Kernkraftwerks Tschernobyl und die Entfernung zu Deutschland. Tschernobyl liegt im Norden der Ukraine an der Grenze zu Weißrussland.© Galileo
Seit 1986 gibt es eine Sperrzone um das Kernkraftwerk.
Seit 1986 gibt es eine Sperrzone um das Kernkraftwerk.© Galileo
Die Lage des Kernkraftwerks Tschernobyl und die Entfernung zu Deutschland. Tschernobyl liegt im Norden der Ukraine an der Grenze zu Weißrussland.
Seit 1986 gibt es eine Sperrzone um das Kernkraftwerk.

Strahlenkrankheit Tschernobyl

Radioaktive Strahlung ist unsichtbar und wird mit der Luft eingeatmet oder gelangt über die Haut in den Körper und reichert sich dort an. Von ihr geht eine ionisierende Strahlung aus, die zu Krebs und anderen Krankheiten führen kann.

Selbst 20 Jahre nach dem Reaktorunfall in Tschernobyl werden in den am meisten betroffenen Regionen deutlich mehr Krebsfälle verzeichnet, wobei es eine besondere Häufung an Schilddrüsenkrebs gibt.

Tschernobyl - Die Wolke über Deutschland
Episode

Tschernobyl - Die Wolke über Deutschland

26. April 1986: Als es zur Explosion im Kernkraftwerk Tschernobyl kommt, haben die BRD und DDR völlig unterschiedliche Strategien, mit der Krise umzugehen und die Bevölkerung zu informieren. Mithilfe von Zeitzeugen u. a. aus Politik und Forschung, hochwertigen Reenactments und Originalaufnahmen schildert die Dokumentation die Auswirkungen, Gefahren und Langzeitfolgen für die Bürger beider Staaten. Und sie stellt die Frage: Was, wenn es heute zu einer nuklearen Katastrophe käme?

  • 46:37 Min
  • Ab 12

Tschernobyl: Die Doku und Serie

Viele Menschen kennen die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl nur aus Erzählungen oder Berichten. Eine dreiteilige Dokumentation und eine Serie vermitteln mit Bildern und Berichten von Überlebenden Eindrücke der Katastrophe.

Die Serie "Chernobyl"

Im Jahr 2019 wurde die Fernsehserie "Chernobyl" erstmals ausgestrahlt. Sie zeigt die Folgen der Reaktorkatastrophe und beruft sich weitgehend auf reale Begebenheiten. Zuschauende erleben, wie es zur Katastrophe kommen konnte und die schockierenden Auswirkungen auf die direkte und weitere Umgebung. Die Mini-Serie wurde 2020 mit dem Golden Globe ausgezeichnet.

Tschernobyl Doku - Die wahren Heldinnen und Helden der Katastrophe

Im 2. Teil der Galileo-Tschernobyl-Doku schildern die Überlebenden, die echten Menschen hinter den Figuren der Serie "Chernobyl", ihre Erlebnisse und verraten, unter welchen Folgen sie heute noch leiden.

Atomkraft im Wandel der Zeit

Tschernobyl: Chronologie der größten Reaktor-Katastrophe aller Zeiten

Das 1. Atomkraftwerk weltweit entstand 1954 in Obninsk/damalige Sowjetunion.
Das 1. Atomkraftwerk weltweit entstand 1954 in Obninsk/damalige Sowjetunion. © IAEA
Calder Hall war das 2. kommerziell zur Stromerzeugung genutzte Kernkraftwerk. Es ging 1956 in England ans Netz.
Calder Hall war das 2. kommerziell zur Stromerzeugung genutzte Kernkraftwerk. Es ging 1956 in England ans Netz.© imago images/United Archives
AKW der neuen Generation: Hualong One (Drache Nr. 1) in China im Jahr 2021.
AKW der neuen Generation: Hualong One (Drache Nr. 1) in China im Jahr 2021.© imago images/Xinhua
Atomkraft, nein, danke! Proteste gegen geplante Kernenergie-Anlagen in Gorleben in Hannover 1979.
Atomkraft, nein, danke! Proteste gegen geplante Kernenergie-Anlagen in Gorleben in Hannover 1979.© picture alliance/dpa
Kernenergie, ja, bitte: Pro-Atomkraft-Demo im Zeichen von Klimaschutz 2019 in Philippsburg.
Kernenergie, ja, bitte: Pro-Atomkraft-Demo im Zeichen von Klimaschutz 2019 in Philippsburg.© imago images/Janis Große
Der Bau des Reaktors in Kalkar (NRW) wurde 1991 endgültig gestoppt.
Der Bau des Reaktors in Kalkar (NRW) wurde 1991 endgültig gestoppt.© picture alliance/dpa
Heute ist der "Schnelle Brüter" Teil eines Freizeitparks.
Heute ist der "Schnelle Brüter" Teil eines Freizeitparks.© imago images/Markus van Offern
Das 1. Atomkraftwerk weltweit entstand 1954 in Obninsk/damalige Sowjetunion.
Calder Hall war das 2. kommerziell zur Stromerzeugung genutzte Kernkraftwerk. Es ging 1956 in England ans Netz.
AKW der neuen Generation: Hualong One (Drache Nr. 1) in China im Jahr 2021.
Atomkraft, nein, danke! Proteste gegen geplante Kernenergie-Anlagen in Gorleben in Hannover 1979.
Kernenergie, ja, bitte: Pro-Atomkraft-Demo im Zeichen von Klimaschutz 2019 in Philippsburg.
Der Bau des Reaktors in Kalkar (NRW) wurde 1991 endgültig gestoppt.
Heute ist der "Schnelle Brüter" Teil eines Freizeitparks.

Ein Jahr im Zeichen der Katastrophe

1986 stand ganz im Zeichen der atomaren Katastrophe. Jedes Jahr veröffentlicht die Gesellschaft für deutsche Sprache e.V. das "Wort des Jahres". Eine Jury wählt dabei Wörter, die das Jahr gesellschaftlich, politisch und wirtschaftlich geprägt haben. Entscheidend für die Wahl ist die Popularität des Wortes. Hier sind die Top 3 von 1986:

1. Tschernobyl

So lautet der Name des Kernkraftwerks. Es ist nach der 18 Kilometer entfernten Stadt Tschernobyl benannt. Die angrenzende Stadt (4 Kilometer) an das AKW heißt Pripjat. Sie wurde 1970 gegründet, die Arbeitende mit ihren Familien lebten dort. Vor dem GAU hatte Pripjat etwa 50.000 Einwohner:innen. Danach wurde die Stadt zur verlassenen Atomruine. 

2. Havarie

Bedeutet: durch einen Unfall entstandener Schaden. Die sowjetische Nachrichtenagentur TASS nutzte diesen Begriff, als sie erstmals den Reaktor-Unfall meldete.

3. Super-GAU

Heißt, dass eine Katastrophe im Kernkraftwerk außer Kontrolle geraten ist. Der Begriff ist umgangssprachlich. Seit 1990 gibt es eine Skala für die Bewertung von Atom-Unfällen.

Die wichtigsten Informationen zur Katastrophe von Tschernobyl im Überblick

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