- Bildquelle: Universal Music © Universal Music

Es war ein Wagnis, was Metallica da auf ihrem fünften Album vorlegten: Die schon 1991 legendäre Band hatte mit Alben wie „Master Of Puppets“, „Ride The Lightning“ und „Kill’em All“ Kultstatus erreicht und eine neue Form der Härte im Metal etabliert. Aber schon damals gab es Songs wie „One“ vom 88er-Album „… And Justice For All“ – ein episches Drama, das als Ballade beginnt und endet, aber sich dazwischen musikalisch und lyrisch direkt in Schützengraben wirft. Dort blitzte kurz auf, zu was sie musikalisch abseits ihrer Härte, fähig waren.

Und dann kam plötzlich „The Black Album“, wie es von den Fans genannt wurde. Zwölf Songs, die nur noch wenig mit dem furiosen Gedresche des Frühwerks zu tun hatten. Das wuchtige, dunkle, gedrosselte „Enter Sandman“. Das stoische, majestätisch voranschreitende „Sad But True“, die perfekt gesungene Power-Ballade „The Unforgiven“ und natürlich der Überhit: „Nothing Else Matters“. Eine getragene Ballade, geprägt vom wunderschönen Gitarrenspiel und James Hetfields Stimme, die auf einmal keine Zweifel mehr ließ, dass dieser Mann nicht nur giften, keifen und brüllen – sondern auch ganz zart singen kann. All diese genannten Songs gelten heute als Meilensteine, damals waren sie für viel frühe Metallica-Fans fast ein Affront. Aber einer, der kommerziell aufging: „The Black Album“ wurde in gleich zehn Ländern die allererste Metallica-Nummer-1 in den Albumcharts.

Erst kürzlich sagte Lead-Gitarrist Kirk Hammett im „Metal Hammer“ über diese Zeit: „Plötzlich verkauften wir so viel wie Guns N‘ Roses oder U2 und wurden in eine vollkommen andere Liga geschossen. Das fühlte sich wirklich, wirklich seltsam an.“ Natürlich sei es für sie großartig gewesen, dem Metal einen derartigen Dienst zu erweisen, weil plötzlich viele Menschen diese Musik hörten, die bislang noch gar nichts damit zu tun hatten. „Doch zur selben Zeit dachten unsere alten Fans, dass sie uns verlieren. Das kann ich verstehen. Wenn eine Band plötzlich nicht mehr eine Million, sondern zwölf Millionen Platten verkauft, erodiert dieses Gefühl der Intimität. Wir verloren den Kontakt zu unserer Basis.“

Die Geschichte sowie Metallicas weiteres Schaffen gaben ihnen jedoch recht. Deshalb ist von der anfänglichen Skepsis zum diesjährigen 30-jährigen Jubiläum kaum noch etwas zu spüren. Im Gegenteil: Zur Feier gibt es nicht nur eine neu gemasterte Edition in diversen Ausführungen mit allem Bonusmaterial, das man auftreiben konnte, sondern auch eine Hommage, wie man sie in der Musikgeschichte selten gesehen hat. Auf „The Metallica Blacklist“ interpretieren mehr als 50 Musikerinnen und Musiker ihre Lieblingssongs vom schwarzen Album. Das wird vor allem spannend, weil darunter nicht nur Rockbands wie IDLES, Volbeat oder Biffy Clyro zu hören sind, sondern auch große Namen aus den Genres Pop, Rap, Singer/Songwriter, Country und sogar Jazz. Kamasi Washington, einer der besten Jazz-Saxofonisten der Jetztzeit, nimmt sich zum Beispiel „My Friend Of Misery“ vor, während Songwriterin Phoebe Bridgers das zarte Folk-Herz von „Nothing Else Matters“ freilegt. Die Hardcore-Klassiker OFF! wiederum bolzen „Holier Than Thou“ zurecht, während Jason Isbell „Sad But True“ mit Pedal Steel Gitarre und Country-Twang angeht. Eine Allstar-Gruppe um Miley Cyrus und Elton John macht „Nothing Else Matters“ noch majestätischer, während der kolumbianische Latin-Pop-Weltstar Juanes bei „Enter Sandman“ zeigt, dass er ein veritabler Rocker ist. „The Metallica Blacklist“ bringt es so auf eine Länge von vier CDs bzw. sieben Vinylscheiben.

Sehr sympathisch ist dabei die Einsicht, dass Metallica schon genug Geld verdient haben in ihrer Karriere: Sämtliche Einnahmen aus dem Verkauf des „The Metallica Blacklist“-Albums fließen in einen Topf, der zu gleichen Teilen zwischen der „All Within My Hands Foundation“ von Metallica sowie über 50 weiteren gemeinnützigen Institutionen aufgeteilt wird, die von den anderen beteiligten Künstler*innen ausgewählt wurden. Metallica gründeten ihre eigene „All Within My Hands Foundation“ im Jahr 2017, um denjenigen Gemeinden etwas zurückzugeben, von denen die Band besonders viel Unterstützung bekommen hat. Konkret setzt sich die Stiftung unter anderem für die Weiterbildung von Arbeitskräften, den Kampf gegen Hunger und für andere lokale Initiativen ein. So macht man das als Rockstar.

Das offizielle Video